Donnerstag, 24.05.2012
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01.05.2010
Kurzprogramme der Parteien zum Thema Schule / Bildung

Am 9. Mai 2010 finden die Landtagswahlen zum 15. Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen statt. Die Parteien diskutieren unter anderem über die Betreuung von unter Dreijährigen, Klassengrößen, das Turboabitur sowie über Studiengebühren. Auf dieser Seite stellen die Parteien ihre Programme zum Thema Schule/Bildung in einer kurzen Übersicht vor.

CDU: Kleinere Klassen schaffen
Eine Weiterentwicklung des bestehenden bewährten dreigliedrigen Schulsystems und der Gesamtschulen befürwortet die CDU, da dieses am besten die Entwicklung unserer Kinder unterstützt und auf ihre Fähigkeiten ausgerichtet ist.

Bei den Klassengrößen gab es in den letzten Jahren bereits erste spürbare Erfolge, die Schaffung kleinerer Klassen bleibt daher weiterhin ein wichtiges Ziel. Bei sinkenden Schülerzahlen, gerade in ländlichen Räumen wie Minden-Lübbecke müssen aber auch Lösungsansätze durch Verbundschulen weiter verfolgt werden.
Im Zuge der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird dem Ausbau der Ganztagsbetreuung auch zukünftig eine hohe Priorität eingeräumt. Zudem muss der erfolgreiche Weg des Auf- und Ausbaus von Familienzentren fortgesetzt werden.

Der Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige wird in den nächsten Jahren erfüllt. Durch den massiven Ausbau - immerhin einer Verachtfachung seit 2005 - sind wir auf einem guten Weg. Die Weiterentwicklung des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) ist erforderlich.

Zudem spricht sich die CDU für einen weiteren deutlichen Ausbau der Hochschulstandorte in unserer Region aus. Bereits 500 neue Fachhochschulplätze am Standort Minden konnten realisiert werden.

SPD: Der Elternwille zählt
Kindergarten: Bildung beginnt bereits in der Kindertagesstätte. Wir setzen auf den bedarfsgerechten Ausbau der Betreuung von unter Dreijährigen, kleineren Gruppen und verbessern die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher.

Schule: Für uns zählt der Elternwille, deshalb schaffen wir die verbindliche Grundschulempfehlung wieder ab. Gleiches gilt für die Kopfnoten. Mit der Wiedereinführung der Drittelparität in der Schulkonferenz wollen die Gleichberechtigung und –verantwortung von Eltern, Schülern und Lehrern stärken. Mit einem Stufenplan schaffen wir kleinere Klassen.

Unser Ziel ist eine Klassengröße von maximal 25 Schülern. Wir wollen das Recht auf Besuch einer Ganztagsschule durchsetzen, dazu gehört dann auch immer ein warmes Mittagessen. Um den Kommunen Planungssicherheit zu geben, wollen wir die Schulbezirksgrenzen wieder einführen.Das "Turboabitur" stellt eine große Belastung dar. Das werden wir korrigieren. Wir werden den Weg zum Abitur nach zwölf wie auch nach dreizehn Jahren ermöglichen. Für gerechte Bildungschancen brauchen wir längeres gemeinsames Lernen; mit individueller Förderung jedes einzelnen Kindes in der Gemeinschaftsschule; mit gemeinsamer fünfter und sechster Klasse; und flexiblen Lösungen vor Ort.

Hochschule: Wir wollen Gebührenfreiheit für die Hochschulen. Das wegfallende Geld für die Studiengebühren werden die Hochschulen in gleicher Höhe erhalten. Diese Mittel dürfen nur zur Verbesserung von Studium und Lehre eingesetzt werden.

FDP: Bildung ist ein Bürgerrecht
Bildung ist für die FDP ein Bürgerrecht. Sie hat für uns politische und finanzielle Priorität. So ist der Anteil der Bildungsausgaben an den Gesamtausgaben des Landes von 36,7 Prozent im Jahr 2005 auf 40,5 Prozent im Jahr 2009 gestiegen.

