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01.02.2012
Bauen ohne Luft holen und Atempause
Herz- und Diabeteszentrum investiert in fünf Jahren 100 Millionen Euro / Anbau soll im Sommer fertig sein
VON JÖRG STUKE

Bad Oeynhausen (va). Einfach Mal Luft holen? Zeit nehmen für eine Atempause? Wilhelm Hecker winkt ab. Nein, nein, sagt der Geschäftsführer des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ). "Ein Krankenhaus ist immer eine Baustelle". Eine, in die das HDZ in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro investieren will. Wofür das Geld ausgegeben wird, erläuterte Hecker am Montag dieser Zeitung.

Die Fassade wächst: Hans-Jürgen Koschel bereitet eine Alu-Platte für den Einbau vor. Erst wenn das Gerüst abgebaut ist, wird der kühne Wellenschlag der Fassade des HDZ-Anbaus zur Schützenstraße hin auffallen. Foto: Jörg Stuke

Den größten Batzen der 100 Millionen wird das HDZ schon in diesem Jahr ausgeben. Rund 40 Millionen Euro sollen allein 2012 fließen. Knapp 30 Millionen Euro werden nach Heckers Kalkulation in diesem Jahr für den Anbau fällig. "Wir hoffen, dass wir den Bau im September in Betrieb nehmen können", erklärt Hecker.

Dann stehen in einer Reihe nebeneinander acht moderne Operations-Säle zur Verfügung. "Das verbessert die Versorgung der Patienten, aber auch die Wirtschaftlichkeit des Hauses", so Hecker. Dabei ist die Wirtschaftlichkeit im HDZ kein Sorgenkind. "Wir können die Investitionen aus eigener Kraft finanzieren."

Abstriche muss der HDZ-Geschäftsführer aber bei der Bettenzahl im Neubau machen. "Es wird nur zwei Stationen mit 18 Betten geben", so Hecker. Ursprünglich hatte er im Anbau mit 72 zusätzlichen Betten gerechnet. Doch im September zeigte sich, dass der Zuschnitt der Räume keine Belegung mit zwei Patienten erlaubt. "Es ist jetzt klar, dass wir hier keine Doppelzimmer, sondern nur Einzelzimmer einrichten können", sagte Hecker. Noch offen ist, inwieweit der Architekt des Anbaus dafür verantwortlich ist. Bis Ende Februar, so schätzt Hecker, müsse entschieden werden, wie es in diesem Bettenstreit rechtlich weitergeht. "Die Chancen stehen im Moment 50:50, ob es eine friedliche Lösung gibt oder ob eine gerichtliche Klärung unvermeidlich wird". Derzeit werde im HDZ überlegt, wo Platz für die 36 fehlenden Betten noch geschaffen werden könne. "Es kann aber sein, dass das erst in drei, vier Jahren verwirklicht wird", so Hecker. Wenn der Anbau im September fertig ist, wird er nach Heckers Rechnung insgesamt 40 Millionen Euro gekostet haben. Ohne Pause aber sollen die Bauarbeiten dann weitergehen. "Wir werden von unseren 14 Pflegestationen zehn sanieren", kündigt Hecker an. Außerdem soll der Bereich der Intensiv-Medizin ausgeweitet werden. Bislang hat das HDZ 110 Intensiv-Betten, 15 bis 20 weitere sollen dazu kommen. Für beide Projekte hat Hecker 20 Millionen Euro eingeplant.

Mehr als fünf Millionen Euro will das HDZ in ein zweites "Zyklotron" investieren. Der alte Teilchen-Beschleuniger, der seit 1994 im HDZ arbeitet, wird überholt. Für das neue Gerät wird unterirdisch - zwischen Haupteingang und Straße - Platz geschaffen. Auch das dazugehörige Labor wird erneuert. Mit den Zyklotronen werden nukleare Pharmazeutika hergestellt, die das HDZ selbst in der Diagnostik einsetzt, aber auch an andere Kliniken verkauft.

Außerdem will das HDZ bis 2016 rund 30 Millionen Euro in die medizinische Ausstattung investieren. "Das ist aber ein kontinuierlicher Prozess", so Hecker, "wir brauchen immer die modernsten Geräte."

Wenn der Fünf-Jahres-Plan abgearbeitet ist, sollen 100 Millionen Euro ausgegeben sein und dem HDZ eine medizinische Versorgung "auf höchstem Niveau" garantieren. "Da sind wir beispielhaft für alle Herzzentren", ist Hecker überzeugt.

Zeit für eine Atempause hat er aber auch dann noch nicht eingeplant. Weiterer Ausbau der Intensiv-Pflege, Modernisierung des gesamten Labor-Bereichs: Schnell hat Hecker weitere Pläne im Kopf. Damit das HDZ eine Baustelle bleibt.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 31.01.2012 um 22:11:28 Uhr

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