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21.09.2009
Die Sprache der Zeitung: Redigieren

Jeder Text, den freie Mitarbeiter und Praktikanten schreiben, wird von Redakteuren gegen gelesen. Jeder Text, den Vereine, Parteien, Behörden und andere Interessengruppen einreichen, wird redigiert. Denn es gibt bestimmte Konventionen in der Tageszeitung, auf deren Einhaltung geachtet wird - zum einen, damit Texte besser lesbar und verständlich sind, zum anderen, damit nicht plötzlich Meinung oder gar Polemik in einen vorgeblich neutralen Artikel verpackt erscheinen. Auch Zeitugnstreff-Schüler sollten diese Regeln einhalten, damit das Team nicht Texte intensiv redigieren müssen. Hier eine (sicher nicht vollständige) Liste.

Namen werden bei der ersten Nennung immer als Vor- und Nachname geschrieben.

Titel sind keine Vornamen, werden bei der ersten Nennung in der Regel erwähnt. "Herr" Meier ist ebenso verboten wie "Frau" Meier. Bei Berichten, in denen es um eine Frau geht, verwendet die Lokalredaktion meist durchgängig Vor- und Zunamen, auch bei wiederholter Erwähnung. Die Meier oder Meier wird (noch?) als unhöflich empfunden. Anders im Sport: Hier werfen Schulz, Schmitt und Meier die Tore, auch wenn sie Frauen sind. Da das MT nicht die taz ist, gibt es bei uns keine LehrerInnen und TeilnehmerInnen, sondern (noch) Lehrer und Lehrerinnen (30 Männer, zwei Frauen oder 30 Frauen, zwei Männer) und Teilnehmerinnen (26 Frauen). Wurden bei gemischten Gruppen am Anfang eines Artikels beide Formen genannt, kann man sich in der Folge auf eine beschränken. Nach gegenwärtigem Sprachgefühl ist das dann die männliche: "Lehrerinnen und Lehrer gehen auf die Straße. Mit einem dreiwöchigen Streik wollen die Pädagogen erreichen, dass . . ."

Daten werden so geschrieben: Am Sonntag, 7. August, kamen die Marsmenschen nach Minden. Nicht: Sonntag, den 7. August. Nicht: kommenden Sonntag, nächsten Sonntag. Höchstens mal: Am heutigen Samstag um auf die Aktualität hinzuweisen. Sonnabend ist out. Wir sagen Samstag, um Verwechslungen mit Sonntag zu vermeiden.

Uhrzeit: Nie: 15.00 Uhr. Immer: 15 Uhr. Aber natürlich: 15.45 Uhr.

An- und Abführung: "Ich will", sagte der Marsmensch, "mehr Bier." / "Ich will mehr Bier", sagte der Marsmensch. / Der Marsmensch sagte: "Ich will mehr Bier." (Man achte auf die Zeichensetzung.)

Das Apostroph wird oft falsch verwendet. So wird zum Beispiel bei Begriffen, die aus dem Englischen stammen, im englischen Plural vor dem s oft ein Apostroph gesetzt. Das ist im Deutschen falsch: Bennos Sorgen, billige T-Shirts. Wenn das Pronomen "es" mit dem vorherigen Wort zusammengesetzt wird, steht ein Auslassungszeichen: Mir geht's gut. Wenn der Artikel "das" verkürzt angehängt wird, steht kein Apostroph: Er geht ans Wasser.Zahlen von eins bis zwölf werden ausgeschrieben. Mehr als vierstellige Zahlen werden durch Zwischenräume gegliedert. Achtung: Die Gummibärchen spielten um den fünften Platz, stehen aber auf Rang 5 der aktuellen Tabelle. Bärchen Christian ist sechs Jahre alt. Im Sport gelten andere Regeln: Da ist unter anderem wegen der häufigen Wiederholung der 5. Platz üblich. Versuchen Sie, wo es möglich ist, Vergleiche herzustellen: Ein Viertel ist besser als 25 Prozent; jeder vierte hat Karies ist besser als 25 Prozent haben Karies. Es gibt nur ein 25stes Jubiläum und ein 25jähriges Bestehen zu feiern - auf keinen Fall ein 25jähriges Jubiläum.

Telefonnummern werden von hinten in je zwei Ziffern gegliedert. Ortsnetze in Klammern. Telefon (0 57 71) 57 76..

Kuppeln: Namen, die aus drei und mehr zusammengesetzten Wörtern bestehen, werden gekuppelt: Wiedervereinigungs-Gipfeltreffen. Aber solche Fügungen am besten vermeiden.

Preise von Fahrten, Veranstaltungen etc. schreiben wir nicht. Dafür gibt es den Anzeigenteil. Dennoch berichten wir in der Zeitung über Geldangelegenheiten. Dabei wird das Euro-Symbol zu Euro (der Lesbarkeit halber). Ausnahmen sind Texte, in denen mehrfach mit Euro jongliert wird. Ähnliches gilt für Prozent und Promille.

Abkürzungen raus. Dass ein RGZV seine JHV im JZ macht, ist ein Beleidigung der Leser - auch in Überschriften. Bei der ersten Nennung den Verein ausschreiben, die Abkürzung in Klammern dahinter. Anschließend ist die Abkürzung bekannt und kann im Text verwendet werden. Ausnahmen: SPD, CDU, FDP, BÜZ, ZOB, DRK, NATO, BAFÖG, Aids. Das müssten die Leser auch so verstehen. Aber: zum Beispiel, das heißt, unter anderem - Ausschreiben!

Marken- und Firmennamen werden mit einigen Ausnahmen nicht in der Firmenschreibweise übernommen. Also: Telekom, Esso, Aral, Veba, Edeka. Und, weil Ausnahmen die Regel bestätigen: VW, BMW.

Schwieriger Plural: Ein Laster ist ein Lkw, zwei Lastwagen sind zwei Lkw.

Petrus ad´e: Da wir immer wieder dieselben Formeln in Texten finden, haben wir beschlossen: Das Tanzbein wird bei uns in der Zeitung nicht mehr geschwungen, und Petrus und der Wettergott dürfen ihre verdiente Rente genießen.

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