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07.06.2012
Am Ende führt Rache zu nichts
Freilichtbühne Porta bedient mit "Der Graf von Monte Christo" das Abenteuer-Genre
VON URSULA KOCH

Porta Westfalica (mt). Wie stellt man verschiedene Schauplätze und Zeitebenen auf einer Freilichtbühne dar, deren Naturkulisse nun einmal unverrückbar ist? Regisseur Wilhelm Krückemeier hat sich für eine abstrakte Lösung entschieden: Farbige Banner sollen dem Publikum Orientierungshilfe bieten.

In der feinen Pariser Gesellschaft trifft der Graf von Monte Christo (Holger Pape, zweiter von links) auf den Staatsanwalt Villefort (Thomas Lange, links), der auch keine reine Weste hat. | MT-Foto: Koch

Video

Mit dem "Graf von Monte Christo" hat sich die Freilichtbühne Porta in diesem Sommer eine klassische Abenteuergeschichte von Alexandre Dumas vorgenommen, die dem Verfasser von "Die drei Musketiere" einen weiteren Erfolg bescherte. Ähnlich wie die Musketiere ist auch der Graf von Monte Christo immer wieder verfilmt worden. Von einem ersten Stummfilm aus dem Jahr 1908 reicht die Linie bis hin zur Rockoper. Große Aufmerksamkeit erzielte 2008 schließlich ein vierteiliger französischer Fernsehfilm mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle.

Gerechtigkeit und Rache, das sind die zentralen Themen, um die diese Geschichte kreist. "Am Schluss steht ein sehr christliches Motiv und die Frage: Was hat es denn genützt?", sagt Krückemeier. Das habe er als reizvoll empfunden, ebenso wie die Tatsache, dass nicht ein einziger anständiger Mensch darin vorkomme. Für ein Stadttheater würde er dieses Stück nicht auswählen, aber eine Freilichtbühne gehorche anderen Gesetzen. Da erwarte das Publikum ein wenig Sommerfrische, sagt der erfahrene Theatermann, der seit mehr als 50 Jahren bei der Freilichtbühne Porta aktiv ist und auch die VHS-Theaterwerkstatt gegründet hat.

Welche Theaterfassung er bearbeitet, diese Entscheidung ist Krückemeier dieses Mal nicht ganz leicht gefallen. Die Fassung von Gerald Theobalt, die vor etwa zehn Jahren für die Wuppertaler Bühnen entstanden sei, habe er als erste in Händen gehabt. "Zu Anfang fand ich, dass sich das zu sehr nach Shakespeare anhört", sagt der Regisseur. So habe er weitere Bearbeitungen für das Theater gelesen. "Jede hatte etwas für sich, letztlich fehlte mir jedoch immer irgendetwas", sagt Krückemeier.

Umsetzung überzeugt auf den zweiten Blick

Und erst, nachdem er noch einmal den Roman gelesen hatte, fand er zu Theobalts Umsetzung zurück: "Da ist eigentlich alles drin, was ich bei den anderen vermisst habe." Zugleich verlange sie aber von den Darstellern eine deutliche Aussprache. Es sei an der Zeit, auch daran wieder einmal zu arbeiten, meint Krückemeier.

So wird nun Holger Pape in leicht shakespearschem Duktus den jungen Seemann Edmond Dantès spielen, der vor seiner Beförderung zum Kapitän steht und heiraten will. Doch Intrigen bringen ihn nicht nur um sein persönliches Glück, sondern auch ins Gefängnis. Dort wird ihm Abbé Faria, gespielt von Walter Rommelmann, ein väterlicher Freund, Lehrer und Mentor. Als der Abbé stirbt, vermacht er Edmond die Karten eines auf der Insel Monte Christo verborgenen Schatzes. Edmond entkommt aus dem Gefängnis und findet den Schatz. Als Graf von Monte Christo kehrt er zurück, um die Schuldigen zu finden und Rache zu nehmen.

Premiere am Freitag, 8. Juni, um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne Porta; Kartenreservierung für diese und 14 weitere Vorstellungen bis zum 7. September: Telefon (0571) 71368 oder im Internet unter portabuehne.de.
Video von den Proben auf MT-Online

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 07.06.2012 um 00:11:01 Uhr

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