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14.04.2012
Fraktionen wollen Rederecht im Bundestag beschneiden

Lammert | Foto: dpa

Berlin - Harte Zeiten für Abweichler: Union, SPD und FDP erwägen, das Rederecht der Abgeordneten im Bundestag weiter zu beschränken.

Nach einem Entwurf des Geschäftsordnungsausschusses sollen künftig nur von die Parlamentarier das Wort erhalten, die von den Fraktionen dazu bestimmt wurden, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Papier berichtet. Andere Abgeordnete dürfte der Parlamentspräsident dann nur noch ausnahmsweise und maximal drei Minuten lang reden lassen - und auch dies nur nach Rücksprache mit den Fraktionen.

Die geplante Neuregelung gilt auch als Konsequenz aus der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm im vergangenen September. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte damals großen Unmut ausgelöst, weil er außer der Reihe die Abgeordneten Klaus-Peter Willsch (CDU) und Frank Schäffler (FDP) ans Rednerpult ließ, die von ihren Fraktionen abweichende Meinungen vertraten. Die Fraktionschefs hatten protestiert, der Ältestenrat erteilte Lammert eine Rüge.

In den Reihen der Abgeordneten, aber auch im Bundestagspräsidium stießen die Pläne auf scharfe Kritik. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erteilte den Vorschlägen eine klare Absage. Eine starre Regelung, wer reden dürfe und wer nicht, "wäre nicht sinnvoll und entspräche weder dem Geist des Parlamentarismus noch dem Inhalt der Debatten", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Sonntag Aktuell".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, kündigte Widerstand an. "Mit der faktischen Abschaffung der mündlichen Erklärung zur Abstimmung wird die Artikulation des einzelnen Abgeordneten in Konfliktsituationen mit seiner Fraktion massiv eingeschränkt. Das ist in keinem Fall hinnehmbar", erklärte er am Samstag. "Die Vorschläge werden weder von Grünen und Linken noch vom Präsidenten akzeptiert. Sie sind nicht entscheidungsreif."

Die FDP-Abgeordnete Sylvia Canel sagte der "Hamburger Morgenpost": "Das ist ein nicht hinnehmbarer, massiver Einschnitt in die Rechte des Bundestagspräsidenten." Linken-Chef Klaus Ernst sagte dem Blatt: "Ein Maulkorb für Kritiker kommt für uns nicht in die Tüte. Abweichler sollen mundtot gemacht werden. Das widerspricht dem Geist der Verfassung."

Sollte die Neuregelung in dieser Form in Kraft treten, dürften es Abweichler künftig schwer haben, sich im Bundestag zu Wort zu melden. Bisher darf ein Parlamentarier ein Votum vor einer abschließenden Abstimmung fünf Minuten lang begründen. Mit der Neuregelung soll dem Bericht zufolge auch dieses Recht gestrichen werden. Es wären nur noch schriftliche Erklärungen erlaubt. Am 26. April soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" im Plenum über die Änderung der Geschäftsordnung abgestimmt werden.

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Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 14.04.2012 um 21:03:47 Uhr

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Kommentare
Das zeigt doch, mit welch ekelhaften Methoden die etablierten Parteien verhindern wollen, dass jemand aus dem parteieigenen Gehirnwaschprogramm ausbricht und sich seines eigenen Verstandes bedient.

Allein der Versuch, das Rederecht zu beschneiden, sollte vom Wähler abgestraft werden.

Für mich persönlich sind das keine ernstzunehmenden Parteien mehr.

Zitat I
"Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen."

Quelle: Grundgesetz Art. 38 Abs. 1 Satz 2


Zitat II
"Ist (den Abgeordneten) der Wille, Repräsentanten des ganzen Volkes zu sein, abhandengekommen, . . . kann demokratische Repräsentation nicht zustande kommen, und die Bürger entbehren der Möglichkeit entsprechender Artikulation ihrer selbst. Wird diese Aufgabe nicht oder nur unzulänglich gemeistert, werden Repräsentationserwartungen der Einzelnen oder auch der Bürger insgesamt durch das Handeln der Repräsentanten enttäuscht, vermögen sie sich in diesem Handeln nicht irgendwie wiederzuerkennen, verliert das demokratische politische System seine Legitimationsbasis."

Quelle: Prof. Ernst-Wolfgang Böckenförde
von 1983 bis 1996 Mitglied des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts

So kannten wir das aus der Volkskammer, dem Volkskongress in Peking oder dem Majlis in Teheran, die Parteibonzen geben vor, was die Parteimeinung ist. Andere Ansichten werden nicht geduldet, Vertreter derselben werden geächtet. Was kümmert uns also das GG? Unterschiede zwischen CDU, FDP und SPD sind da nicht zu erkennen. Eine große Schwarz-Gelb-Rote Einheitspartei, wenn es darum geht das Volk zu veräppeln.

Es sind Aktionen wie diese, die den Piraten immer mehr Wähler in die Arme treiben.

Nachdem die großen Parteien ihre Machtbasis etabliert haben, versuchen sie nun sogar, ihre eigenen Abgeordneten mundtot zu machen.

Diskussion: unerwünscht.
Eigene Meinung: Unerwünscht.
Entscheidung nach Gewissen: Unerwünscht.

Was gesagt wird, bestimmt die Partei.

Tolles Demokratieverständnis. Ach ja, die Demokratie endet in diesem Land ja ohnehin dort, wo der Fraktionszwang anfängt. Schätze diese Forderung wird die Piraten in ungeahnte Höhen befördern. In dem Sinne - fröhliche Landtagswahlen.



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