Wenn´s nicht läuft, dann richtig. Und auch bei Böhme (60) kam es knüppeldick: Schulstreit, vor Gericht mit dem früheren Leiter des Wirtschaftsbetriebs, Haushaltssicherungskonzept, Nominierung zum SPD-Bürgermeisterkandidaten mit sieben Gegenstimmen und einer Enthaltung.
"Das war hammerhart", fasst er alles zusammen. "Und ich bin nicht der Typ, der einen Blechmantel trägt." Dass sich die Kommunalaufsicht "im Drama um das Haushaltssicherungskonzept in dieser ungewöhnlichen Schärfe eingeschaltet hat", ist Böhme "unter die Haut gegangen".
Erschöpft wirkte der Kandidat Anfang Januar im Nammer Dorfkrug, nachdem die eigene Partei ihn abgewatscht hatte. "Aber ich bin Demokrat", sagt Böhme. "Da muss man ein paar Gegenstimmen wegstecken. Mit der guten alten SPD findet man am Ende meistens wieder eine Linie."
Führende Genossen wie Hellmut Hiese, Sprecher des Stadtverbandes, hatten befürchtet, der Bewerber hinwerfen oder aus dem Amt heraus kandidieren, jedoch nicht auf dem SPD-Ticket. Doch so leicht lässt sich Böhme offenbar nicht unterkriegen. Nachdem er Weichen gestellt hat, will er sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Wer ihn für amtsmüde hielt, könnte falsch liegen. "Beschädigt bin ich nicht."
"Ein Teil meines Gehalts ist Schmerzensgeld"
Steuermann: Im Segelverein "Weserbogen" ist Stephan Böhme Mitglied. Jördis (vorn), Dorit (hinten links) und Katrin lassen sich von ihm die Schwimmweste reichen. | Fotos: Stefan Lyrath
Nun steckt Stephan Böhme im Wahlkampf, und es macht ihm Spaß, wenn er über die Dörfer tourt, Zustimmung erfährt und Rückenwind spürt. Mangelnde Präsenz vor Ort können dem Verwaltungschef nicht einmal die ärgsten Kritiker vorwerfen, und das gilt auch für die Zeit zwischen den Urnengängen. "Ich hatte mir vorgenommen, alle Gruppierungen, die mich einladen, mindestens einmal zu besuchen", sagt er. "Das habe ich geschafft."
Ärger im Job kann der Segler Böhme indes nicht einfach ablegen wie eine Öljacke. "Zu Hause ist Stephan oft physisch anwesend, aber in Gedanken weit weg", sagt Ehefrau Petra; sie ist Böhmes Rückhalt und auf Terminen häufig dabei. "Ein Teil meines Gehaltes ist Schmerzensgeld", erklärt ihr Mann. "Aber es macht Spaß, Bürgermeister zu sein."
Von echtem Wahlkampf kann in Porta eigentlich keine Rede sein. Meistens wird im Schulterschluss der Mangel beklagt, den es zu verwalten gelte. "Aber auch Veränderungsprozesse wollen gestaltet sein", ermuntert Böhme in Zeiten, wo jeder Cent zweimal umgedreht werden muss und zum Gestalten kaum noch Spielraum bleibt. Er will "Chancen erkennen" und "das Mögliche tun - gemeinsam".
Mit Petra den Ruhestand genießen, Porta mit all seinen Problemen weit hinter sich lassen und Segeltörns unternehmen, am besten in der Ägäis? Ein reizvoller Gedanke, gewiss. "Aber an Aufhören habe ich nie gedacht."
Warum Böhme wählen? "Weil ich die Zukunft mit den Bürgern lösungsorientiert gestalten will." Und wie sieht die Zukunft aus? Zu den wichtigsten Zielen gehört Gewerbeansiedlung. "Die Zukunft der Stadt liegt auch im Kirchfeld.". Dort, in Vennebeck, sollen weitere Flächen entstehen. Gut aufgestellt sei die Stadt bei der sozialen Infrastruktur. Dass der Haushalt konsolidiert werden muss, ist klar.
Böhme mag Pink Floyd und Eric Clapton
Auf eine Debatte über das Schulgesetz will sich der Bürgermeister zurzeit nicht länger einlassen. "Ich werde mit den Menschen vor Ort reden, wie die Zukunft der Grundschulen aussehen soll", kündigt er an. "Und die Mediothek im Schulzentrum Süd muss kommen."
Ortstermin bei den Böhmes in Holzhausen. Der Hausherr wirkt aufgeräumt, das 1980 bezogene Haus, in dem drei Kinder (heute 27, 31 und 35 Jahre alt) aufgewachsen sind, ist es. Beim Erzählen holt Stephan Böhme wie immer weit aus, automatisch kommt das Gespräch auf die Musik. Am Schlagzeug sitzt der Hobby-Musiker seit 47 Jahren bei wechselnden Gruppen, zurzeit in der Rathausband und für "FlashBack". Im Auto hört er "die Mischung von Radio Westfalica", daheim Pink Floyd oder Eric Clapton, gern auch Klassik. Musik baut auf.
Beim Segeln holt sich Böhme "den kleinen Adrenalin-Kick" und findet "ein gutes Gemeinschaftserlebnis" - egal, ob als Skipper, stellvertretender Schiffsführer oder Mitsegler. Yachtsegeln betreibt er seit 1983, hat auf dem Steinhuder Meer junge Leute ausgebildet, ist Mitglied im Verein "Weserbogen". In seine zweite Amtszeit möchte der Steuermann Böhme mit dem Rückenwind eines klaren Wahlsiegs starten.
Bei der Bürgermeisterwahl am 30. August treten in Porta Westfalica außer Stephan Böhme (SPD) noch Kurt Baberske (CDU) und Norbert Krause (parteilos) an.
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