Halle (nw). Ein Landwirt (66) hat Donnerstagnachmittag im Haller Ortsteil Kölkebeck am Rande eines kleinen Wäldchens eine Leiche entdeckt. Bei der Person, die sich in einem Müllsack befand, könnte es sich um die seit dem 14. Oktober vergangenen Jahres vermisste Nelli Graf (46) aus Halle handeln. Die Polizei gab sich allerdings noch zurückhaltend und betonte, dass die eindeutige Identität erst nach der noch durchzuführenden Obduktion geklärt werden kann.
Es war gegen 14 Uhr, als der Mann mit seinem Labrador spazieren ging. An einer etwas abgelegenen Stelle im Bereich zwischen Acker und Wäldchen rannte der Hund plötzlich bellend auf eine große blaue Mülltüte zu, die bereits am Boden festgefroren war. Dann der Schock: Als der Mann in den Sack schaute, sah er darin die stark verweste Leiche einer zierlichen, kleinen Person, deren Kopf zusätzlich abgedeckt worden war, der Mund mit einem Klebestreifen verbunden.
Unter Schock lief der Mann zur nächsten Straße, wo er zufällig einem Bekannten begegnete. Gemeinsam rannten die beiden Männer zum Fundort zurück, um dann umgehend die Polizei zu verständigen und die Beamten wenig später zum abgelegenen Fundort zu lotsen.
Mordkommission vor Ort
Drei Kriminalhauptkommissare aus Gütersloh und zwei Beamte aus Halle waren zunächst vor Ort und sicherten den Fundort. Gegen 17 Uhr traf auch die Bielefelder Mordkommission "Ahorn" unter der Leitung von Ralf Östermann am Kölkenweg ein, die sich seit vier Monaten mit dem Vermisstenfall Nelli Graf beschäftigt.
Bis dahin hatten die Beamten aus Halle das etwa vier Hektar große Waldstück weiträumig mit Flatterband abgesperrt und dabei Knochenarbeit geleistet, mussten die Pfähle, an denen das Band befestigt wurde, doch mit dem Vorschlaghammer in den eisigen Ackerboden gerammt werden. Wegen des starken Frosts, der längere Untersuchungen am Fundort erforderlich machte, erhielten die ermittelnden Beamten vor Ort Unterstützung: Das Technische Hilfswerk rückte mit zwei Fahrzeugen an und brachte neben einem Zelt und Flutlicht auch warme Getränke und Suppe. Ferner wurde die Gerichtsmedizin aus Münster angefordert.
Grundsätzlich stellten sich die Ermittler bei eisigen Temperaturen darauf ein, dass sie unter Umständen die ganze Nacht mit Presslufthämmern und anderem schweren Gerät den hartgefrorenen Boden unter dem Fundort der Leiche aufbrechen müssten, um Spuren zu sichern.
Fahrrad taucht kurz nach Grafs Verschwinden auf
Seit dem 14. Oktober fehlte von Nelli Graf jede Spur. Nach einem Arztbesuch in der Haller Innenstadt hatte sie noch ihre Cousine angerufen. Danach muss die Ehefrau und dreifache Mutter noch in ihrem Haus am Haller Ahornweg eingetroffen sein, denn dort fanden sich später ihre Handtasche, persönliche Papiere, ihr Handy und der Haustürschlüssel. An ihrem Arbeitsplatz kam sie jedoch nie an.
Das Fahrrad der 46-Jährigen wurde zwei Tage später in einem Waldstück gefunden. Die Sonderkommission erhielt bis Donnerstag keine entscheidenden Hinweise. Im November kam das Landeskriminalamt in Düsseldorf zu dem Schluss, dass Nelli Graf einem Kapitalverbrechen zum Opfer gefallen sein muss.
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