Minden (mt/dpa). Der deutsch-iranische Schriftsteller und Islamwissenschaftler Navid Kermani ist als erster Muslim mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wurde am Sonntag in Minden überreicht. Kermani und andere Redner kritisierten Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich für seine Aussage, der Islam gehöre aus historischer Sicht nicht zu Deutschland. Kermani ist in Deutschland geboren und lebt in Köln. Die Medaille wird seit 1968 für Verständigung und christlich-jüdische Zusammenarbeit vergeben.
Kermani bezeichnete die Auszeichnung als "äußerst großzügige Geste", da es sich doch um christlich-jüdische Vereinigungen handle, die den Preis vergeben. "Viele Muslime haben diese Geste so verstanden, dass sie dazugehören."
"Ich frage mich, wie wir unseren Kindern, dritte, vierte Generation, wie wir ihnen erklären sollen, dass das ihr Land, ihre Zukunft ist, wenn der deutsche Innenminister sagt: "Ihr gehört nicht dazu"." Auch der evangelische Präsident des Koordinierungsrates der christlich-jüdischen Gesellschaften, Rickleff Münnich, betonte: "Die Muslime gehören zu Deutschland." Wer anders rede, der habe aus der christlich-jüdischen Geschichte nichts gelernt. "Und weil die Muslime zu Deutschland gehören, gehört auch der Islam zu Deutschland."
Als in Deutschland lebender Sohn iranischer Eltern schreibe Kerami über seine Welten, aber nicht über Parallelwelten, sagte der in Deutschland lebende jüdische Publizist Sergey Lagodinsky in seiner Laudatio. Diese Welten überschnitten sich und seien miteinander verwoben. Kermani schreibe über die "Normalität der Vielfalt".
Kermani ist auch Träger des Hessischen Kulturpreises 2009. Wegen des Protests seiner christlichen Mitpreisträger - darunter des Kardinals Karl Lehmann - war ihm die Auszeichnung zeitweise wieder aberkannt worden. Auslöser war ein umstrittener Aufsatz Kermanis über christliche Kreuze.
Im Vorjahr hatte der US-Architekt Daniel Libeskind die Auszeichnung erhalten. Frühere Preisträger waren auch die Politiker Richard von Weizsäcker (CDU), Johannes Rau (SPD) und Joschka Fischer (Grüne) sowie die "Aktion Sühnezeichen".
Gleichzeitig wurde in Minden die "Woche der Brüderlichkeit" eröffnet. Sie wird bereits seit 1952 veranstaltet und steht in diesem Jahr unter dem Motto "Aufeinander hören - Miteinander leben". Es gebe in diesen Zeiten kaum etwas, was dringender notwendig sei, sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).