Großes Finale für die Reise von "Fürst Ernst" in Bückeburg
Schirme hindern Prachtentfaltung
VON RALF KAPRIES
Bückeburg (pri). "Der Fürst kommt" verkünden die Plakate. Seit dem 19. August reist er durch "sein" Land und am Sonntag war er in Bückeburg, um dort auf dem Marktplatz prachtvoll Gericht zu halten.
"Der Fürst" ist Ernst von Holstein-Schaumburg, den man sich ausgesucht hat, weil er angeblich bei seinen Landeskindern so beliebt war. Nun wurde er zur Feier des 900-jährigen Bestehens Schaumburgs wiederbelebt durch den Hamburger Schauspieler Peter Kaempfe, der zugleich Regisseur über eine ganze Schar von Schauspielern ist, die seine Hofbeamten samt Gefolge darstellen.
Wochenlang haben sie geprobt, elf Tage lang bereisten sie das Land. Der Fürstenzug legte, aus dem Jenseits in acht Segelbooten über das Steinhuder Meer kommend, am 19. August an den Strandterrassen in Steinhude an, um von dort seine Reise durch Schaumburg anzutreten. "Gerichtstage" in Stadthagen, Rinteln, Rodenberg, Obernkirchen und zum Abschluss nun in Bückeburg ab.
Noch einmal hörte der weise Fürst die Anliegen seiner Landeskinder und sprach entsprechend weise Weisungen aus. Der Bäuerin, deren Enten von Nachbars Erpel besprungen wurden, obwohl sie zu diesem Zweck schon einen eigenen besorgt hatte, sagte er: "Wer schneller ist, der darf die Entchen machen." Bei der Frau in Bückeburger Tracht, die um mehr Förderung für die moderne Kunst bat, empfand Fürst Ernst einen merkwürdigen Kontrast zwischen Kleidung und Anliegen. Er empfahl ihr, da sie doch in dieser merkwürdigen Staatsform lebe, die die Besten der Besten zu ihren Fürsten mache, sich an diese zu wenden. Da müsse es doch auch welche geben, die ihren Kunstgeschmack teilten.
Mit dem Anliegen konfrontiert, dass es Leute gebe, die besonders in Sommernächten gerne mehr Leben mit Aufführungen und Festen in der Stadt hätten, während andere streng auf die Einhaltung der Nachtruhe ab 23 Uhr pochten, erklärte er frei heraus, in der Stadt gebe es mehr Leben und es sei immer etwas lauter. Wer es leiser wünsche, fände doch reichlich schöne Schaumburger Land in der Umgebung vor, wo es immer schön ruhig sei.
Preußische Uniformen mischen sich ins Bild
Da man ihn dank der gut eingerichteten Lautsprecheranlage gut hören konnte, rief er damit bei vielen Umstehenden lauten Jubel hervor. Hätte man ihn nur sehen können! Man hatte zwar eine schöne Bühne aufgeschlagen, auf der der Fürst erhöht saß, aber sehen konnten ihn nur die Zuschauer in den vorderen Reihen. Denn wie Ernst von Holstein-Schauburg schon gesagt hatte, auf seiner Reise habe er auch das gesamte Schaumburger Wetter kennengelernt, vom heißesten Sonnenschein bis zum heftigsten Regen. Letzterer setzte aber gerade jetzt Herrscher und Volk gleichermaßen heftig zu.
Macht nichts, meinten einige, und entfalteten ihre Regenschirme und raubten mangels eigener Einsicht, allen anderen die Weitsicht. Und bei Dränglern hört der Schaumburger Frieden auf. So blieb den meisten Besuchern nur der Blick auf schmucke Pferde und ihre Kutschen, von denen ein vierspänniger Doppeldecker-Bus der fürstlichen Kutsche beinahe die Schau stahl. Auch einige preußische Uniformen nahmen sich prachtvoller aus als die erdfarbenen der Landsknechte. Renaissance- und Preußenzeit überlappen sich zwar nicht so ganz, doch ähnlich wie die ebenfalls in vollem Outfit erschienen Bürgerbataillonisten passen sie schon irgendwie in 900 Jahre Landesgeschichte, deren Feier auf diese Weise wenigstens nicht ganz so langweilig war.
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