Das Sammeln von Informationen
Die Recherche ist die Hauptaufgabe von Journalisten. Sie tragen Informationen zusammen, überprüfen sie, holen Stellungnahmen ein und versuchen, Hintergründe offen zu legen.
Wenn du ein Thema ausgewählt hast, musst du zunächst prüfen, ob es auch für andere interessant ist. Wurde schon häufig darüber in der Zeitung berichtet? Gibt es einen neuen Aspekt, den du aufgreifen kannst? Im Archiv der Zeitung kannst du dir einen Überblick verschaffen. Auch ein Blick ins Internet kann hilfreich sein. Danach solltest du festlegen, auf welchen Aspekt es dir bei dem Artikel ankommt und was das Wichtigste ist.
Auf jeden Fall muss jeder Artikel folgende Fragen beantworten:
* Wer hat etwas getan?
* Wo ist etwas passiert?
* Was ist passiert?
* Wann ist es passiert?
* Wie ist es passiert?
* Warum ist etwas passiert?
* Von wem sind die Informationen (welche Quelle)?
Wenn bei deinem Thema möglich, gehe an den Ort des Geschehens, sieh und hör dich um (gehe in Jugendtreffs, wenn du über Freizeitangebote für Jugendliche schreiben willst oder in Unterkünfte von Asylsuchenden, wenn du über ihre Situation berichten willst).
Halte Augen und Ohren offen und notiere nicht nur die nackten Fakten, sondern auch Eindrücke. Bei der Besichtigung des Kinos notiere auch, wie es im Vorführraum aussah. Beim Besuch in der Schokoladenfabrik achte auch darauf, wie die Atmosphäre in der Produktionshalle ist: Wie sind die Arbeitskräfte gekleidet? Wie groß sind die Maschinen? Wonach riecht es? Die Beschreibung der Atmosphäre macht einen Artikel erst lebendig.
Wer kann dir mit Informationen helfen? Ist das Thema umstritten, solltest du unterschiedliche Standpunkte einholen und alle Seiten berücksichtigen: Beim Asylthema frage nicht nur die Ausländerbehörde oder Politiker, sondern auch Initiativen, die sich um die Asylsuchenden kümmern, und natürlich die Betroffenen selbst.
Wenn du nur wenige Fragen hast, reicht es, die Informationen per Telefon einzuholen. Sonst mache einen Termin mit deinem Gesprächspartner aus. Der Presseausweis hilft dir nachzuweisen, dass du für den Zeitungstreff recherchierst.
Schreibe die Antworten deines Gesprächspartners mit oder nimm sie mit einem Kassettenrekorder auf. Schreibe auf jeden Fall Zahlen, Daten, Fakten und Spezialausdrücke auf, notiere auch besonders originelle Zitate deines Gesprächspartners. Wichtig: Benutzt du die Informationen in deinem Artikel, musst du die Informanten (Quellen) mit Namen, Vornamen und Funktion nennen:FALSCH: Zum Thema nachhaltiges Wirtschaften befragten Schüler einen Spezialisten ihrer Schule, Thiele, der sich in seiner Freizeit mit der Umwelt beschäftigt.
RICHTIG: Zum Thema nachhaltiges Wirtschaften befragten Schüler Udo Thiele, Erdkunde- und Biologielehrer am Gymnasium Petershagen, der sich auch in seiner Freizeit mit der Umwelt beschäftigt.
Tipps: Recherchieren für den Zeitungstreff
Fakten, Fakten , Fakten: Die zu sammeln und zu gewichten ist eine der wichtigsten Aufgaben von Jounalisten. Das Recherchieren folgt klaren Regeln.
Projektausweis: Der Projektausweis soll euch bei der Recherche behilflich sein - wenn Ihr zum Beispiel ein Interview führen oder eine Umfrage in der Stadt machen wollt. Der Projektausweis ist allerdings keine Freikarte für den Kinobesuch oder eine Sportveranstaltung. Beachtet für eure Recherche bei Behörden, Vereinen und Verbänden bitte unseren Recherche-Knigge, den wir gemeinsam mit Mitarbeiterinnen heimischer Pressestellen zusammengetragen haben.
