AKTUELL KOMMENTIERT
Das Problem mit dem Griechenland-Problem ist die Tatsache, dass niemand weiß, was passieren wird - und zwar unabhängig von der gewählten Handlungsoption.
Davon gibt es im Prinzip zwei - massiver Beistand oder Bankrott. Das wirklich Dumme für alle unter Lösungszwang handelnde Politiker ist: In beiden Fällen könnten die Finanzmärkte nach einer endgültigen Lösung verrückt spielen, je nachdem, wie sie die Folgen auf ihre finanziellen Interessen hochrechnen. Denn während die philosophische Spekulation laut Duden "Vernunftstreben nach Erkenntnis jenseits der Sinnenwelt" ist, beruht die gleichnamige, auf Gewinne aus Preisveränderungen abzielende Geschäftstätigkeit auf Mutmaßungen. Die, Markttheoretiker mögen noch so felsenfest dagegen halten, wiederum geben keine mathematischen Wirklichkeiten wieder, sondern Geisteszustände. Im Zweifel bis zur Hysterie.
Natürlich wird derzeit von allen Beteiligten bis an die Schmerzgrenze gepokert, von den Griechen wie den Geldgebern. Wie auch immer letzten Endes die Entscheidung ausfällt, bezahlt werden muss so oder so. Massive Forderungsverluste treffen eben nicht nur Spekulanten, Großbanken, anonyme Hedgefonds oder sonstige Kapitalanhäufer, sondern in jedem Fall auch Steuerzahler, Kleinsparer, Lebensversicherte, Verbraucher. Betonung auf: jedem.
Ein Staatsbankrott Griechenlands wäre nicht der erste in der Wirtschaftsgeschichte, die rein ökonomischen Folgen wären, bliebe es beim Einzelfall, bei allseits waltender Vernunft vermutlich überschaubar - ebenso wie die einer finanziellen Rettung. Ob die noch junge europäische Währungsunion ihn aushalten könnte, ist eine andere Frage. Deren Beantwortung kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings ebenfalls nur hoch spekulativ ausfallen. Von den Finanzmärkten Vernunft zu verlangen, ist vermutlich mindestens ebenso verwegen wie von der Politik den Mut dazu.
















