Eigentlich sollte man meinen, die 52-Jährige müsste wissen, was Parteiarbeit bedeutet. Schließlich war die frühere Fürther Landrätin viele Jahre CSU-Mitglied und dann ein kurzes Jahr Mitglied der Freien Wähler in Bayern - bevor sie im vergangenen Jahr die Freie Union gründete. Aber eine Partei aus dem Boden zu stampfen, kostet wohl auch die rührige Parteirebellin, die 2007 gegen den damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber erfolgreich den Aufstand probte, viel Kraft.
Die Freie Union, die nach eigenen Angaben bundesweit etwa 1000 Mitglieder hat, ist eine von 25 Parteien, die bei der NRW-Wahl antreten. Ein Anlass für die prominente Bundesvorsitzende in Minden Wahlkampf zu machen. Die Politikerin verzichtet im MT-Gespräch auf klare politische Forderungen und Ankündigungen - und bleibt lieber eher vage. "Wir verkaufen nichts, wir haben keine prozentualen Wahlziele. Wir sehen uns als Bürgerbewegung", tut die Parteichefin kund.
"Kurzfristiger Erfolg ist nicht wichtig"
Auch auf Nachfrage, wieviel Prozent die FU denn nun in NRW erreichen will? Pauli lässt sich nicht festlegen: "Kurzfristiger Erfolg ist nicht wichtig." Vorrang habe es für die Partei, ein Umdenken und Veränderungen anzustoßen und den Menschen mehr in den Mittelpunkt der Politik zu stellen. "Wir sehen den Menschen doch nur noch als Kostenfaktor", bedauert sie.
Die FU-Chefin hat zu vielen Themen etwas zu sagen: Die promovierte Betriebswirtin streift das Gesundheitheitssystem ("viel zu teuer"), und kritisiert, dass in der Wirtschaft zu sehr an altem Denken festgehalten wird, statt neue Ideen aufzugreifen ("Große Unternehmen kaufen Patente und lassen sie dann in der Schublade verschwinden"). Zur in NRW heiß diskutierten Schulpolitik kündigt sie an: "Wir wollen das Bildungssystem bundesweit vereinheitlichen." Außerdem sollten Klassenstrukturen zugunsten von Kursen aufgelöst werden, findet Pauli.
Am Herzen liegt ihr das Thema Grundbedürfnissicherung für alle. "Wenn wir einen Teil der Sozialausgaben auf die Bürger pauschal umlegen, haben wir eine Menge Verwaltungskosten gespart." An jeden Bürger würden dann monatlich einige hundert Euro gezahlt. Pauli ist sich sicher, dass die Menschen sich deshalb nicht in der sozialen Hängematte ausruhen würden.
Selbst hart gesotten Anhänger distanzierten sich nach dem Auftakt in Köln, wo ganze 15 Leute einen Parteitag abhielten. Super diese FREIE UNION mit Gabi P. und T. van Geest als Anwalt im Zwielicht....