Mobile Altkleidersammler im Stadtgebiet unterwegs / Ermittlungen in Stadthagen wegen Tierfängerei
"Quo Vadis - Vereinte Jugend- und Altenhilfe e.V." heißt der Verein, der seit Monaten und auch jetzt wieder an Mindener Häusern seine blauen Sammelkörbe ablegt. Mittels Aufschrift bittet die Organisation um den Einwurf von gebrauchten Textilien, Schuhen sowie Töpfen und Bestecken. Wohin diese dann gehen - darüber informieren die Esslinger auch im Internet.
Unter anderem von "fallbezogener Hilfe für Senioren, insbesondere aber auch für jüngere Menschen" ist da die Rede. Das Finanzamt Esslingen stufe den Verein als "besonders förderungswürdig" ein, informiert die Homepage. Prominente wie der Chordirigent Gotthilf Fischer oder der frühere Fußball-Nationalspieler Oliver Bierhoff unterstützten die Sammler. Doch auf die Anfrage zu den weiteren Aktivitäten lief gestern unter der im Internet angegebenen Telefonnummer nur der Anrufbeantworter.
Über die blauen Körbe der Esslinger Sammler scheint sich in Minden niemanden aufzuregen. Der ebenfalls im Alttextilgeschäft stark engagierte Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) war am Montag auf MT-Anfrage zu einer Stellungnahme nicht in der Lage. Und die Pressestelle der Polizei in Minden-Lübbecke erklärte, dass für sie die immer mal wieder verteilten blauen Körbe kein Thema seien.
Anders jedoch sieht es bei den Ordnungshütern im Nachbarkreis Schaumburg aus. Weil in der Republik Gerüchte kursieren, dass überall dort, wo "Quo Vadis" mit seinen Wagen gesichtet wird, Hunde und Katzen spurlos davongehen, mussten im Sommer die Einsatzkräfte in Stadthagen gegen mutmaßliche Tierfänger ermitteln. Sechsmal hätten seine Kollegen den weißen Mercedes Sprinter des Vereins untersucht, erklärte Axel Bergmann, Pressesprecher der Polizei in Stadthagen auf MT-Anfrage. "Ein Teil der Bevölkerung hatte wohl überreagiert, aber es gab keine Hinweise auf Tierfänger." Weder Köder, noch Fallen noch Fangvorrichtungen seien gefunden worden.
Allerdings räumt der Pressesprecher ein, dass bei den Überprüfungen festgestellt wurde, dass einige Sammler vor ihrer Tätigkeit für den Gemeinnutz andernorts wegen Bagatelldelikten strafrechtlich in Erscheinung getreten waren. Außerdem sei in Niedersachsen das Sammlungsgesetz aufgehoben worden. Alle Genehmigungen und Nebenbestimmungen seien damit hinfällig. Und das Land Rheinland-Pfalz habe sogar verboten, unter der Nennung des Vereinsnamens Sammlungen durchzuführen.
Besser haben es dagegen die zu Unrecht des Tierfangs Verdächtigten in der nordrhein-westfälischen Nachbarschaft. "In NRW kann jeder sammeln", erklärt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Mindener Stadtverwaltung. Dies sei in der Gesetzgebung des Landes vorgesehen. Allerdings müssten die Sammler den Zweck ihrer Tätigkeit wahrheitsgemäß erläutern und angeben, ob sie gewerblich oder karitativ tätig seien.
Nicht nur mittels blauer Körbe, wie "Quo Vadis", sondern auch mit Containern schöpfen Unternehmen den Altkleiderbestand in Minden ab. Nach Auskunft von Lewerenz erfolge die Aufstellung der Behälter in Abstimmung mit der Stadt. Der Betriebshof reagiere auch auf Reklamationen aus der Bevölkerung, wenn es Probleme gebe. Aber für die Unterhaltung seien die Firmen selbst zuständig.
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