Mutter-Vater-Kind. Wie lange noch?
Hille (zt). Die klassische Familienform mit einer Mutter, einem Vater und einem oder mehreren Kindern wird in Deutschland immer weiter verdrängt. Hier sind einige Beispiele.
Nele ist 14 Jahre alt und hat sozusagen eine typische Familie mit Mutter, Vater und Kind. Geschwister hat sie keine. Immer wenn die Schülerin von der Schule nach Hause kommt, ist ihre Mutter, die nur ein bis zwei Stunden die Woche arbeitet und sonst Hausfrau ist, da. Ihre Mutter kocht, putzt und kümmert sich auch sonst um alles. Neles Vater ist selbstständig und verdient das Geld. Die 14-Jährige mag die Wochenenden um etwas mit ihrer Familie zu unternehmen. Sie sagt: "Nein, ich würde mir nie wünschen, dass meine Familie anders wäre." Nele ist froh, dass alles so ist wie es ist!
Pia ist 13 Jahre alt und lebt seit sieben Jahren in einer Patchwork-Familie. Sie wohnt mit ihrem Bruder, ihrer Mutter und deren Lebensgefährten in einem Haus, alle 14 Tage am Wochenende kommen seine zwei Kinder. Sie sagt: "Ich komme ganz gut mit der Situation zurecht, doch am Anfang war es schwierig mit seinen Kindern." Pia wünscht sich nicht, dass es anders wäre, denn sie hat zu ihrem leiblichen Vater keinen Kontakt und sie kann sich gar nicht vorstellen, wie es anders wäre. Während ihr großer Bruder den Rasen mäht, hilft Pia ihrer Mutter bei der restlichen Gartenarbeit. Ansonsten putzen die beiden ihre Zimmer selbstständig und ihre Mutter macht den Haushalt so gut wie alleine. Pias Mutter geht arbeiten und dadurch ist sie an manchen Tagen alleine Zuhause. Manchmal sieht sie den Lebensgefährten ihrer Mutter fast gar nicht, weil er selbstständig ist und so oft spät nach Hause kommt.
Ein Mädchen der Gruppe, Undine, hat zwei Familiensitze. Sie ist die Hälfte der Woche und jedes zweites Wochenende mit ihrer Zwillingsschwester bei der Mutter und deren Freund. Dort wird die Hausarbeit aufgeteilt. Den Rest der Zeit verbringen sie und ihre Schwester beim Vater und dessen Freundin. Eine Raumreinigungskraft übernimmt hier die Hausarbeit. Das Essen stellen die Eltern auf den Tisch. Weil sie beide arbeiten, ist nicht immer jemand zu Hause, wenn sie heimkehren. Sie sagt: §Ich komme relativ gut mit der Situation klar und mit den Partnern meiner Eltern versteh‘ ich mich auch gut." Ihrer Ansicht nach wäre es schöner nur einen Wohnsitz zu haben, doch sie will keinen ihrer Elternteile verlieren.
Die 14-jährige Laura Marie lebt alleine mit ihrer Mutter in einem großen Haus. Ihr leiblicher Vater ist vor sechs Jahren verstorben. Mittlerweile hat ihre Mutter wieder einen Freund, der an den Wochenenden da ist. Laura Marie kommt relativ gut mit der Situation zurecht, da sie den Partner ihrer Mutter auch sehr mag. Trotzdem würde sie sich ihren Vater wieder wünschen. "Meine Mutter schmeißt den Haushalt so gut wie alleine, außer mein Zimmer, das halte ich selbst sauber. ", sagt sie. Laura Maries Mutter arbeitet viel - jeden Tag bis zum späten Nachmittag. Das bedeutet für Laura Marie dass sie oft beziehungsweise immer alleine zu Hause ist.