Johannes leistet ab September Friedensdienst in Auschwitz / Keine Furcht vor Auseinandersetzung mit Vergangenheit
Das Konzentrationslager war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Name Auschwitz wurde zum Symbol für den Holocaust schlechthin. Johannes arbeitet ab September im Jüdischen Zentrum in Oswieçim, wie Auschwitz auf Polnisch genannt wird. In dem Museum wird der Rats-Abiturient Besucher herumführen und über das jüdische Leben im Ort vor dem Einmarsch der Nazis berichten. "Ich möchte Besuchern den Schrecken vermitteln, damit so etwas nie wieder passiert", sagt das Gründungsmitglied der Grünen Jugend Minden-Lübbecke.
Johannes reist mit der Aktion Sühnezeichen im September nach Polen. | Foto: Christoph
Johannes reist mit der Aktion Sühnezeichen (siehe Kasten). In ein paar Wochen geht es für ihn und drei andere Freiwillige aus Minden los. Der Film "Am Ende kommen Touristen", in dem ein Zivi Dienst in Auschwitz leistet, brachte ihn auf die Idee. Und eine Freundin machte auch bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienst (ASF) mit. Nach einer Bewerbung wurde er von der Organisation zum Vorstellungsseminar nach Berlin eingeladen.
Die Teilnehmer unterhielten sich über den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust, die Beziehung zwischen Deutschen und Polen. Gespräche mit ehemaligen Freiwilligen vermittelten einen Eindruck von der Arbeit vor Ort, Erfahrungen und Projekte wurden beschrieben. Zum Schluss konnten die zukünftigen Friedensdienstler ihre favorisierten Einsatzorte und Projekte angeben. Ob sie dafür geeignet seien, entschied dann ASF.
Vor Ort arbeitet und wohnt der Mindener mit einem ukrainischen Freiwilligen zusammen. Die Wohnung wird von der Organisation gestellt, er bekommt auch ein Gehalt und hat Anspruch auf Urlaub. Im Vorfeld musste Johannes 15 Paten finden, die ihn monatlich finanziell unterstützen. Eine Patenschaft übernahm die Christlich-jüdische Gemeinschaft Minden. Über die Homepage der Aktion Sühnezeichen wurde auch ein fremder Pate gefunden.
Hat er keine Angst, von der Schuld der Vergangenheit erdrückt zu werden? Johannes glaubt nicht, dass ihn die Arbeit belasten wird. Schon weil er nicht direkt im Lager arbeite. "Wenn ich daran denke, dass ich bald über die Straße gehen werde, über die die Menschen damals getrieben wurden, ist das schon ein komisches Gefühl", sagt er aber auch.
Trotzdem: Mit "Sühne", wie es der Name der Organisation vermittelt, habe der Dienst für ihn persönlich nichts zu tun: "Sühne bedeutet ja eine Gegenleistung für etwas, was man verbrochen hat. Meine Generation hat mit dem Schrecken aber nichts mehr zu tun." Er wolle vielmehr zeigen, dass in Deutschland die Vergangenheit gut aufgearbeitet werde, die junge Generation anders sei.
Johannes freut sich darauf, ein positives Bild von Deutschland zu vermitteln und eine neue Kultur kennenzulernen. Fleißig paukt er dafür Polnisch. Natürlich wird er sich auch das Lager anschauen: "Ich habe von anderen Freiwilligen gehört, dass es einen förmlich erschlägt. Man kann da nicht ohne Anteilnahme durchlaufen." Was er sonst nur in Büchern gesehen hat, ist nicht mehr wegzuschieben. Aber: "Auschwitz ist wie zwei Orte. Es gibt einen Ort, in dem die Menschen leben und einen, wo das Lager ist. Dazwischen ist ein Fluss, der beide trennt. Ich bin auf der Seite, wo die Menschen leben."
Johannes Fendel hält Interessierte mit seinem Blog auf dem Laufenden:
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