Struktur des deutschen Tageszeitungsmarkts
Insgesamt erscheinen in Deutschland täglich 1538 Ausgaben von
Tageszeitungen mit einer Auflage von 21,3 Millionen Exemplaren. Davon sind 1,7 Millionen Exemplare überregionale Abonnementzeitungen, 15 Millionen Exemplare lokale und regionale Abonnementzeitungen und 4,6 Millionen Exemplare Kaufzeitungen.
Wie in anderen Branchen sind auch auf dem Pressemarkt seit Jahren Konzentrationsprozesse zu beobachten. 349 Verlage geben in Deutschland-Zeitungen heraus. 1954 waren es in der alten Bundesrepublik noch 624.
Pressevielfalt auf lokaler Ebene
Viele LOKAL- UND REGIONALZEITUNGEN erstellen nur den Lokal- und Regionalteil selbst und übernehmen den überregionalen Teil, den so genannten MANTEL, von anderen Zeitungen. 138 Zeitungen geben einen eigenen Mantel heraus, sie werden als PUBLIZISTISCHE EINHEITEN bezeichnet. 1954 gab es allein in der alten Bundesrepublik 225 publizistische Einheiten.
Betrachtet man die Pressevielfalt auf lokaler Ebene, so ist
interessant, wie viele konkurrierende Zeitungen in einem
Verbreitungsgebiet erscheinen. In Deutschland gibt es 256 Kreise und kreisfreie Städte, in denen nur eine einzige Lokalzeitung erscheint (Einzeitungskreise). In 183 Kreisen bzw. kreisfreien Städten machen sich zwei oder mehr Zeitungen in der lokalen Berichterstattung Konkurrenz. Lebten 1954 nur 8,5 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, in denen nur eine lokale Tageszeitung erscheint, so waren es 2004 bereits 42 Prozent.
Bei Großstädten über 100.000 Einwohner gibt es 30 Städte, in denen nur eine Tageszeitung erscheint (z. B. Saarbrücken, Kassel, Osnabrück, Kiel, Wuppertal oder Leipzig). In 43 Städten erscheinen zwei Tageszeitungen mit Lokalteil, davon gehören die Zeitungen in 15 Städten der gleichen Verlagsgruppe an, in Hannover und Stuttgart zum Beispiel. In Köln gibt es zwei ABONNEMENTZEITUNGEN und eine BOULEVARDZEITUNG, die alle vom selben Verlag herausgegeben werden.
Im Jahr 2001 begann für die Zeitungsverlage eine bis heute andauernde Krise. Die Werbeeinnahmen sind auf Grund der allgemeinen konjunkturellen Lage zurückgegangen. Die Umfänge bezahlter ANZEIGEN in lokalen und regionalen Abonnementzeitungen haben von Januar bis Dezember 2002 im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 12,3 Prozent abgenommen. Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle der
Zeitungsverlage. Sie macht rund zwei Drittel der Gesamteinnahmen aus.
Als Folge der Wirtschaftskrise sparen die Verlage Kosten. Sie bauen
Arbeitsplätze ab oder kürzen das redaktionelle Angebot. So haben
überregionale Zeitungen ihre Berlinseiten gestrichen, die Süddeutsche Zeitung stellte ihre Jugendbeilage JETZT und ihren NRW-Teil ein. Manche Lokalzeitung gab ihre Hauptredaktion auf und bezieht den MANTEL nun von einer anderen Zeitung, u. a. der Hellweger Anzeiger in Unna und der Schwarzwälder Bote in Oberndorf. Der Springer-Verlag legte die Redaktionen der Welt und die der Berliner Morgenpost zusammen.Die Krise führt auch zu einer höheren Konzentration. Kleinere Verlage wurden von größeren aufgekauft. So gehört zum Beispiel der vormals eigenständige Gießener Anzeiger nun zur Verlagsgruppe Rhein-Main, die Hessische Niedersächsische Allgemeine zur Verlagsgruppe Ippen.
Die Medienlandschaft im Internet
Focus online, RP-online, RTL online, welt.de oder Spiegel online -
Medien gehören zu den meist angesurften Seiten im Internet. Fast alle deutschen Massenmedien sind mit einem eigenen Angebot im Internet vertreten, egal ob Tageszeitungen, Wochenmagazine, TV-Zeitschriften oder Radio- und Fernsehsender.
Im Jahr 2005 wurden 631 Websites von Tageszeitungen gezählt. Die Vielzahl von Angeboten ist jedoch nicht gleichbedeutend mit
publizistischer Vielfalt. Die WEBSITES von Tageszeitungen erscheinen häufig im Verbund. 124 Websites von Tageszeitungen standen 1999 allein, weitere 242 Angebote waren in insgesamt 37 Verbundangeboten verknüpft, das heißt, ein Teil der Inhalte wurde nicht selbst produziert, sondern übernommen. Ähnlich wie bei den Printausgaben erstellen die meisten regionalen Verlage die überregionalen Informationen für das Internet nicht selbst. Die Informationen werden häufig von NACHRICHTENAGENTUREN
zugeliefert. Andere Regional- und Lokalzeitungen beziehen spezielle
Online-Mantelteile von Zet.Net oder pipeline. Das sind Online-Zulieferer, die von kleineren Verlagen gemeinsam gegründet
wurden.
In den letzten Jahren gewinnt e-paper bei Zeitungsverlagen an
Bedeutung. E-paper heißt, dass Zeitungen das exakte Abbild ihrer
gedruckten Zeitung über das Internet verbreiten, in der Regel im
PDF-Format. Anfang Juni 2005 gaben 50 Tageszeitungen in Deutschland e-paper-Ausgaben heraus, darunter die Financial Times, das MINDENER TAGEBLATT, der Nordkurier und Die Welt.
Zunächst wurden die digitalen Ausgaben nur Abonnenten der Printausgaben angeboten. Sie wurden per Mail geschickt oder konnten aus dem Netz herunter geladen werden. Mittlerweile haben viele Zeitungen auch reine Online-Abos eingerichtet. Die Preise schwanken stark. Manche Zeitungen bieten das Online-Abo deutlich billiger an. Bei anderen Zeitungen kostet es genauso viel wie das Printabo. Der Tagesspiegel und die Stuttgarter Zeitung verkaufen auch einzelne Online-Ausgaben.
Unterschiedlich sind auch die Konzepte von e-paper. Sie reichen von der 1:1-Kopie der täglichen gedruckten Ausgabe bis zur Kombination mit vielfältigen Sammel-, Navigations- und Suchmöglichkeiten.
Für die Verlage ist e-paper aus Kostengründen attraktiv: Ohne großen Aufwand können sie das Printprodukt auch online verfügbar machen. Eine spezielle Online-Redaktion ist dafür nicht nötig. Internetnutzer können die digitale Zeitung an jedem Ort abrufen und lesen wie gedruckt. Denn die Ausgabe sieht genauso aus wie die Printausgabe. Sie ist allerdings verkleinert.
Die erste reine Online-Zeitung
Seit November 2000 erscheint die erste tagesaktuelle deutsche reine Onlinezeitung (www.netzeitung.de). Der Herausgeber war zunächst ein Internet-Unternehmen, Lycos Europa. Mittlerweile hat das norwegische Verlagshaus Orkla Media die Netzeitung gekauft. Die Netzeitung wird von rund einer Million Menschen monatlich gelesen. Im Dezember 2003 hat die Netzeitung nach eigenen Angaben ihren "Break-Even-Point" erreicht, d.h. sie arbeitet seitdem mit Gewinn.
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