Detmold: 500 Menschen bei Trauermarsch für Arzu Ö.
Detmold (ero/lnw). Mehr als 500 Menschen haben am Samstag in Detmold-Remmighausen mit einem Trauermarsch der ermordeten Arzu Ö. gedacht. Aufgerufen dazu hatten der Verein für Integration "Peri" und weitere Organisationen. Die Teilnehmer zogen von der Bäckerei Müller, in der die 18-Jährige jobbte, über die Hornsche Straße zum Detmolder Marktplatz – wo sie Blumen ablegten und Kerzen aufstellten.
Viele Menschen weinten, vergruben ihre Gesichter in ihren Jacken. Die Mitglieder der rechtsradikalen Bewegung "Pro NRW", die ihre Teilnahme am Trauermarsch angekündigt hatten, blieben der Veranstaltung fern.
Die Peri-Vorsitzende Serap Cileli sprach von einem "Schandmord". Auch wenn es noch keine Anklage gebe, seien die Umstände "typisch für Ehrenmorde". Viele der Familien aus der Türkei wirkten in Deutschland mittlerweile nach außen gut integriert. "Wenn es aber um die Familienehre geht, wenn sich die Tochter in den deutschen Nachbarjungen verliebt, ist es vorbei mit der Integration." Man wolle in Detmold ein Zeichen setzen, sagte Cileli. "Wer religiös oder kulturell motivierte Morde gutheißt, der stellt sich mit den Mördern auf eine Stufe."
Trauergottesdienst am Freitagabend
Die Eltern Arzus stritten ab, etwas mit dem Tod ihrer Tochter zu tun zu haben. Man habe gar nichts von ihrer Beziehung zu dem Bäckergesellen gewusst, sagten sie laut Medienberichten.
Am Freitagabend waren 250 Menschen zu einem Trauergottesdienst in die Detmolder Friedenskirche gekommen.
Die Kurdin Arzu Ö., die am 1. November vergangenen Jahres von ihren eigenen Geschwistern verschleppt worden sein soll, war vergangene Woche in Schleswig-Holstein tot aufgefunden worden. Fünf Geschwister sitzen in U-Haft. Sie werden verdächtigt, am Tod ihrer Schwester beteiligt zu sein.
Die Ermittler glauben, dass Arzu getötet wurde, weil der Familie ihre Beziehung zu einem Bäckergesellen nicht passte. Die Familie gehört der Glaubensrichtung der Jesiden an. Diese untersagt streng genommen Beziehungen zu Nicht-Jesiden. Einer der Brüder hatte die Verschleppung eingeräumt, danach sei er aber weggefahren. Was dann geschehen sei, wisse er nicht.