Goodbye für "Wenn du in Minden aufgewachsen bist" und Willkommen für "Freunde kennenlernen in Minden"
Vergeblich klopfen jetzt alle an die Tür der virtuellen Versammlungshalle. Diesen Schritt hat der Gruppengründer nicht leichtfertig gemacht. Er hatte unterschätzt, was auf ihn zukommen würde.
Seine Idee, einen Ort zu bieten, an dem sich Interessierte austauschen können, schlug ein. Erinnerungen an alte Lehrer - Ohrenzieher, Schlüsselwerfer, Keksmitbringer -, an beliebte Treffpunkte - Papagei, Cammer 26, Grille - oder Freizeitaktivitäten - Tanzschule, Autoschrauben, Nachtschwimmen im Sommerbad - wurden mehr und mehr eingestellt, kommentiert, ergänzt, mit Fotos versehen. Die Zahl der Gruppenmitglieder wuchs rasant, innerhalb einer Woche auf mehr als 4000.
Minden (mt). Die Facebook-Gruppe "Wenn du in Minden aufgewachsen bist, dann..." ist aufgelöst worden. Schnell wurde eine neue Gruppe gegründet, in der sich die Mindener austauschen können. Jetzt fehlt nur noch der passende Name.
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Viele Fotos wurden hochgeladen - alte Stadtansichten, Gruppenbilder, Fotos von Lehrern. Es gab ein spontanes Currywurst-Treffen, alte Bekannte entdeckten einander wieder und begannen, erste Kontakte zu knüpfen. Doch es gab auch unfreundliche Kommentare über lebende und verstorbene Mitmenschen, unklares Copyright für einzelne Bilder, und zuletzt gab es auch Pöbeleien.
"Da waren einige, die haben uns in übelster Weise in der Gruppe beschimpft und sogar in persönlichen Nachrichten angegriffen", sagt Sascha Seiffart. Er war von Anfang an dabei und ist sauer, dass einige wenige das Vergnügen von so vielen Menschen zerstört haben. Auch auf www.mt-online drücken viele ehemalige Gruppenmitglieder ihr Bedauern über das plötzliche Ende aus.
Betreuung von 4000 Mitgliedern schwierig
Doch Vogelsteller hat aus seiner Sicht gute Gründe für diesen Schritt: rechtliche, technische, politische.
"Eigentlich haften Mitglieder für selbst verfasste Einträge in ihren persönlichen Profilen oder auf Facebook-Seiten. Wer also ein urheberrechtlich geschütztes Bild postet oder mit einem Beitrag eine falsche Tatsache behauptet, muss selbst dafür einstehen. Da der Seitenbetreiber aber einfacher zu erreichen und in der Regel solventer ist, wird häufig er in Anspruch genommen. Da ich kein Großkonzern mit eigener Rechtsabteilung bin, möchte ich dieses Risiko gerne vermeiden", erklärte er gestern gegenüber dem Mindener Tageblatt. "Leider ist dieser Umstand vielen Nutzern nicht bekannt, sodass man sich übelsten Beschimpfungen ausgesetzt sieht, wenn man Fotos oder Beiträge löschen muss."
Auch der Umgangston ist für Vogelsteller ein wichtiger Aspekt: "Auch wenn es nur ein kleiner Teil der über 4000 Mitglieder war: Leider wurde in den letzten Tagen der Umgangston rauer. Die Gruppe entwickelte eine Eigendynamik, mit der ich mich nicht identifizieren kann. Es mussten sogar Mitglieder aufgrund unpassenden Verhaltens gelöscht werden."
Die Betreuung einer so großen Zahl von Beiträgen sei zudem neben der üblichen Arbeit nicht mehr zu leisten. Der zeitliche Aufwand wurde viel zu groß, unter anderem auch, weil die Administrationsmöglichkeiten einer Facebook-Seite sehr begrenzt seien. "Sogar das Löschen bestimmter Mitglieder war zeitweise nicht möglich."
Einige Mitglieder und Gruppen hätten zudem versucht, die Gruppe für politische Zwecke zu nutzen. "Da ich weder für Beiträge anderer Gruppenmitglieder haften, noch für politische Zwecke vor einen Karren gespannt werden möchte, habe ich mich dazu entschlossen, die Gruppe zu löschen. Aus letzterem Grund habe ich mich auch dagegen entschieden, weitere Administratoren zu ernennen. Ich möchte somit vermeiden, dass etwas, das ich geschaffen habe, für andere Zwecke missbraucht wird."
Neue Gruppe geht direkt im Anschluss an den Start
Doch es geht weiter. Sascha Seiffart plant die Gründung einer ähnlichen Gruppe, Sandra Saxowski hat bereits gehandelt: Mehr als 400 Teilnehmer sind bereits zu "Freunde kennenlernen in Minden" umgezogen. Die neue Macherin hat von den Fehlern des ersten Projekts gelernt: "Bitte nur Bilder einstellen, die ihr selbst gemacht habt und die keine Fremdwerbung enthalten. Sonst bekommen wir rechtliche Probleme", schreibt sie. Und hat von Anfang nach Mitgliedern gesucht, die beim Verwalten der Gruppe und ihrer Einträge helfen.
Die Meinung der Fans der ersten Gruppe fasst Wiebke Sundergeld in einem Kommentar zusammen: "Ich finde es sehr enttäuschend, weil die Reglementierung von oben kam und jetzt so gelöscht wird, dass die Mitglieder kaum Chancen hatten, sich mit einzelnen Leuten, denen man nach langer Zeit hier wieder begegnet war, über weitere Vorgehensmaßnahmen abzustimmen und sich eventuell neu zu orientieren. Die neue Gruppe kann da vielleicht Ersatz stellen, aber die Idee der ersten Seite von Herrn Vogelsteller war doch die Initialzündung. Aber das Leben findet ja außerhalb des Internets statt - und dann war das sicherlich ein virtueller Abschnitt, der kurzfristig gut war und langfristig in Erinnerung bleibt."
Nun daherzugehen und zig andere Gruppen zu gründen wird den "Zauber" der ersten Gruppe nicht zurückbringen denn alle anderen sind nur Kopien und all den Leuten, die uns hier erklären das sie es besser machen können, den sage ich hier in aller Deutlichkeit:"Wartet erstmal ab bis die ersten Probleme kommen! Wartet erstmal bis die Geschichte richtig zeitaufwendig wird, Moderatoren abspringen oder vieleicht mal Beträge übersehen, die rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, für die Ihr einzustehen habt!.Dann sind auch Eure Gruppen schnell geschlossen".
Ich habe für mich jedenfalls beschlossen mich weniger mit Erinnerungen zu beschäftigen die ich durch andere wiederfinde, sondern mich wieder selber auf die Suche zu machen. Das sollten vieleicht mehr Leute tun, dann würde die Stadt auch wieder etwas belebter sein.
Mich nervt es jedenfalls inzwischen gewaltig ständig ungefragt irgendwelchen Gruppen hinzugefügt zu werden.