Hannover (mt/lni). Ein Jahr nach dem Skandal um die unerlaubte Aussaat von Genmais sind bei Saatgutkontrollen in Niedersachsen in jedem zehnten Fall gentechnisch veränderte Spuren entdeckt worden. Die betroffenen Firmen seien informiert worden und hätten das Saatgut freiwillig zurückgeholt, teilte das Umweltministerium in Hannover am Donnerstag mit. In 6 der 60 Proben wurde Genmaterial in sehr geringem Umfang entdeckt. In fünf Fällen stammte das Saatgut aus Ungarn, in einem aus Österreich. Europaweit gilt eine Nulltoleranz für Saatgut mit Beimengungen von nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Anteilen.
Im vergangenen Jahr war es in sieben Bundesländern zur Aussaat von Genmais gekommen. Niedersächsische Behörden hatten nach der Entdeckung von Genspuren zu spät vor dem Saatgut gewarnt. Das verantwortliche Saatgut-Unternehmen hatte sich außerdem zunächst geweigert, seine Handelswege zu benennen. Der in der Zwischenzeit bereits auf 1650 Hektar ausgesäte Mais wurde später umgepflügt. Die betroffenen 228 Landwirte erhielten anschließend von dem Saatgutunternehmen eine Soforthilfe von 1800 Euro je Hektar.
Die für die Überwachung des Saatgutes zuständigen Bundesländer geben ihre Untersuchungsergebnisse in der Regel Ende März bekannt, um bei einer Vermischung von Saatgut mit gentechnischen Spuren eine Aussaat noch vermeiden zu können. Die Saatgut-Industrie hat die Nulltoleranz-Grenze immer wieder kritisiert. Es sei praktisch unmöglich, eine 100-prozentige Reinheit bei konventionellem Saatgut zu garantieren. Außerdem sei das bemängelte Genmaterial in der EU in Nahrungs- und Futtermitteln zugelassen.