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17.04.2012
Breivik ohne Reue: "Ja, ich würde das wieder machen"

Breivik | Foto: Hakon Mosvold Larsen

Oslo - Selbstgerecht und voller Verachtung für seine Opfer hat sich der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik vor dem Gericht in Oslo verteidigt.

Er brüstete sich der "spektakulärsten Operation eines militanten Nationalisten in Europa in diesem Jahrhundert" und prahlte mit seinen Attentaten, bei denen im vergangenen Sommer 77 Menschen in Oslo und einem Jugendcamp auf der Insel Utøya umkamen. Mehrfach unterbrach ihn die Richterin Wenche Elizabeth Arntzen und forderte ihn auf, sich zu mäßigen.

"Ja, ich würde das wieder machen", sagte der rechtsradikale Islamhasser am Dienstag. Seine Taten seien grausam gewesen und hätten viel Leid verursacht. Was jedoch wie Bedauern klingen könnte, hat in Breiviks wirrem Weltbild keinen Platz. Er habe gehandelt, um sein Land vor einem Bürgerkrieg zu bewahren, sagte der Attentäter und verlangt für sich einen Freispruch. "Das war Güte und nicht Bosheit, auch wenn die Methoden brutal waren." Er habe nicht erwartet, den Tag seiner Attentate zu überleben. Es sei eine Selbstmord-Mission gewesen.

Schmerzhaft klangen die Worte des Angeklagten den tief getroffenen Angehörigen der Opfer in den Ohren. "Das waren keine unschuldigen Kinder, sondern politische Aktivisten, die für den Multikulturismus arbeiteten", sagte Breivik zu seinem Massaker im Jugendcamp von Utøya, wo er kaltblütig 69 Teilnehmer getötet hatte. Als der 33-Jährige die sozialdemokratische Jugendorganisation AUF mit der Hitlerjugend verglich, unterbrach ihn die Richterin.

In seiner Verteidigungsrede bezog sich Breivik auch auf die Zwickauer Terrorzelle NSU in Deutschland. Die Gegner von Einwanderung und Multikulturalismus hätten sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht frei äußern dürfen, sagte der 33-Jährige. "Es sind diese Ungerechtigkeiten, die mich, den Lasermann in Schweden und die NSU in Deutschland schufen."

Der als "Lasermann" bekanntgewordene Schwede John Ausonius hatte von 1991 bis 1992 mit einer Schusswaffe Jagd auf dunkelhäutige Opfer gemacht. Er wurde wegen Mordes und neun Mordversuchen zu lebenslanger Haft verurteilt. In Deutschland war im vergangenen Jahr eine beispiellose Mordserie der Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufgeflogen.

Angehörige der Opfer wandten sich während seines Vortrags per SMS an ihre Anwälte im Gerichtssaal. Breivik dürfe keine so große Bühne erhalten, sein Vortrag müsse gekürzt werden, forderten sie. Der Attentäter las mit ruhiger Stimme eine auf 13 Seiten vorbereitete Rede vor - eine Mischung aus Selbstrechtfertigung und wirren politischen Statements. Trotz Aufforderung seitens des Gerichts kürzte er sie nicht ab.

Richter und Staatsanwälte hörten mit versteinerter, ernster Miene zu. Vor dem Gefängnis habe er keine Angst, betonte Breivik. "Ich wurde in einem Gefängnis geboren und habe mein ganzes Leben in einem Gefängnis gelebt." In Norwegen werde er gezwungen zuzusehen, wie seine eigene ethnische Gruppe zerstört werde.

Der zweite Prozesstag hatte mit einem Eklat begonnen: Einer der Laienrichter wurde wegen Befangenheit vom Prozess ausgeschlossen. Einen Tag nach den Anschlägen im vergangenen Jahr hatte er im sozialen Netzwerk Facebook die Meinung vertreten: "Die Todesstrafe ist das einzig Gerechte in diesem Fall!" Diese Reaktion könne "das Vertrauen in ihn als Richter schwächen", begründete das Gericht. An seine Stelle wurde ein Ersatzschöffe berufen.

Während der erste Prozesstag weltweit auf vielen Sendern live übertragen wurde, waren am Dienstag keine Kameras im Gerichtssaal zugelassen. Vor dem Prozess hatten Überlebende und Angehörige der Opfer kritisiert, Breivik werde eine öffentliche Bühne für seine menschenverachtenden Thesen gegeben.

Gerichtsinformationen zum Breivik-Fall, auf norwegisch

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 17.04.2012 um 16:53:41 Uhr

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Kommentare
@zombie1969: Sollte er als zurechnungsfähiger Täter verurteilt werden bekommt er ledigdlich 21 Jahre Haft. Dann würde er mit nichtmal mitte 50 wieder ein freier *Mensch* sein. Und wohl leider sogar als ein reicher, er wird bis dahin seine Memoiren und Filmrechte verkauft haben.

Er kann nur noch so widerspenstig reagieren. Er weiss ganz genau, dass er nie mehr freikommt. Und das er das genau weiss, das ist für den Zuschauer und die Angehörigen der Opfer die grösste Genugtuung. Dass er nie wieder freikommt, sollte man ihm immer wieder voll kommunizieren. Das, und nur das, wird ihn am Schluss brechen.

@Fritz Knullepuff: Sehr gute Frage. Die Antwort lautet meiner Meinung nach - auch wenn es nicht immer leicht sein mag - : Niemals.

Verzicht auf die Todesstrafe ist meiner Ansicht nach auch eine zivilisatorische Leistung. Der Ruf nach Verzicht darauf sagt einiges über den Rufer...

@Köller:

Ab wie vielen Toten verwirkt ein Mörder denn sein "Recht auf Leben"?

Ich bin eigentlich gegen die Todesstrafe. Aber in
diesem Fall sollte man sie verhängen. Er hat
77 jungen Menschen das Leben genommen. Somit
hat dieser Mörder auch sein eigenes Leben
verwirkt.



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