Minden (mt). GWD Minden hat den Abstiegs-Krimi gegen HBW Balingen/Weilstetten mit 22:19 (11:9) gewonnen und damit gegen einen direkten Konkurrenten im Tabellenkeller der Handball-Bundesliga zwei wichtige Punkte erkämpft. 2678 Zuschauer in der Mindener Kampa-Halle feierten den ersten Heimsieg der Saison euphorisch und verziehen dem siegreichen Team am Ende eines dramatischen Duells eine Fülle von handballerischen Unzulänglichkeiten.
In einer Partie auf schwachem Niveau lag Minden nie im Rückstand. Doch den Hausherren gelang es zu keiner Zeit, sich mit einem energischen Zwischenspurt etwas Vorsprung und damit etwas Luft zu verschaffen. Die emotional geführte Partie entschied sich erst in den beiden Schlussminuten. Mittelmann Damian Wleklak erzielte nach dem 19:18 den Trefer zum 20:18, Stephan Just traf per Siebenmeter zum 21:18 und erneut Wlekak machte zum 22:18 den Sieg perfekt.
Rene Madsen stürzte kurz vor der Pause über die Seitenbande auf die
Zuschauertribüne, als er erfolglos versuchte, einen Konter der Gäste zu
unterbinden. | Foto: Lennart Weber
GWD hatte in dieser so wichtigen Partie mit erheblichen personellen
Sorgen zu kämpfen. Rückraumspieler Janis Helmdach und Torwart Nils Dresrüsse erhielten keinen Freigang von der Bundeswehr. Rückraumspieler Rene Madsen stürzte kurz vor der Pause über die Seitenbande auf die Zuschauertribüne, als er erfolglos versuchte, einen Konter der Gäste zu unterbinden. Madsen konnte nicht weiterspielen. Erste Dagnose: Mittelfußprellung. Die dritte Zeitstrafe gegen Rechtsaußen Gylfi Gylfason rundete nach 48 Spielminuten das personelle Chaos ab.
Und so wurde ein Akteur zum Matchwinner, der eigentlich gar nicht hätte spielen dürfen: Kreisläufer Anders Henriksson. Trotz des noch nicht verheilten Nasenbeinbruchs kam der Schwede nach 45 Minuten zum Einsatz, als bei GWD gar nichts mehr zusammenlief. So konnte Stephan Just vom Kreis in den Rückraum wechseln und gemeinsam mit Henriksson dem Mindener Spiel neue Akzente verleihen.
"Hut ab vor Anders. Das war hohes Risiko, aber er hat unser Spiel flüssiger werden lassen. Anders ist für mich der Mann des Spiels", lobte Mindens Trainer Richard Ratka. Henriksson freute sich: "Ich habe Angst gehabt, aber auch Glück. Im ersten Angriff habe ich einen Schlag auf das Auge bekommen. Aber mit der Nase ist alles gut gegangen."
"Das war vielleicht nicht das schönste und eleganteste Handballspiel. Aber die Mannschaft hat gekämpft ohne Ende. Die Moral war einfach nicht kaputt zu kriegen", sagte Mindens Trainer Richard Ratka.
Balingens Trainer Rolf Brack gratulierte und lobte die starke Mindener Abwehr. "Mit Katsigiannis im Tor ist Minden in der Deckung fünf Tore besser as in der letzten Saison."
GWD Minden – HBW Balingen/Weilstetten 22:19 (11:9)GWD Minden: Medhus, Katsigiannis (1.-60.) - Klesniks (1), Gylfason (1), Auerswald, Just (3/2), Schäpsmeier (4), Madsen (1), Wleklak (6), Schmidt (4/2), Ingimundarson (2), Henriksson, Kunisch, Bagats.
HBW Balingen/Weilstetten: Marinovic (1.-60.), Grathwohl - Lobedank (2), Herth (5/2), Sauer, Feliho (1), Wilke, Ettwein (1), Strobel (1), Temelkov (3/3), Bürkle, Müller (4), Ilitsch (2), Wagesreiter.
Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal).
Zuschauer: 2678.
Zeitstrafen: 14:10 Minuten
(Schäpsmeier/10., 3x Gylfason/12./31./48, Madsen/19., 2x
Schmidt/19./41., - 2x Müller/17., 35., Ettwein/53., Feliho/56.,
Lobedank/59. ).
Disqualifikation: Gylfason (dritte Zeitstrafe/48.)
Siebenmeter: 6/4 : 7/5 (Schmidt scheitert an Marinovic/36., Schmidt donnert den Ball an den Pfosten/44. - Herth wirft Aufsetzer an die Latte/33., Herth trifft die Latte/38.).
Torfolge: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 3:3 (8.), 4:3, 4:4, 5:4, 6:4 (14.), 7:5, 7:6, 8:6 (23.), 8:7, 10:7 (27.),10:8, 11:8, 11:9 – 11:10, 13:10, 13:12 (42.), 14:12, 14:13 (45.),15:13, 15:15 (49.), 17:15, 17:16, 18:16, 18:17 (55.), 19:17, 19:18(57.), 22:18, 22:19.