Höxter/Minden (nw). Seit Jahren gibt es Streit um die massive Salzbelastung der Weser. Er wird durch den hessischen Salz- und Düngemittelhersteller Kali und Salz (K+S) verursacht, der zurzeit etwa 14 Millionen Kubikmeter Salzlauge in die Werra leitet, die in die Weser mündet. Nun hat der Konzern ein Programm gestartet, um die Einleitung zu halbieren. Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz spricht dagegen von Augenwischerei.
Das Programm klingt ehrgeizig: 360 Millionen Euro will das Unternehmen K+S an seinen Produktionsstandorten in Hessen und Thüringen investieren, um die Abwässer von 14 Millionen Kubikmetern jährlich bis Ende 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. Dafür werden Anlagen neu gebaut und erweitert sowie Produktionsverfahren verbessert. Umstritten ist dabei insbesondere die Versenkung der Salzlauge in tiefere Erdschichten, die das Land Thüringen für sein Gebiet zurzeit verboten hat. Im Werragebiet wird seit den 1920er Jahren Salzlauge in die Erde gepresst. Insgesamt sollen es bereits eine Milliarde Kubikmeter sein und ein Gebiet in der Größe des Bodensees umfassen.
Nach der Bekanntgabe hatte K+S bereits mit den Vorbereitungen sowie Baumaßnahmen für die Infrastruktur der Großprojekte begonnen. "Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer langfristigen und nachhaltigen Salzabwasserentsorgung, für die sowohl weitere lokale wie auch überregionale Entsorgungswege geprüft, entwickelt und beantragt werden", erklärte das Unternehmen.
Die Projekte
Im Einzelnen werden am Standort Hattorf eine neue zusätzliche Anlage für abwasserfreie Kaliproduktion (ESTA= Elektrostatisches Aufbereitungsverfahren) sowie eine Lösungstiefkühlung errichtet.
In Unterbreizbach die bestehende Kaliaufbereitung um eine neue Anlage erweitert und die bestehende Dickstoffanlage vergrößert.
Am Standort Heringen die Magnesiumchlorid-Anlage ausgebaut, eine neue Eindampfanlage errichtet und die Kieseritflotation optimiert.
Hinzu kommen als übergreifende Maßnahmen der Neubau von Speicherbecken und die Erhöhung der Rückförderkapazität für Salzwasser aus dem Plattendolomit (Verpressung). (nw)
Das sieht die Werra-Weser-Anrainerkonferenz ganz anders. In einer Presseerklärung spricht sie von einem "reinen Blendwerk". Das jetzt begonnene Maßnahmenpaket sei bereits vor drei Jahren beschlossen worden. "Zur Überraschung des so genannten Runden Tisches, dessen Mitglieder sich übergangen fühlten, hatte die K+S Kali GmbH im Jahre 2008 ein Maßnahmenpaket vorgestellt, mit dem sie die Salzbelastung der Werra um ein Drittel verringern will - auf dem Papier", erklärte Dr. Walter Hölzel, Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz.
Überprüfung ergibt andere Resultate
Eine Überprüfung habe jedoch ergeben, dass sich die Salzfracht und damit die Belastung der Flussgebietseinheit Weser nicht verringern werde. "Sie wird nur zeitlich gestreckt, weil künftig zusätzliche feste Abfälle den Umweg über die Salzhalden und die Haldenabwässer in die Werra nehmen", so Hölzel. Die zweite "Entlastung" bestehe darin, dass künftig auch bei Hochwasser die Grenzwerte ausgeschöpft werden können, sodass mehr Salz in die landwirtschaftlich genutzten Werraauen eingetragen wird.
"Es kommt nicht darauf an, dass die Salzwassermenge verringert wird, wie uns der Kalihersteller glauben lassen will. Ausschlaggebend ist die Fracht an Abfallstoffen, die von den Flüssen aufgenommen werden muss. Genau betrachtet bringt das ,Maßnahmenpaket' eine weitere Verschlechterung für die Anrainer von Werra und Weser", betonte der Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz.
Gegner und Umweltschützer fordern eine Laugenpipeline zur Nordsee. Diese wird allerdings vom Nordseeanrainer Niedersachsen abgelehnt, der um sein Weltkulturerbe Wattenmeer fürchtet. In einer Pipeline zur Nordsee, die nach vorsichtigen Schätzungen 500 Millionen Euro kosten soll und entlang der Midal-Gas-Trasse durch den Kreis Höxter laufen könnte, sieht auch das Regierungspräsidium Kassel die einzige langfristige Lösung für K+S. Die Behörde ist dafür zuständig, die Ende November auslaufende Genehmigung für die Salzeinleitung in die Werra für weitere zehn Jahre zu verlängern.
Das Unternehmen hat eine Einleitung von 46 Millionen Kubikmetern Salzabwasser beantragt. Darüber werde hinter den Kulissen heftig gestritten, schreibt der Internetdienst insuedthueringen.de. Das Regierungspräsidium habe allerdings schon signalisiert, bis zum 1. Dezember die Genehmigung zu erteilen. Allerdings müsse das Unternehmen mit deutlichen Einschränkungen rechnen, zeitlich wie mengenmäßig.