Wir schlagen uns heute mit Problemen herum, die früher nicht existierten. So auch mit dem Nah- und Schülerverkehr in Minden und im Kreis. Wie eigentlich immer werden bei ideologisch bedingten Änderungen, beschwichtigend Anpassung genannt, wesentliche Fakten verschwiegen, um das Ziel zu erreichen. Die Privatisierungen waren eben doch nicht das Gelbe vom Ei. Nahverkehr kann man eben nicht kostendeckend betreiben. Er zählt zur Daseinsvorsorge eines Gemeinwesens.
Wie Nahverkehr hervorragend funktioniert, konnten wir während eines Urlaubs im Raum Meran in Südtirol erleben. Die Busse fahren je nach Verkehrsaufkommen tagsüber alle zehn, 15, 30 oder 60 Minuten in alle Orte im Umkreis von Meran bis zu 15 Kilometer Entfernung. Kleinere Orte bis zu Höhen über 1000 Meter werden alle zwei Stunden angefahren.
Für Touristen kostet eine Siebentageskarte neun Euro. Die Einzelfahrt kostet zwei Euro. Mit einer Mehrfartenkarte von fünf, zehn oder 25 Euro kostet die 1. Fahrt jedoch nur um die 50 Cent. Alle weiteren Fahrten am selben Tag verbilligen sich bis auf zehn Cent. Mit einer etwas teureren Touristenkarte kann man auch die 10 Kilometer lange Bahnstrecke von Bozen bis Mals benutzen. Die Züge fahren tagsüber im 30-Minuten-Takt, in den Tagesrandzeiten jede Stunde, und dies von morgens 5 bis 23 Uhr. So besteht Anschluß an die Fernzüge von und nach Meran. Die verkommene und stillgelegte Staatsbahn wurde vom autonomen Land Südtirol übernommen, vollkommen neu gestaltet und dabei auf 100 Stundenkilometer gebracht. Mit diesen Maßnahmen ist sichergestellt, daß der Straßenverkehr entlastet ist und nicht zusammenbricht.
Die Busse fahren sehr zügig; in Kurven muß man sich gut festhalten. Buslinien auf Straßen mit Vorfahr rechts vor links wie bei uns gibt es nicht! Im Schülerverkehr sind die Kinder sehr diszipliniert. Die Busfahrer haben sie voll im Griff.
Die Kostendeckung liegt bei 16 Prozent! Jetzt verlangt die Brüsseler Nomenklatura eine von 35 Prozent. Dies hat zu massiven Protesten geführt, denn die Fahrpreise würden sich verdoppeln, der Verkehr auf den Straßen würde zunehmen und zusammenbrechen. Bezeichnend ist, wo Brüssel sich in seinem Gleichmacherwahn überall einmischt. Warum von dort keine Forderung laut wird, die geringe Kostendeckung des Mittellandkanals von fünf Prozent auf eine bessere anzuheben, sollte sehr nachdenklich machen. Man preßt eben dort heraus, wo sich keine Gegenwehr bilden kann. Siehe auch Parkgebühren am Mindener Bahnhof.
Aber wir brauchen ja das Geld wieder für andere, diesmal, um nimmersatte Banken und verschwenderisch lebende Eurostaaten zu retten.
Udo Knau
udo.knau@teleos-web.de

















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