Betrüger versuchen mit vorgetäuschten Spendensammlungen an Geld zu kommen / Verbraucherschützer warnen
Sie bat den vermeintlichen Spendensammler um einen Überweisungsträger, um den Betrag später auf ein Konto überweisen zu können. Das lehnte er ab - und wurde ohne Unterschrift und Spende nach Hause geschickt. Gisela Backhaus machte alles richtig.
"Wir haben immer wieder Probleme mit Spendensammlern an der Haustür", sagt Ursula Thielemann von der Mindener Verbraucherzentrale. Viele Menschen seien durch die Sammler auf der Fußmatte verunsichert. Zu recht, wie Thielemann findet. Diese Form der Geldsammlung sei deswegen problematisch, weil man die Organisation und den Spendenzweck nicht ernsthaft überprüfen könne. So kämen Betrüger leichter zum Zug. "Niemals spontan unterschreiben", ist deswegen der Rat der Expertin.
Verdächtig: Tierschutz und Flugrettungsdienst
Die Bittsteller würden mit schrecklichen Bildern und rührenden Geschichten versuchen, Betroffenheit zu erzeugen - um so das Portemonnaie zu lockern. "Häufig sind langfristige Fördermitgliedschaften erwünscht", weiß auch Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Das DZI überprüft Spendenorganisationen auf ihre Glaubwürdigkeit und vergibt Gütesiegel. Die Organisationen melden sich für diese Prüfung freiwillig, der Bund gibt Zuschüsse.
Ein Problem sind aber nicht nur Sammler an der Tür. "Stände in der Fußgängerzone sind ähnlich undurchsichtig", sagt Wilke. Und die hätten in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Auch in Minden werden Unterschriften von - meistens - Tierschützern gesammelt.
Bei der Polizei sind die unseriösen Spendensammler aber noch kein Thema. "Die Menschen schmeißen Betrüger selbst raus", sagt Sprecher Werner Wojahn. Nahezu niemand würde dafür die Polizei kontaktieren.
Wer unsicher ist, kann durch gründliche Recherche oder Nachfragen Abhilfe schaffen. Ist der Empfänger der Spenden nicht klar oder gibt es keine Broschüren, ist Vorsicht geboten. "Reagieren die Werbenden ausweichend oder ablehnend auf die Bitte nach schriftlicher Information, ist das fast ein sicheres Zeichen für Unseriosität", heißt es dazu beim DZI.
Verbraucherzentrale rät: Auf Spendensiegel achten
Verbraucherschützer werden vor allem bei Sammlungen für den Tierschutz oder Flugrettungsdienste hellhörig. "Beides sind gern genommene Maschen", so Ursula Thielemann.
Wer die Zeit für stundenlange Recherche sparen will, muss aber nicht aufs Spenden verzichten. Thielemanns Tipp: ein Blick auf die Homepage des DZI. Dort findet sich eine Liste der Organisationen mit Spendensiegel. Wer keines hat, ist mit Vorsicht zu genießen. Haustürspenden haben es beim DZI generell schwer, ausschließlich die Unfallopferhilfe der Johanniter hat ein Siegel.
An der Tür klingeln, um sein Anliegen vorzutragen, darf übrigens jeder. "In NRW gibt es kein Untersagungsverbot für Haustürspenden mehr", sagt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden. Die Ordnungsbehörden seien aber auf der Hut. "Wir gleichen uns ab." Wurde Organisationen in anderen Bundesländern das Sammeln untersagt, werden sie auch in Minden im Auge behalten.
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