Pläne für den neuen Busbahnhof nehmen Gestalt an / Hohe Lufttürme berücksichtigen / Parkhaus bereits fertiggestellt
VON MONIKA JÄGER
Minden (mt). Für kommendes Frühjahr ist mit dem Beginn der Bauarbeiten für den neuen ZOB zu rechnen. Die Tiefgarage wurde inzwischen komplett fertiggestellt, sodass die Ausschreibung für den Busbahnhof auf ihrem Dach vorbereitet werden kann.
Der neue ZOB bekommt ein ganz anderes Gesicht (das MT berichtete am 26. Juni). Bisher gibt es viele einzelne Bussteige, an denen die Linien haltmachen. Künftig können die Fahrgäste fast aller Linien an einer 105 Meter langen und 17 Meter breiten Mittelinsel ein- und aussteigen. Auf dieser Insel wird es auch Serviceräume, Toiletten und Wartemöglichkeiten geben.
Diese Insel ist mit zwölf Halteplätzen das Kernstück der neuen Anlage - hier wird den ganzen Tag über Betrieb sein. Doch morgens und mittags muss der ZOB deutlich mehr Busse schlucken: Zu Spitzenzeiten des Schülerverkehrs sind mehr als 30 Docks nötig, um Busse (zwölf Meter lang) oder Gelenkbusse (18 Meter lang) aufzunehmen.
Darum sieht die Planung im unteren ZOB-Bereich sowie parallel zur Obermarktpassage extra "Schülerports" vor, an denen nur zu diesen Zeiten Busse halten werden. Klar markierte Fußgängerfurten sollen dafür sorgen, dass alle Nutzer das Gelände jederzeit gefahrlos kreuzen können.
Ob das auch zu Spitzenzeiten so sei, wenn Hunderte von Schülern über das Terrain wuseln - daran zweifelten im Betriebsausschuss unter anderem Christina Gerhardt, CDU, und Anke Woltermann, MI. Sie fanden es auch problematisch, dass die Linienbusse und die Schülerbusse in entgegengesetzter Richtung um die neue Mittelinsel herumfahren werden - solch ein Begegnungsverkehr mache die Querung noch einmal gefährlicher, so die beiden Politikerinnen.
Die Busfahrer würden sich mit solchen Situationen doch auskennen, so die Vertreter des Planungsbüros, Bockermann und Fritze Ingenieurconsult. "Das ist dann im Grunde genau wie jetzt auch." Allerdings werde durch die neue ZOB-Gestaltung die Dichte der gehenden und über den Platz strömenden Personen geringer als bisher.
Eine ausgewiesene Fläche für Radfahrer, Orientierungshilfen für Menschen mit Behinderungen, abgesetzte Oberflächenbeläge für die Bereiche, wo nur Busse fahren dürfen - all das gehört ebenfalls zum neuen ZOB.
Reisebusse werden hier nicht parken dürfen, Busse, die Gäste zu Veranstaltungen bringen, hingegen abends vor der Obermarktpassage wohl doch. Und wie sieht es mit Taxenstellplätzen aus? Diese Nachfrage aus dem Betriebsausschuss wurde eher zögerlich beantwortet. Hier gelte es noch nachzuplanen - ebenso wie bei der Gestaltung der Anlagen auf der geplanten Mittelinsel. Denn erst jetzt ist zu sehen, wie die Belüftungstürme und Fluchttreppen aus dem neu erstellten unterirdischen Parkhaus aussehen: Größer als erwartet.
Die Arbeiten werden europaweit ausgeschrieben. Anfang Oktober soll die Ausschreibung Thema im Bauausschuss sein. Nach Veröffentlichung, Ablauf der Submissionsfristen, Auswertungszeit und Zuschlagsentscheid kann es Mitte/Ende Dezember werden, sodass vor dem Frühjahr kaum mit dem Bau begonnen werden kann, erfuhr der Betriebsausschuss.
Die Neugestaltung des Busbahnhofes ist - haushaltsrechtlich gesehen - eine freiwillige Aufgabe der Kommune. Bekanntlich hat Minden hohe Schulden, und so kann nur das gebaut werden, was die Stadt kein Geld kostet. Die rund 2,5 Millionen Euro für den ZOB kommen zusammen durch eine Förderung der öffentlichen Hand von 85 Prozent - in diesem Fall durch den Nahverkehr Westfalen-Lippe und einer finanziellen Entschädigung für die Zerstörung des bestehenden ZOB durch den Investor der neuen Tiefgarage. Die Tiefgarage wurde nach Angaben von Gerald Schüler. Leiter der Städtischen Betriebe Minden, am 1. September bauordnungsrechtlich abgenommen. Sie soll am 9. September in Betrieb gehen - auch wenn dann noch einiges nachgearbeitet werden müsse.
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