Es gibt mit 86 000 vom Land geförderten Betreuungsplätzen gut siebenmal so viele Plätze für unter Dreijährige wie am Ende der rot-grünen Regierungszeit 2005, mit 8124 zusätzlich geschaffenen Lehrerstellen konnte der Unterrichtsausfall halbiert werden, die Hochschulen des Landes haben heute 600 Millionen Euro mehr zur Verfügung als 2005.

Damit Bildung Vorfahrt behält, wollen wir die Elternbeiträge für die vorschulische Bildung schrittweise abschaffen und bis 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem ersten Geburtstag schaffen. Durch ein "Schulfreiheitsgesetz" wollen wir die pädagogische, personelle und finanzielle Freiheit und damit die Qualität der Schulen erhöhen. Den demografischen Wandel wollen wir für kontinuierlich kleinere Klassen und die weitere Minimierung des Unterrichtsausfalles nutzen.

Bis 2015 wollen wir erreichen, dass an allen Schulformen keine Klasse mehr eingerichtet wird, die mehr als 25 Schüler hat und jede zweite weiterführende Schule ein Ganztagsangebot vorhält. Wir wollen jedem Hochschulzugangsberechtigten einen qualitativ hochwertigen Studienplatz anbieten und sicherstellen, dass die Ausfinanzierung des Hochschulpaketes II, das den Universitäten und Fachhochschulen 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, im Landeshaushalt verankert bleibt.

Die Grünen: Mut zu Bildungsexperimenten
Für Bündnis 90/Die Grünen sind Bildung und Ausbildung die Basis jeder humanen Entwicklung. Dies erfordert neben einer intensiven vorschulischen Förderung ein differenziertes, hochqualifizierendes Schul-, Hochschul- und Ausbildungssystem und mehr Mut zu wissenschaftlich begleiteten Bildungsexperimenten.

Dabei gilt das erkenntnisleitende Interesse von ganztägig betreuenden Angeboten. Sofort notwendig ist eine bessere Personal- und Technikausstattung in allen Bildungseinrichtungen, die durch eine gerechtere Finanzierung gesichert sein muss. Für Kinder unter drei Jahren sind zusätzlich Ergänzungskräfte einzustellen.Ziel ist es, ein breites, wahlfähiges und flächendeckendes Vorschul- und Schulangebot vorzuhalten, das individuelles Lernen ermöglicht und individuell fördert. Die Auslese von Randgruppen ist dann hinfällig. Zu diesem Konzept gehören auch dezentrale, kleinere Einrichtungen in Form von Basisschulen (ggf. zweizügig, jahrgangsübergreifend, vorschulisch). Langen Fahrwegen und Ortsentfremdung unserer Jüngsten ist entgegenzuwirken.

Die Grünen wollen ein Recht auf Ausbildung für alle Jugendlichen verankern. Eine Ausbildungsplatzumlage soll eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen sichern. Unterrichtstechnische Fortschritte müssen umgehend in unsere Bildungseinrichtungen einbezogen werden. Dem Austausch von Schülergruppen auch mit außereuropäischen Staaten ist mehr Bedeutung beizumessen.

Die Linke: Bildung ist keine Ware
Bildung ohne Gebühren von der Kita für unter Dreijährige bis ins hohe Alter ist unser Ziel: Die Gebühren in Kitas und an Hochschulen gehören jetzt abgeschafft!

Wir werden "Eine Schule für alle", in der alle Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen, schaffen. In dieser Schule hat jedes Kind ein Recht auf freie Lehr- und Lernmittel und ein gesundes Essen.

Wir wollen die Abschaffung des Turboabiturs nach zwölf Jahren, der zentralen Abschlussprüfungen und der Kopfnoten sowie die Wiedereinführung der Grundschulbezirke. Wir sind für ein Grundrecht auf Ausbildung und die Stärkung der betrieblichen Ausbildung in NRW durch eine Ausbildungsumlage.

Das sogenannte "Hochschulfreiheitsgesetz" werden wir abschaffen und die Einleitung eines Studienreformprozesses anstoßen, in dessen Rahmen gemeinsam mit den Studierenden Reformmöglichkeiten und Studienabschlüsse entwickelt werden.