Vorstellen: Wer für den Zeitungstreff bei Firmen und Behörden recherchiert, sollte sich mit Namen und Klasse sowie der Information vorstellen, dass er für einen Bericht im "Zeitungstreff" des Mindener Tageblatts recherchiert.
Richtige Stelle kontaktieren: Anfragen ausschließlich an die Pressestellen von Firmen und Behörden richten. Diese vermitteln dann weitere Gesprächspartner. Denn in Firmen und Behörden ist klar geregelt, wer Auskünfte gegenüber der Öffentlichkeit geben darf.
"Das wird ein Artikel". Immer ganz deutlich machen, dass Gesprächsergebnisse zur Veröffentlichung im MT bestimmt sind. "Ein Mitarbeiter von uns war höchst erstaunt, dass Aussagen von ihm in der Zeitung standen. Er hatte mit der Tochter des Nachbarn nett über seine Arbeit geplaudert. Dass die das im Zeitungstreff veröffentlichen wollte, war ihm überhaupt nicht klar", so eine Pressesprecherin.
Nicht überheben. Nur Themen bearbeiten, die auch zu bewältigen sind: "Wie erfolgreich ist Harz IV?" ist eine Frage, für die der Recherchierende sehr viel Hintergrundwissen braucht - und die Fähigkeit, die umfassend gesammelten Informationen richtig und lesefreundlich aufzubereiten. Die Auskunft Gebenden müssen sich zudem sehr viel Zeit nehmen.
Keine Vorurteile. Themen nur mit sinnvollen Fragestellungen und ohne Vorurteile bearbeiten. Wer sich nicht sicher ist, kann vorher beim Zeitungstreff-Team anrufen, um sich Tipps zu holen.
Informiert sein. Themen klar abgrenzen und sich vor der Anfrage bei der Pressestelle bereits über die Sachlage informieren. "Wie ist das mit der Vogelgrippe?" - daraufhin würde eine Pressestelle fragen: "Welcher Aspekt interessiert speziell?" "Eine grundsätzliche Einführung in ein Thema geben wir bei Recherchen nicht", so eine Pressestellen-Vertreterin. Also: Vorher ins Thema einarbeiten und Fragen vorbereiten. "Wer zum Beispiel ‚was über Sekten' recherchieren will, ist bei mir eher falsch"; sagt die Sprecherin des Kirchenkreises Minden. "Konkrete Fragen hingegen beantworte ich jederzeit gern."Kein Druck. Pressestellen nicht unter Zeitdruck setzen. Wer im Zeitungstreff vier Wochen Zeit für eine Recherche hat, der sollte den Auskunft Gebenden ausreichend Zeit lassen, einen Gesprächstermin anzubieten oder sich in der Sache schlau zu machen.
Termine ausmachen. Für Recherchen zuvor Termine telefonisch ausmachen. Schließlich haben zum Beispiel die Mitarbeitenden in der Polizeibehörde einen ganz normalen Arbeitstag. Für die Fragen der Besucher möchten sie sich gerne Zeit nehmen - aber das geht nur, wenn die Besucher auch angemeldet sind.
Gründliche Gesamtrecherche. Das heißt: Alle Seiten zu einem Thema zu Wort kommen lassen. Wenn Aspekte noch nicht klar sind, lieber noch einmal nachfragen.
Korrigieren. Denkt daran, dass eure Texte veröffentlicht werden. Prüft daher ganz genau, ob die Namen, Funktionen und Fakten in euren Texten stimmen. Kannst Du alle wichtigen W-Fragen beantworten (Wer, Was, Wann, Wo, Wie, Warum, Welche Quelle)? Sind die Quellen deiner Information glaubwürdig? Hast du - vor allem bei umstrittenen Sachverhalten - alle Standpunkte eingeholt (Experten,Betroffene, Verantwortliche)? Stimmen die Zahlen, sind Fachbegriffe erklärt?
















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