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09.05.2012
Unglaublich: Notaufnahme im Johannes-Wesling-Klinikum - ein Notfall für sich

Betr.: Notaufnahme im Johannes-Wesling-Klinikum

Immer den roten Punkten auf dem Fußboden folgend, sind "das" Blutflecken? Nein, sie führen den heimischen Wanderfreund symbolträchtig in die Notaufnahme des "Klinikums der kurzen Wege" und wie sich herausstellt: in die im wahrsten Sinne des Wortes "Warte-Zone", den "Gedulds"-Bereich, das "Frust"-Areal.

Soweit körperlich möglich, Anstellen am Tresen der Anmeldung zur stationären Aufnahme, selbstverständlich den Diskretionsbereich einhaltend, in gespannter Erwartung der Aufforderung zum Nähertreten.

Schon hier beschleicht den Patienten ein beklemmendes Gefühl, gewinnt er doch den Eindruck, dass hier stimmungsschwankende Menschen arbeiten, denen die Freude an ihrer Tätigkeit in den unendlichen Weiten des großflächig angelegten Johannes-Wesling-Klinikums abhandengekommen ist.

Hinsetzen, warten. An den Wänden hängen mindestens drei Plakate, auf denen zu lesen ist, dass die Patienten nicht der Reihe nach, sondern je nach Schweregrad der Erkrankung behandelt werden. Vollstes Verständnis.

Warum aber wartet der an Krebs erkrankte ältere Herr mit starken Schmerzen seit fast zwei Stunden auf einen Arzt? Seine Angehörige berichtete, dass sie vor nicht allzu langer Zeit zehn (in Worten: Zehn) Stunden gewartet habe. Man hatte sie schlichtweg vergessen.

Warum muss eine Mutter ihre zwei kleinen Kinder über mehr als zwei Stunden hinweg beruhigen? Ein im Rollstuhl sitzender Patient ohne Begleitung wagt es kaum, die Toilette aufzusuchen, um nicht seinen Namensaufruf zu verpassen.

Unsicherheit macht sich breit, zaghaftes Nachfragen am Anmeldebereich: "Wartezeit kann bis zu sieben Stunden dauern", so die harsche Rückmeldung.

Eine neue Geschäftsidee flammt auf: Frittenbude, Catering in der Wartezone! Belegte Brötchen und allerlei Leckereien für die inzwischen unterzuckerten Wartenden. Freundliche Vorleser und Animateure zur Beschwichtigung der ungeduldigen Patienten.

Zeitung der Mühlenkreiskliniken liegt aus, Lesen verkürzt bekanntlich die Wartezeit - Seite 9: "Neue Aufnahmestation - Patienten sollen schneller behandelt werden", erfährt der geneigte Leser. "Durch unsere neuen Strukturen erhoffen wir uns einen besseren Behandlungsfluss", so das Zitat. Einfach unglaublich!

650000 Euro für eine unerfüllte Hoffnung! Geld, das zur Einstellung weiteren Fachpersonals sicherlich sinnvoller angelegt gewesen wäre.

Fazit: Die Notaufnahme des Johannes-Wesling-Klinikums ist ein Not-Fall für sich!

Ursula Watermann

Minden

watermaenner

@teleos-web.de

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 08.05.2012 um 23:11:42 Uhr

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Kommentare
Unglaublich das alles?
Sowas hätte es früher nicht gegeben?

Stimme ich zu. Früher ist auch nicht jeder wegen jedem Sch*** ins Krankenhaus gegangen!
Muss man wirklich mit einer Grippe/Erkältung/nem Verbandswechsel/ usw. in eine NOTaufnahme?!

Das gab es früher wirklich nicht. Wer krank war blieb zu hause und wurde in den meisten Fällen durch Ruhe und ein paar gute alte Hausmittel gesund. Auch ein bei Zeiten vorbeischauender Arzt reichte damals oft. (natürlich sind "echte" Notfälle immernoch ausgenommen)

Kein Wunder dass dort dann eine NOTaufnahme irgendwann aus allen Nähten platzt. Denn leider gibt es auch genug vom Rettungsdienst gebrachte Patienten, die nicht unbedingt dringend behandelt werden müssen. Diese verzögern natürlich den weitern Ablauf auch.
Ich denke die meisten sollten sich wirklich zuerst einmal fragen, ob Sie wirklich in die Notaufnahme müssen! Komisch auch wenn man plötzlich an einem Mittwoch/Feiertag/oder am Wochenende driiiiingenst einen Arzt für eine längst bekannte Erkrankung braucht.

Schade dass dort dann immer das Pflegepersonal den Frust abbekommt!

Sicherlich hat Mindener in diesem Punkt recht: Viele Krankheiten gehören nicht in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Wer schon 2 Wochen Schmerzen im Knie hat, sollte zum niedergelassenen Arzt und nicht mal eben ins KH.
DAS sollte aber doch durch den Ärztlichen Notdienst direkt neben der Notaufnahme übernommen werden. Wie läuft dies denn eigentlich in der Praxis?

Unglaublich ist übrigens auch, mit was für "Krankheiten" sich manche Menschen in die Notaufnahme begeben.

Diese können die elendig langen Wartezeiten gleich als Erzieherische Maßnahme sehen: "Komm nicht in die Notaufnahme, wenn du nicht krank bist!!!".

Und nun ...... jeder hat seine Meinung und seine Wut herausgelassen ......... und alles geht seinen gewohnten Gang. Bis auf die Pfleger und Pflegerinnen, die dem Druck nicht mehr standgehalten haben und durch die von den Kommunalpolitkern hochdotierten Vorstandsmitgliedern krank gemacht wurden. Immerhin "profitiert" ja schließlich die Tochter KH Lübbecke von den in den Burnout getriebenen Menschen.

@katsche
Und genau da liegt ja der Unterschied. Wird man per Krankenwagen als Notfall eingeliefert MUSS ja sofort geholfen werden. Kann man sich aber trotz Schmerzen noch selbst ins Gebäude schleppen gerät man in die Mühlen des gleichnamigen Klinikums und darf eine Odysee an der eigenen Person erleben. Ich kenne das JWK auch gottseidank "nur" aus der im Leserbrief beschriebenen Sicht. Gottseidank auch nur als Begleitperson.
Ich kann alles bestätigen was im Leserbrief geäussert wurde. Man muss es öffentlich machen, denn sonst entsteht kein Druck und nur Druck sorgt für Veränderungen.



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