Beschäftigte im Öffentlichen Dienst wollen 6,5 Prozent mehr Gehalt / Gestern Warnstreiks in Behörden
Im Vorfeld der nächsten Tarifverhandlungsrunde am 12. März ließ die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon mal die Muskeln spielen. In ganz NRW hatte die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufgerufen. Damit wollen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ihrer Forderung nach mehr Gehalt Ausdruck verleihen. 6,5 Prozent mehr Lohn oder pauschal 200 Euro mehr in der Lohntüte stehen auf dem Wunschzettel.
Los ging es für die Demonstranten in Minden bereits um 7.30 Uhr. Von der Kreisverwaltung aus zogen sie über den Klausenwall und die Vincke- straße zum Kleinen Domhof. Dort warteten auf die gut 480 Marschierer noch einmal 100 Gleichgesinnte, vor allem Beschäftigte des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA).
Die Demonstranten auf dem Kleinen Domhof waren sich einig, dass es an der Zeit für ein ordentliches Plus ist. Gewerkschaftssekretär Siegfried Wöhler nannte die 6,5 Prozent in seiner Rede einen "Appell an die Vernunft". "Ihr seid mehr wert", so Wöhler zu den Demonstranten. Von den Arbeitgebern forderte Wöhler "keine Sandkastenspiele" zu veranstalten, sondern ein vernünftiges Angebot vorzulegen.
Besonders verärgert ist die Gewerkschaft, weil die Kommunen bisher kein Gegenangebot zur Verdi-Forderung gemacht haben. "Wir wollen deutlich machen, dass es uns mit unseren Forderungen ernst ist." Ähnlich sieht das Torsten Günther, Mitarbeiter der Kreisverwaltung: "Nach jahrelangen Nullrunden ist es jetzt an der Zeit für eine Lohnerhöhung. Auch für uns steigen die Lebenshaltungskosten." Mit 6,5 Prozent rechnet er allerdings nicht: "Ich hoffe aber, dass ein bisschen was dabei rauskommt."
Wenig Verständnis haben die Demonstranten für die Argumentation der Kommunen, dass die Kassen leer seien. Torsten Hübner, ebenfalls bei der Kreisverwaltung angestellt, hält es schlicht für "eine Ausrede". Eine Frau, die nicht namentlich genannt werden will, schimpft: "Der Bund drückt den Kommunen immer mehr Sozialleistungen aufs Auge, es fehlt aber die Gegenfinanzierung. Und wir bekommen am Ende nichts."
Sie sagt weiter: "Natürlich ist es schön, wenn man einen sicheren Arbeitsplatz hat, aber auch unsere Lebenskosten steigen." An die von Verdi geforderte Lohnerhöhung glaubt sie indes nicht: "Aber wenn wir zwei Prozent sagen, kriegen wir gar nichts."
Auch Azubis sind unter den Kundgebungsteilnehmern. Ihnen geht es vor allem um die Zukunft. Eine Auszubildende des WSA sagt: "Ich hoffe darauf, dass wir nach der Ausbildung länger als nur ein Jahr übernommen werden. Das ist die Regel bisher. Und mehr Geld wäre natürlich auch nicht schlecht." Obwohl sie ihren Lohn ganz in Ordnung findet. "Im Vergleich zu anderen Azubis bekommen wir gar nicht so wenig."
Die Gewerkschaft fordere für die Azubis ein Plus von 100 Euro, sagt Verdi-Mann Wöhler, dazu die unbefristete Übernahme: "Das Durchschnittsalter im Öffentlichen Dienst ist hoch und die Kollegen sind oft überlastet."