Das war der Mann zwar nicht. Aber Joris´ Eltern finden grundsätzlich gut, dass ihr Sohn früh lernt, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen auch andere Ernährungsgewohnheiten haben können. Das war ein Grund, den Kleinsten auf die Eine-Welt-Schule in der Oberen Altstadt zu schicken, die vergleichsweise viele Kinder ausländischer Herkunft besuchen. "Früh Sensibilität entwickeln für das Anderssein" - das findet Joris´ Vater wichtig. Er heißt Michael Buhre, ist 48 Jahre alt und seit fünf Jahren Bürgermeister von Minden. Die Mutter heißt Gerlind Pracht, ist 36 und Arbeits- und Organisationspsychologin, arbeitet unter anderem für die Fern-Uni. Ein bisschen anders zu sein, finden sie völlig okay.
Manchmal zu dritt, manchmal zu fünft: Die Lebensgemeinschaft Buhre/Pracht ist eine sogenannte Patchwork-Familie, die vom (ohnehin immer seltener werdenden) "Vater-Mutter-Kind-Ideal" abweicht. Joris ist das gemeinsame Kind des Paares. Der 14-jährige Julian ist der leibliche Sohn von Buhre, der 11-jährige Thore der Sohn von Gerlind Pracht. Die Umstände haben sie schon vor Jahren zu einer neuen Lebensgemeinschaft zusammengewürfelt. Das sei vor allem eine Frage der Organisation: "Einmal pro Woche machen wir Planung." Wer ist wann wo? Und wer muss wann wohin gefahren werden? Familie, Job und jetzt auch noch den Wahlkampf unter einen Hut zu bringen, ist durchaus eine Herausforderung. Da ist es von Vorteil, dass Buhre den Sport als Ausgleich in seinen Arbeitsalltag integrieren kann: "Wir machen aktive Mittagspause." Mit Kollegen joggt Buhre mittags etwa fünf Kilometer durchs Glacis. Mal schwitzen zwei Mitarbeiter mit, mal sind es acht. Eine Teilnahme mit den Kollegen aus der Verwaltung an der Zehn-Kilometer-Staffel beim nächsten Porta-Marathon könnte sich Buhre durchaus vorstellen.
www.michaelbuhre.de
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Was derzeit warten muss, ist der Garten - oder das, was irgendwann mal ein Garten werden soll. Erst vor wenigen Monaten ist die Familie in einen Neubau in der Nähe der Fachhochschule umgezogen. In der alten Wohnung in Kutenhausen gab es auf Dauer zu wenig Platz und außerdem wollte die Familie in City- und Bahnhofsnähe wohnen. Das Haus liegt zentral, aber ruhig - ideal zum Abschalten.
Das hat so ein Bürgermeister zwischendurch auch mal bitter nötig. Gerne erinnert sich Michael Buhre an die zwei Wochen, in denen er mit seinem geliebten Bulli zwei Wochen alleine in Kroatien unterwegs war. Dieser "Ego-Trip" war ein Geschenk von seiner Frau. "Ich habe tagelang mit niemandem geredet und einfach so in den Tag hinein gelebt." Erholung pur. Er mag nämlich gerne mal seine Ruhe haben - sie mag Trubel. Er liest grundsätzlich Bedienungsanleitungen durch - sie probiert lieber, ob´s auch ohne funktioniert. Man könnte sagen: Die beiden ergänzen sich gut. Und dann gibt es auch noch ein paar gemeinsame Rituale: "Die Sendung mit der Maus" gehört genauso dazu wie der "Tatort" aus Münster.
Willy Brandt als Vorbild einer SPD-Generation
Seit 1990 ist Buhre bei der Stadt Minden beschäftigt, anfangs im Sozialamt, dann als Leiter des Projektes Verwaltungsreform, später in der Schulentwicklungsplanung. Obwohl er in den vergangenen fünf Jahren ein paar graue Haare mehr bekommen hat, meint Buhre, dass während dieser Zeit "viel inhaltlich Richtiges" auf den Weg gebracht worden sei. Mitglied in der SPD ist Buhre übrigens schon mit 17 geworden: "Für meine Generation war Willy Brandt ein großes Vorbild mit seinem Einsatz für Frieden und eine gerechte Welt."
Einen Plan B für den Fall, dass er bei der Kommunalwahl am 30. August nicht wieder gewählt werden sollte, hat Buhre übrigens nicht.
Bei der Kommunalwahl am 30. August tritt Amtsinhaber Michael Buhre gegen zwei Mitbewerber an: Peter Düster (Bürger-Bündnis Minden) und Anke Peithmann (gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP).
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