Bielefeld: Westfälische Kirche hält am Sparkurs fest - Milderer Kirchensteuer-Rückgang
Bielefeld (epd). Die Evangelische Kirche von Westfalen bleibt trotz unerwartet hoher Kirchensteuereinnahmen auf Sparkurs. "Heute müssen wir schultern, was morgen nicht mehr zu tragen ist", mahnte Finanzdezernent Klaus Winterhoff am Dienstag in seiner Haushaltsrede vor der Synode der westfälischen Kirche in Bielefeld. Er verwies auf langfristig sinkende Einnahmen. Dank der positiven Wirtschaftsentwicklung könne der eigentlich zu erwartende Kirchensteuer-Rückgang immerhin zum Teil kompensiert werden.
Durch den Aufschwung rechnet Winterhoff aber lediglich mit einer "stabilen Seitwärtsbewegung". Er kalkuliert für die kommenden Jahre mit einem jährlichen Kirchensteuer-Minus von einem Prozent. Mehreinnahmen sollen zu einem großen Teil in die Versorgungskasse für die Pfarrer und Kirchenbeamten fließen. Ab 2012 werden allein dafür jährlich 22 Prozent des Kirchensteueraufkommens ausgegeben. Hinzu kämen steigende Beihilfeleistungen durch eine Explosion der Gesundheitskosten, warnte der Finanzexperte.
Größte Herausforderung für die Finanzplanung bleibt nach Winterhoffs Worten der Mitgliederschwund durch die demographische Entwicklung. Es gelte unverändert die Prognose für das Jahr 2030, dass sich die Finanzkraft gegenüber 2002 halbieren werde, während die Mitgliederzahl um ein Drittel sinke. Grund sei, dass sich die Zahl der Kirchensteuer zahlenden Jahrgänge zwischen 20 und 60 Jahren fast halbiere, erläuterte der Jurist, der auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört und Vorsitzender des EKD-Finanzbeirates ist.
Im laufenden Haushaltsjahr werden statt der ursprünglich prognostizierten rund 403 Millionen Euro am Ende vermutlich 415 Millionen Euro eingenommen. Für 2011 wird dennoch erneut ein geringeres Kirchensteuer-Aufkommen von 403,1 Millionen Euro zugrunde gelegt. Davon gehen 12,7 Millionen Euro in den EKD-Finanzausgleich für die ärmeren Landeskirchen in Ost- und Mitteldeutschland. Die verbleibenden 390,4 Millionen Euro fließen an die Kirchenkreise und in gesamtkirchliche Aufgaben.
Die Landeskirche erhält für ihre Aufgaben neun Prozent der zu verteilenden Kirchensteuermittel. Der von Winterhoff eingebrachte landeskirchliche Etat für 2011 sieht Einnahmen und Ausgaben von 43,8 Millionen Euro vor, das sind 1,9 Prozent mehr als 2010. Zur Deckung werden auch Zinseinnahmen und Rücklagen eingeplant. Größter Ausgabeposten im Gesamthaushalt der westfälischen Kirche ist die Pfarrbesoldung, die mit knapp 214 Millionen Euro zu Buche schlägt. Verabschiedet wird der Haushalt vermutlich am Donnerstagabend.
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