Die neue Technik im schwarzen Wagen bemerkt fast alles
Polizei schafft Einseitensensor zur Geschwindigkeitskontrolle an / Kosten: 164000 Euro / Bereits 200 Verstöße entdeckt
VON STEFAN KOCH
Minden (mt). Schwarz wie ein Leichenwagen ist der neue Mercedes-Benz Vito der Polizei im Kreis Minden-Lübbecke. Wenn er am Straßenrand steht, kommt kaum ein Raser unbemerkt vorbei. Kein Laser, kein Radar - sondern ein Lichtsensor des Bordzubehörs erfasst die Fahrzeuge.
Seit Anfang des Jahres wurden mehr als 200 Verstöße registriert. Und nur ein Beamter reicht für die Bedienung der Technik aus.
Gestern stellte die Kreispolizeibehörde das Wunderwerk im Rahmen einer Pressekonferenz vor. Wie in anderen Polizeibehörden des Landes Nordrhein-Westfalen auch finanzierte das zuständige Ministerium die neue Technik. Insgesamt 164000 Euro hatten der Einseitensensor ES3.0-Matrix mit zwei Kameras und dem Computersystem in Verbindung mit dem Messwagen gekostet. Ende des vergangenen Jahres hatten es die Beamten des Verkehrsdienstes der Polizei bei der Herstellerfirma in der Nähe von Friedrichhafen am Bodensee abgeholt.
"Die Hälfte aller tödlich verlaufenen Unfälle war im vergangenen Jahr auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen", erklärte Landrat Dr. Ralf Niermann am Mittwoch als Behördenchef anlässlich der Pressekonferenz. Fußgänger, Rad-, Motorrad- und Autofahrer seien auf der Straße gefährdet. Die Bekämpfung des zu schnellen Fahrens dürfe dabei nicht auf Unfallschwerpunkte beschränkt bleiben. "Wer ständig zu stark aufs Gaspedal drückt, tut dies nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf unseren Straßen und in unseren Wohnvierteln."
"Wir wollen die Zahl der Verkehrsopfer senken", erklärte gestern auch Detlef Stüven, Leiter Gefahrenabwehr und Strafverfolgung der Kreispolizeibehörde, die bereits kürzlich durch eine kreisweite Geschwindigkeitskontrolle an der NRW-Sicherheitskampagne "Brems Dich - rette Leben!" beteiligt war. Nicht angepasste Geschwindigkeit sei in 17 Prozent aller Fälle die Unfallursache im Jahr 2011 gewesen.
Zwei Kameras sind vernetzt
Und Thomas Brakemann, Gruppenleiter beim Verkehrsdienst der Polizei fügte hinzu, dass schon ein geringer Geschwindigkeitsunterschied eine große Auswirkung auf die Frage von Leben und Tod haben könne. "Bei 65 Stundenkilometern sterben acht von zehn Fußgängern, wenn sie angefahren werden. Bei 50 Stundenkilometern überleben acht von zehn."
Bislang hat die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke drei Radaranlagen, elf Handlasergeräte und ein Videomotorrad zu Raserkontrolle im Einsatz. Der neue Einseitensensor wird an der Straße aufgestellt und tastet vierspurige Autobahnen ebenso ab, wie verkehrsberuhigte Bereiche. Zwei Kameras, davon eine mit Wlan-Anschluss, sind mit dem System vernetzt. Bilder werden ins Einsatzfahrzeug in Echtzeit übertragen, sodass eine direkte Bild- und Fallauswertung am Computer möglich ist.
"Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt", meint auch Frank Pieper vom Verkehrsdienst der Polizei. Seit Anfang des Jahres habe die Behörde schon mehr als 200 Geschwindigkeitsverstöße aufgedeckt. Mit dem Einseitensensor könne auch an Orten gemessen werden, wo herkömmliche Geräte versagten. Er sei bei Regen und extremen Frost einsetzbar, dazu leicht von nur einem Beamten zu bedienen. Da das System passiv sei, werde es nicht von Warngeräten erkannt. Es erfasse in 90 Prozent aller Fälle Motorräder, könne von seinem Standort am Straßenrand aus die Geschwindigkeit in beiden Richtungen messen und sei in unterschiedlichen Höhen aufstellbar.
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