Piraten Partei: Bildung ist die Basis der Gesellschaft
Kommunikation, Information, Wissen und Bildung formen die Grundlage unserer Gesellschaft. Ihr Gesicht wird durch Bildung geprägt. Bildung ermöglicht den wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt, auf dem unser materieller und geistiger Wohlstand beruht.

Sie setzt die Standards für unser Zusammenleben. Sie gibt Orientierung in einer komplexen Welt und schützt die Gesellschaft vor irrationalen Ängsten und leichtfertigen Vorurteilen. Sie versetzt uns in die Lage, Herausforderungen zu meistern, Problemlösungen zu finden und wenn nötig den Kurs zu ändern.

Wer die Bildung vernachlässigt, zerstört die Grundlage, auf der unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Durch den Wandel der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft in eine global vernetzte Wissensgesellschaft ist Bildung die wichtigste Ressource der deutschen Volkswirtschaft geworden.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands und damit die sozialen, kulturellen und persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten der Bürger basieren auf dem allgemeinen Bildungsniveau sowie der persönlichen Qualifizierung jedes Bürgers.Die großen Herausforderungen der Zukunft, wie zum Beispiel der Klimawandel, sind nur durch technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen, also durch ein sehr viel höheres allgemeines Bildungsniveau, zu bewältigen.

Freie Union: Schulsystem grundlegend erneuern
Alle Kinder und Jungendliche haben ein Recht auf die bestmögliche Bildung. Diese muss kostenlos und mit absoluter Lernmittelfreiheit angeboten werden. Bildung darf nicht abhängig sein von sozialer, ethnischer oder religiöser Herkunft. Die Verantwortung für die Bildungspolitik sollte schnellstmöglich auf Bundesebene zusammen geführt werden.

Die Freie Union fordert für jedes Kind ab dem vollendeten dritten Lebensjahr einen Anspruch auf einen Förderungs- / Betreuungsplatz in Vollzeit. Ab dem fünften Lebensjahr wird ein Sprachförderungsjahr für alle Kinder zur Pflicht. Damit sollen alle Kinder zum Einschulungstermin über mindestens grundlegende Sprachkenntnisse verfügen.

Das Schulsystem muss grundlegend erneuert werden. Ein längeres gemeinsames Lernen in einer Ganztagesschule ist der Grundstein für Bildungschancengleichheit. Als Kernkompetenzen werden Lesen, Schreiben, Rechnen und wesentliche Inhalte der Allgemeinbildung vermittelt. Zusätzlich werden Schüler in frei zu wählenden Kursen neigungsspezifisch gefördert. Insgesamt soll ein umfangreiches Werte- und Lebenssystem vermittelt werden.

An den Hochschulen ist eine Abkehr von Bachelor- und Masterstudiengängen unausweichlich. Diese sind zu verschult und nehmen Studenten die Möglichkeit, sich in einzelne Themen intensiver einzuarbeiten. Das jahrzehntelang bewährte Scheinesystem ist dem aktuellen Prüfungssystem vorzuziehen.

Unser Bildungssystem ist insgesamt zu sehr reglementiert und von der Zeit überholt. Die Freie Union bietet hier Alternativen.

Pro NRW: Nach Finnland schauen
Es muss eine kostenlose Schulbildung in Deutschland geben.
Es sollte dafür Sorge getragen werden, dass alle Kinder mit Eintritt in die Schule der deutschen Sprache mächtig sind. Dies erleichtert der Lehrerschaft ihre Aufgaben vorzutragen, sodass eine höhere Bildung für alle Kinder möglich wird.

In allen Schulformen müssen Klassen eingerichtet werden, wo Schüler unterrichtet werden, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, dieses sollte von qualifizierten Lehrern geschehen.
Bei der Schulpolitik sollten wir nach Finnland schauen, damit wir bei Pisa-Studien eine Verbesserung erreichen. Eine Schuluniform würde soziale Probleme entschärfen und ein besseres "Wir Gefühl" schaffen.

An den Universitäten und Hochschulen sollten die Studiengebühren erst nach der Regelstudienzeit eingeführt werden.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 30.04.2010 um 21:33:23 Uhr
Letzte Änderung am 01.05.2010 um 05:33:03 Uhr

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