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16.04.2012
Fraktionen rudern beim Streit um Rederecht zurück

Verwirrung um "Maulkorb" | Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

Berlin - Die umstrittene Neuregelung des Rederechts von Bundestagsabgeordneten ist vorerst vom Tisch. Nach massiven Protesten kündigten Union, FDP und SPD weitere Beratungen über eine Neuregelung an und verschoben die für nächste Woche geplante Abstimmung.

"Die Entscheidung in dieser Angelegenheit ist bislang nicht gefallen und wird kurzfristig auch nicht erfolgen", teilten die Fraktionsgeschäftsführer von Union und FDP, Peter Altmaier und Jörg van Essen, am Montag mit. Zunächst sollten sich nun die Vorsitzenden und Parlaments-Geschäftsführer aller Fraktionen damit befassen. Auch SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann erklärte, die Vorschläge seien "nicht ausgereift und werden so nicht kommen".

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hatte der Geschäftsordnungsausschuss mit den Stimmen von Union, FDP und SPD empfohlen, dass künftig nur Parlamentarier im Plenum das Wort erhalten sollen, die von den Fraktionen dazu bestimmt wurden. Andere Abgeordnete solle der Bundestagspräsident dann nur noch ausnahmsweise und maximal drei Minuten lang reden lassen - und auch dies nur nach Rücksprache mit den Fraktionen.

Hintergrund war eine Entscheidung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der in den Debatten zur Euro-Rettung "Abweichlern" von CDU und FDP das Wort erteilt hatte, obwohl sie nicht von ihren Fraktionen vorgesehen worden waren.

Nun soll neu beraten werden. "Ziel der Gespräche ist eine Lösung, die dem freien Mandat des Abgeordneten und der Arbeitsfähigkeit des Parlaments in gleicher Weise Rechnung trägt", erklärten Altmaier und van Essen. "Bis zum Ergebnis dieser Gespräche werden keine Änderungen der geltenden Geschäftsordnung beschlossen."

Oppermann sagte, die Fraktionen hätten noch keine Gelegenheit gehabt, die Empfehlungen des Geschäftsordnungsausschusses zu beraten. Änderungen sollten möglichst im Konsens mit allen Fraktionen verabschiedet werden. "Deswegen wird es auch in der nächsten Woche keine Abstimmung im Bundestag geben. Die SPD wird sicherstellen, dass auch in Zukunft abweichende Meinungen im Bundestag zu Wort kommen können", sagte Oppermann.

Die FDP will nach Angaben von Fraktionschef Rainer Brüderle auf die Kritiker zugehen. Es werde am Schluss eine vernünftige Regelung stehen, um die Position von Abgeordneten mit abweichender Meinung in der Geschäftsordnung zu klären und zu sichern.

Die Grünen begrüßten die neue Entwicklung. Ihr Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck erklärte: "Parlamentarismus und Redeverbote widersprechen sich. Das hat nun endlich auch die SPD verstanden." Nach Ansicht von Linke-Chef Klaus Ernst war die geplante Neuregelung kaum mit dem Grundsatz vereinbar, wonach Abgeordnete nur ihrem Gewissen verantwortlich sind.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2013
Dokument erstellt am 16.04.2012 um 16:15:54 Uhr

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Kommentare
Hmm ja.. ich seh schon im nächsten Duden, jetzt mit 10000 Neusprech-Begriffen. Unter Parlament heißt es dann sicher:

engl. parliament < afrz. parlement = Unterhaltung, Erörterung (daraus schon gleichbed. mhd. parlament, parlemunt), zu: parler, parlieren]

1. gewählte [Volks]vertretung mit beratender u. gesetzgebender Funktion: ein neues P. wählen.

2. Gebäude, in dem ein Parlament (1) untergebracht ist.

3. Gebäude, in dem einem Parlament (1) Unterhalten und Erörtern fremd sind

Sehr schön, man wollte offenbar klammheimlich Abweichler auf Kurs bringen, hat aber nicht mit einem solchen Gegenwind gerechnet. Nun eiern die Fraktionsbosse rum und suchen verzweifelt nach einer Lösung, um unbeschadet aus dieser Nummer wieder rauszukommen. Wenn's nicht so ernst wäre...

Da gibt es noch einige seltene Ausnahmen bei den Politikern, die sich mit Sachthemen beschäftigen und auf dieser Grundlage dem Parlament zur Entscheidungsfindung mittels Rederecht helfen, nicht nur als "Stimmvieh" Ihrer Vorsitzenden zu fungieren. Und dann sollen die mundtot gemacht werden, die nicht nur Ihre Zeit darauf verwenden, in den Wahlkreisen herumzutingeln, mit dem einzigen Ziel, wieder gewählt zu werden anstatt sich mit Sachthemen auseinander zu setzen.
Wenn das Rederecht in Zukunft von den Fraktionsvorsitzenden bestimmt wird, können wir den Bundestag gleich auf diese Personen verkleinern, die dann entsprechend des Wahlergebnisses Ihren Stimmanteil haben. Dann gibt´s eben nur noch 5 oder 6 Parlamentarierer. Und mit Abweichlern ist dann bei Abstimmungen auch nicht mehr zu rechnen. Kämpft weiter, Leute ! Denn wenn der Klügere nachgibt, geschieht nur, was die Dummen sagen...

beschnittenes Rederecht,
jetzt soll in unserer von der Öl-und Benzin-Mafia- kontrollierten Bananenrepublik Deutschland auch noch das Rederecht im Parlament beschnitten werden. Wie geht's weiter? Demokratische Diktatur, witschaftlich zerstört durch die Benzinpreis-Mafia, wo nur noch ausgewählte Lobbyisten (eben aus o.g. geldgierigen Strukturen) Rederecht im Parlament haben?



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