Es läuft nicht gut am Hindukusch. Gestern ist wieder ein Soldat der Isaf-Truppen getötet worden. Doch längst setzen die Taliban nicht mehr allein auf Gewalt gegen die Nato und die Einschüchterung der Bevölkerung. Sie verstehen sich auch auf psychologische Kriegsführung.
Seit einiger Zeit bemühen sie sich um das Vertrauen der Afghanen, kümmern sich um soziale Belange. Sich selbst stellen sie als rechtschaffen und mildtätig dar, die Regierung Karsai in Kabul als ausbeuterisch und korrupt. Die Einheimischen sollen das Gefühl haben, nicht auf die ISAF angewiesen zu sein. Dass es ihnen ohne "den Westen" besser geht.
Diese PR-Offensive könnte die Nato vor noch größere Probleme stellen als Selbstmordattentäter und Sprengfallen. Bislang war die überwiegende Zahl der Afghanen froh, dass die "Gotteskrieger" vertrieben waren. Mit ihrem Terror hatten diese Angst und Schrecken verbreitet und Hass auf sich gezogen.
An finanziellen Mitteln für ihre vermeintlich guten Taten fehlt es den Islamisten nicht, die kommen aus Pakistan oder aus dem Iran. Gerade Pakistan hat seinen unseligen Einfluss im Nachbarland verstärkt.
Die Macht der Taliban ist mittlerweile wieder so groß, dass nicht nur Präsident Hamid Karsai, sondern auch Washington keine andere Möglichkeit sieht, als mit ihnen zu verhandeln. Große Zugeständnisse brauchen sie nicht zu machen. Sie verfolgen die Abzugsdebatte in der Nato. Sie wissen, dass sie bloß Geduld brauchen. Die hatten sie schon immer.
















