AKTUELL KOMMENTIERT
Unionsfraktionschef Volker Kauder kann im Bundestag ruhig auf die Pauke hauen und sich an der Opposition abarbeiten. Doch sollte er endlich aufhören, international Porzellan zu zerschlagen und sich dem Vorwurf antieuropäischer und antigriechischer Stimmungsmache auszusetzen. Wenn Berliner Politiker meinen, am deutschen Wesen solle die Welt genesen, hält sich selbst bei engsten Freunden der Bundesrepublik die Begeisterung in Grenzen.
Mit seinem Gerede, Europa spreche Deutsch, hat er vor einigen Wochen bereits für böses Blut gesorgt. Zu mehr Sensibilität hat das jedoch beim vorlauten Christdemokraten nicht geführt. Denn mit seiner Forderung nach einem Sparkommissar für Athen brachte er die Empörungsmaschinerie beim EU-Gipfel in Brüssel auf Hochtouren. Die ohnehin schon - selbst verschuldet - in ihrer Ehre gekränkten Griechen waren pikiert und beleidigt, andere Staats- und Regierungschefs reagierten mit Kopfschütteln. Der Ton macht die Musik.
Schon ist in Athen von einem "Gauleiter" die Rede, den man nicht wolle. Dabei haben jene, die wie Kauder und der Luxemburger Jean-Claude Juncker eine stärkere Kontrolle darüber fordern, ob sich die, denen geholfen wird, auch an die Vereinbarungen halten, ja recht. Ein neues Fiskalpaket, das in Wahrheit gar nicht so viel Neues enthält, hat aber nur Sinn, wenn es nicht genauso auf die leichte Schulter genommen wird wie die Maastricht-Kriterien auch von Deutschland. Doch nicht alle EU-Länder sind von dieser Idee Angela Merkels begeistert, neben London bremst Warschau.
Gerade wer fordert, die Bundesrepublik müsse sich stärker engagieren, muss akzeptieren, dass Berlin mehr Sicherheiten verlangt. Merkels Absage an einen höheren und teureren Schutzwall für den Euro verärgert viele Partner. Da ist es nicht auch noch nötig, dass Kauder die Griechen und andere mit markigen Sprüchen gegen Deutschland aufbringt.
















