Nach etlichen Monaten war ich am Wochenende wieder zu Besuch in meiner alten Heimat. Und was gibt es Schöneres, als bei "Kaiserwetter" am Abend noch über den Mindener Markt zu schlendern, alte Freunde und Bekannte zu treffen und die zahlreichen Produkte des Weinfestes zu probieren.
Die erste Verwunderung gab es allerdings für mich schon kurz nach meinem Eintreffen um 21 Uhr, kaum hatte ich liebe Freunde und Nachbarn aus alten "Radio Westfalica Zeiten" wiedergetroffen, wurde mir sofort berichtet, dass heute, am Samstag, um 23 Uhr allerdings mit dem fröhlichen Weinfest Schluss sei, Tage zuvor sei schon um 22 Uhr zappenduster gewesen!
Ich konnte dies angesichts von traumhaften 26 Grad Celsius und Hunderten von fröhlich, gesellig und friedlich feiernden Festbesuchern nicht glauben. Doch, tatsächlich, um kurz vor 23 Uhr kam die letzte Moderation von der Disco-Bühne (Wer bitte braucht laute Musik und stampfende Beats eigentlich überhaupt auf einem Weinfest???) und kurz darauf wurden die Schotten der Weinstände dichtgemacht, bzw. der Ausschank des Rebensaftes beendet.
Zwei uniformierte Mitarbeiter des Ordnungsamtes beobachteten die peinlich genaue Einhaltung der von oben angeordneten Sperrstunde mit Argusaugen. Im Gespräch mit einem frustriert zusammenpackenden Winzer aus dem Schwabenländle stellte sich dann auch noch heraus, dass die Standbesitzer zwar alle 100 Euro mehr Standgeld dieses Jahr zahlen mussten, die zeitliche Verkürzung des Weinfestes aber vorher mit keiner Zeile oder Silbe von der Stadt erwähnt worden war.
Auf wessen Betreiben ist nun also diese unfassbare Sperrstunde eingeführt worden? Anwohner, die sich beschwert hatten, ist da wohl des Rätsels Lösung. Doch gestern hatte ich das große Vergnügen, mit zwei Mindenerinnen unterwegs gewesen zu sein, die beide über 30 Jahre direkt am Markt gewohnt haben und beide bestätigten mir, sie hätten sich niemals über Lärm oder sonstige "Belästigungen" in dieser Zeit beschwert!
Wer also bis auf "spaßbefreite" Einzelne hatte einen so unsäglichen Einfluss auf die Stadt, dass diese provinzielle Armseligkeit tatsächlich stattfand und Hunderte von fröhlichen Weinfestbesuchern und alle ausstellenden Winzer mit langen Gesichtern nach Hause gehen, bzw. einpacken mussten? So hat die Stadt wieder einmal bewiesen: Sie schießt sich am liebsten selbst ins Bein!! Gute Nacht Minden!!!
Ralf Huber
Kanalstraße 25b, Kiel
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