Nach Polizeiangaben demonstrierten in der Innenstadt etwa 200 bis 300 Demonstranten friedlich. Im Bielefelder Stadtteil Brackwede, wo schließlich "Pro NRW" mit einem Tourbus die Veranstaltung abhielt, protestierten nach Polizeischätzungen noch einmal rund 300 Menschen. Dort wurden fünf Demonstranten festgenommen, weil sie Eier und Flaschen warfen, erklärte der Sprecher des Polizeipräsidiums Bielefeld, Martin Schultz, gegenüber dem MT.
In einer Pressemitteilung von Pro NRW ist hingegen von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" die Rede: "Autonome und Graue Wölfe haben Tour-Konvoi eingekesselt und Pro-NRW-Bus teilweise entglast – Kreistagsabgeordneter Ulrich Manes wurde von mehreren Dutzend autonomen Linksextremisten angegriffen und konnte nur unter massiven Polizeischutz Bielefeld wieder verlassen", erklärte Markus Wiener von Pro NRW.
Diese Angaben konnte der Polizeisprecher nicht bestätigen. "Von einer "Entglasung" des Busses ist mir nichts bekannt", so Schultz auf MT-Anfrage.
Ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Migrantenorganisationen hatte zu friedlichem Protest gegen die Rechtsaußen-Kundgebung aufgerufen. "In Bielefeld ist kein Platz für Ausgrenzung und menschenverachtenden Rassismus", hieß es in dem Aufruf "Für kulturelle Vielfalt und Friedliches Miteinander", der von mehr als 60 Organisationen unterschrieben wurde. Unterstützer waren unter anderem CDU, SPD, FDP, Grüne und Linkspartei sowie mehrere Gewerkschaften. Zu den Unterzeichnern gehören zudem Migrantenverbände, die alevitische Gemeinde und die Evangelische Jugend in Bielefeld.
Der Lippische Landessuperintendent Martin Dutzmann hatte am Montag die Parolen der rechtspopulistischen Partei "Pro NRW" zur Landtagswahl am 9. Mai als islamfeindlich kritisiert. "Pro NRW will den Islam und die Muslime für alles verantwortlich machen, was in unserem Land falsch läuft", sagte der evangelische Militärbischof in Detmold dem Evangelischen Pressedienst. Solche Parolen seien mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Die evangelischen und katholischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen hatten vor wenigen Wochen bereits in einer gemeinsamen Erklärung den Versuch von "Pro NRW" scharf kritisiert, Christen für ihre Kampagne zu vereinnahmen.
Am Montagmorgen hatten in Minden rund 80 Demonstranten vor allem aus der autonomen linken Szene, aber auch Mitglieder des Mindener Bündnisses gegen Nazis und des Deutschen Gegenwerkschaftsbundes versuchten mit Rufen und Trillerpfeifen die Kundgebung der Partei Pro-NRW zu stören. Die war mit einem halben Dutzend Aktiver nach Minden gereist, um hier ihre Sechs-Tage-Wahlkampftour durch 26 nordrhein-westfälische Städte unter dem Motto "Abendland in Christenhand" zu starten.