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"Es reicht, wenn die Sachen während der Vorstellungen nass werden", meint Regisseur Peter Kaempfe und scheucht seine Darsteller in die Zelte. Die Pferde dürfen wieder in den Stall oder in ihren Transportwagen. Die Kutschen werden abgedeckt oder in die Remise geschoben. Kaempfe selbst sucht in einem winzigen Wohnwagen Schutz. Das Schauspieler-Quartier ist auf dem Hof der Familie Lehr-Gellermann im Ortsteil Escher. Sie ist dafür zuständig, dass der Fürst mit seinem Tross alle Orte in Schaumburg pünktlich erreicht, in seiner Lieblingskutsche, einem Vierspänner. Seine Begleitung folgt in zwei Zweispännern. Reiter und Landsknechte sorgen für Schutz und Status.
Die Schauspieler in ihren pittoresken Renaissance-Kostümen, die Kostümbildnerin Christin Bokelmann für sie ausgesucht hat, sind schon spiel- und probenbereit während "der Chef", wie sie ihn nennen, noch zweigeteilt ist: Die untere Hälfte steckt schon in einer fürstlich-faltenreichen Pumphose, während die obere in weißem Feinripp-Shirt mit Viertelarm und einer Lederweste den Schauspieler Peter Kaempfe ziert. Das ist kein Zeichen von Schizophrenie und wird später noch ganz praktisch, denn wenn er in der Zeit zwischen dem 19. und 29. August als Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg das Land bereist, muss er sich nicht darauf verlassen, dass seine Mannschaften zuvor bei ihm als Regisseur alles gelernt haben, was sie dann tun müssen. Vielmehr kann er ihnen dann, diesmal als Fürst, noch aktuelle Anweisungen erteilen. Vorerst gibt er der Presse in seiner "Knutschkugel" Interviews.
Geprobt wurde mit den teils aus Profis, teils aus Semiprofis bestehenden Hauptdarstellern schon in Bremen, wo Kaempfe mit großem Erfolg das "Theater aus Bremen" (TAB) betreibt. Seit dem 2. August finden die täglichen Proben auf dem Wasserschloss Hülsede mit den eigens angeworbenen Kleinrollen und Statisten statt. Aufgeführt werden soll Open air und ganz intim zusammen mit den Besuchern. Unter dem Titel "Der Fürst kommt" reist der vor knapp 400 Jahren so beliebte Landesvater vom 19. bis 29. August noch einmal durch sein Land, um die Sorgen und Nöte seiner Landeskinder zu hören und abschließend gesammelt dem Landtagspräsidenten mit eigenen Empfehlungen zur weiteren Bearbeitung zu überlassen.
Dazu kommt er am Donnerstag, dem 19. August, mit acht Segelschiffen aus dem Jenseits zurück, überquert dabei allerdings nicht den Orkus, sondern das Steinhuder Meer. Elf Tage lang begibt sich Ernst zu Holstein-Schaumburg anlässlich des 900-jährigen Bestehens des Schaumburger Landes auf einen prächtigen "Friedenszug". In Stadthagen, Rinteln, Rodenberg, Obernkirchen und zum Abschluss nach Bückeburg wird er dabei "Gerichtstage" abhalten. Dabei werden die Schaumburger dem Fürsten Ernst ihre aktuellen Händel, von der Verlandung des Steinhuder Meeres bis zu Windkraftanlagen vor der Schaumburg vortragen.
Der Regen hat aufgehört. Die Pferde werden angespannt. Der prachtvolle Tross des Fürsten setzt sich mit Pferd und Wagen über Land Richtung Schloss Hülsede in Bewegung, gefolgt von einem Tross Presseleuten in Autos. Die Fahrt geht über echte Feldwege, unbefestigt, mit bewachsenem Mittelstreifen und tiefen, schlammgefüllten Spurrillen. Während die hochrädrigen Kutschen diesen Anforderungen problemlos gewachsen sind, setzen die ersten Automobile auf oder drohen im Matsch stecken zu bleiben. Eins ist sicher: Der Fürst ist unterwegs. Und mit etwas Glück kommt er auch an. Dort werden ihn auch wieder die Fotografen erwarten, wo sich Vergangenheit und Gegenwart verbinden.
www.schaumburger-friede.de


















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