Tucholsky Bühne probt für ihr neues Stück "Alles auf Zucker" im Gemeindesaal der Petrikirche
Warum gerade hier? Das Ensemble unter der Leitung von Eduard Schynol hat doch gerade erst das Fort A für sich als Spielstätte "erobert". Der Regisseur gibt Auskunft: "Wir haben im Mai dort geprobt und da war es abends empfindlich kalt. Da haben wir uns gedacht, im September, Oktober kann es wieder so sein. Das ist kein Ort, wo dieses Stück zu spielen ist, was sehr bedauerlich ist, denn die Räumlichkeiten wären optimal gewesen. Dann haben wir uns auf die Suche gemacht um einen anderen Ort zu finden und die Begegnung zwischen der jüdischen Bevölkerung Deutschlands mit der nicht-jüdischen Bevölkerung, die ja meistens christlich ist, braucht einen passenden Ort, ein Gemeindezentrum." Aufführungsort und Inhalt des Stücks passen also in idealer Weise zusammen. "Es geht mir um diese Begegnung, aber nicht irgendwann in grauer Vergangenheit, sondern heute", ergänzt Schynol.
Gespielt wird auf der nicht gerade geräumigen Bühne, die durch schwarz abgehängte Seitengassen noch schmaler geworden ist. Da aber nur winzige Nebenräume bestehen, muss der so vor Einblicken geschützte Bühnenraum als Abstellfläche genutzt werden. Die Rückwand ist ebenfalls schwarz abgehängt. Die Bauten sind besonders leicht gefertigt und können wie Systembausteine zu Tischen, Ehebett, Etagenbett, Grab und vielem mehr zusammengesetzt werden. Die Eingangstür besteht nur aus einem hellen Holzrahmen.
Durch die Spärlichkeit der Requisiten entstehen manchmal komische Situationen, die von den Schauspielern bewusst genutzt werden, wie etwa der an Gummibändern aufgehängte Türspion, den die kleine Sara (Frieda Glahn) einfach auf ihre Augenhöhe passend herunterzieht.
Die Kostüme sind schon da. Viel schwarze Anzüge und Hüte für die jüdischen Herren. Ein bisschen Farbe bringen die Damen ins Spiel. Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben sich sowohl in ihre Kostüme wie auch in ihre Rollen eingefunden, wissen schon gut, was sie im Stück zu tun haben. Im Detail werden die Bewegungsabläufe noch trainiert und beim Spiel, das schon einen sehr guten Eindruck von der Qualität des Endprodukts zulässt, muss Regieassistentin Annette Duwenkamp-Bütow noch angestrengt im Manuskript mitlesen, um bei gelegentlichen Texthängern aushelfen zu können. Das ist alles ganz normal und bis zur Premiere am 3. September noch genügend Zeit.
Hauptdarsteller der Komödie von Dani Levy und Holger Franke ist Rudi Menzel als Jacki Zucker. Der abgetakelte Spieler plant gerade den Coup seines Lebens, der ihn von allen Geldsorgen befreien soll. Da stirbt seine Mama und hinterlässt ein schwieriges Testament. Voller List und Tricks versucht Jacki, für sich alles unter einen Hut zu bringen und erlebt dadurch gemeinsam mit dem Publikum eine äußerst turbulente Zeit.
Premiere ist am Freitag, 3. September. Weitere Aufführungen am 10., 11., 12., 17., 18., 19., 24. und 25 September, 20 Uhr, an Sonntagen ab 18 Uhr. Karten: Buchhandlung "Bücherwurm", Express-Tickets und
www.tucholsky-buehne.de. Ein Video zu den Proben ist auf
www.mt-online.de zu sehen.
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