Auto fährt in Schafherde. Fahrer unverletzt, elf Tiere tot, fünf verwundet
Bad Oeynhausen (nw). Es war kurz nach 22 Uhr am Dienstagabend, als die Polizei bei Helmut Zünd anrief. Ein 22-Jähriger war mit seinem Seat auf der Detmolder Straße in Lohe in die Herde des Schäfers aus Exter gefahren. Die Tiere waren von ihrer Weide ausgebüxt. Der Fahrer blieb unverletzt, elf Tiere starben, fünf wurden verwundet. Zünd fuhr mit seinem Enkel zur Unfallstelle. Was sie sahen, machte ihnen zu schaffen.
"Mein Enkel hat geweint, als er die Schafe gesehen hat", sagt Zünd. "Und auch ich war fertig. Wir standen beide unter Schock." Die toten Tiere hätten auf der Straße gelegen, die verletzten Tiere hatten Knochenbrüche erlitten, berichtet der Schäfer. Bei einem Tier sei das Bauchnetz aufgerissen und ein Bein gebrochen. "Es wird vermutlich nicht überleben."
Zünd und sein Enkel Daniel Kalinarsch (19) trieben die überlebenden rund 210 Schafe auf eine Weide, die weiter von der Straße entfernt lag. "Die mussten sich erstmal beruhigen", sagt der Schäfer. Die verletzten Tiere luden sie ein und brachten sie nach Hause. Rund anderthalb Stunden waren sie nachts an der Unfallstelle.
Die toten Schafe waren zweijährige Muttertiere
Wie es zu dem Unfall kommen konnte, kann sich Zünd nicht erklären. Die Schafherde stand auf einer Weide des Stutenhofes von Ulrich Bröker, die mit einem elektrischen Zaun gesichert war. Eine Autobatterie speist ihn mit 12 Volt Spannung. Normalerweise weichen die Tiere zurück, wenn sie einen elektrischen Schlag bekommen. "Ich schätze, ein fremder Hund hat die Tiere aufgeschreckt", sagt der 80-Jährige. Fest steht allerdings, dass die Schafe den Zaun niedertrampelten und plötzlich auf der Detmolder Straße standen. "Für den Autofahrer war ein Ausweichen nicht mehr möglich", heißt es im Polizeibericht.
Er habe keinen Tierarzt gerufen, sagte der Schäfer. Aus einem einfachen Grund: "Die Behandlung kostet so viel, wie die Schafe wert sind." Er versorge die Schafe lieber selber daheim. Für ein Tier, das sich ein Bein gebrochen hat, wolle er eine Schiene in der Apotheke kaufen und das verletzte Glied selber stützen. Die toten Schafe seien allesamt zweijährige Muttertiere gewesen. Ihr Wert: 120 bis 140 Euro. Die verstorbenen Schafe werden zu einem Abdecker in Detmold gebracht – einer Firma, die sich um die Verwertung von toten Tieren kümmert.
Beruf liegt in der Familie
Das Hüten von Schafen liegt bei den Zünds in der Familie. "Die Großeltern meiner Frau waren schon Schäfer", sagt Zünd, der in Vlotho im Schäferweg wohnt. Auch andere Verwandte hätten den Beruf ausgeübt. Sein Enkel Daniel Kalinarsch, der zur Zeit noch eine Ausbildung absolviert, würde die Herde gerne bald übernehmen: "Es macht Spaß, in der Natur zu sein."
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