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30.01.2012
THEMA: NÄCHSTER GIPFEL ZUR SCHULDENKRISE
Profiteur, nicht nur Zahler
VON CHRISTOPH PEPPER

AKTUELL KOMMENTIERT

In der Euro-Krise, eigentlich eine Schuldenkrise Europas, wird nicht nur an manchem Stammtisch gern mit einfachen Wahrheiten hantiert. Dass Deutschland "alles bezahlt", ist eine davon - und natürlich hält eine große Mehrheit der Bürger davon überhaupt nichts.

Die Wirklichkeit ist etwas vielschichtiger. Nicht nur deutsche Steuerzahler gehen über den Rettungsschirm in Haftung für die Gemeinschaftswährung, nicht nur deutsche Steuerzahler haben - bislang allerdings entschieden weniger als zunächst befürchtet - tatsächlich schon Transferzahlungen geleistet. Andererseits, und das mutet geradezu absurd an, profitiert ausgerechnet Deutschland massiv von der Euro-Krise. Noch nie zahlte es - wegen seiner hervorragenden Bonität im Vergleich zu manch anderen Schuldensündern - so wenig Zinsen auf seine Staatsanleihen. Das entlastet den Staatshaushalt und gibt dem Finanzminister wertvollen Spielraum. Echtes Geld bringen zudem die Zinsen für die Notkredite an Griechenland, Portugal und Irland. Nie sprudelten die deutschen Steuerquellen kräftiger als ausgerechnet jetzt, mitten in der Euro-Krise - angekurbelt von nie da gewesenen Exporterfolgen in die Euroländer und die übrigen Mitglieder der europäischen Union.

Nie war auch der deutsche Einfluss auf die Haushalts- und Wirtschaftspolitik eben dieser Länder größer. Als wichtigster (aber, siehe oben, längst nicht alleiniger) und finanzkräftigster Beitragszahler kann es heute schmerzhafte Einschnitte in fremder Länder Ein- und Ausgaben durchsetzen, wo früher kalt lächelnde Abwertungen für den notwendigen Kontoausgleich sorgten.

Nie war auch der deutsche Einfluss auf die Haushalts- und Wirtschaftspolitik eben dieser Länder größer. Als wichtigster (aber, siehe oben, längst nicht alleiniger) und finanzkräftigster Beitragszahler kann es heute schmerzhafte Einschnitte in fremder Länder Ein- und Ausgaben durchsetzen, wo früher kalt lächelnde Abwertungen für den notwendigen Kontoausgleich sorgten.

Man sieht, Deutschland hat allen Grund, an einem dauerhaften Erfolg des Euros interessiert zu sein. So interessiert, dass ihm das im Zweifel auch Geld seiner Steuerzahler wert sein muss. Dass dies nicht mit vollen Händen à fonds perdu verschleudert wird, davor ist die Kanzlerin mit Sicherheit auch beim nächsten EU-Gipfel. Schließlich weiß sie den Wahlbürger im Nacken.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 29.01.2012 um 21:15:26 Uhr

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Kommentare
Geehrter Herr Pepper,
Sie übersehen, dass der sog. Stammtisch grundsätzlich nur auf Basis der Informationen "diskutiert", die ihm zur Verfügung stehen. Bezug nehmend auf Ihren aktuellen Kommentar darf ich Sie an die, in der Presse nur recht selten kritisierte, äußerst mangelhafte Informationspolitk unserer Regierung (en) erinnern. So hat unser Finanzminister Schäubel es in der letzten Bundestagsdebatte der Vorwoche für opportun gehalten, dem Parlament auf Nachfrage eines Abgeordneten der SPD die Nennung der Kosten zu verweigern, die Deutschland bisher auf Grund der europ. Schuldenkrise (bisher) entstanden sind. Ein Skandal erster Güte, der im MT überhaupt nicht erwähnt wird. Dem Bürger werden diese Verbindlichkeiten seitens der Politk bewußt vorenthalten. Es ist also kein Wunder, wenn es zu den von Ihnen beklagten sog. "Stammtischwahrheiten" zwangläufig kommen muß. Im Kontext zu den Vorteilen, welche Deutschland, nach Ihrer Meinung, für den Bundeshaushalt aus dieser Krise zieht übersehen Sie geflissentlich, dass die bisher durch den Bund eingegangnen Verbindlichkleiten zu den div. Rettungsschirmen zwischenzeitlich an die Größenordnung unseres jährlichen Bundeshaushalt heranreicht, übrigens ohne Zinsen. Weiter darf ich daran erinnern, daß Deutschland nicht als einziges europ. Land von seiner wiertschaftlichen Stärke profitiert sondern auch die europäischen Länder, welche über eine wettbewerbsfähige Industrie verfügen. Denn diese Länder exportieren in erheblichem Umfang Waren und Güter in die BRD, ohne die unsere Wirtschaft nur schwer erfolgreich sein kann. Die Importzahlen können Sie unschwer aus den öffentlichen Statistiken entnehmen. Insofern profitiert wie von Ihnen suggeriert, nicht nur die BRD an unserer Stärke, was auch gut ist. Oder Sie rufen einmal bei VW in Wolfsburg an und befragen den Einkaufsvorstand Herrn Garcia-Sans nach dem Anteil europäischer Zulieferer am gesamten Produktuionsmaterial. Recht haben Sie allerdings mit der Auffassung, dass sich Deutschland weiterhin stark an den Kosten der europ. Wirtschaftskrise aus den vorgenannten Gründen beteiligen muss, was auch jedem halbwegs schlichten Stammtischgemüt klar gemacht werden kann, wenn man dies nur wollte.


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