Gedanken zum sonntag
Liebe Leserin, lieber Leser, erinnern Sie sich noch an die vielen guten Vorsätze für dieses Jahr? Wie zum Jahreswechsel der Rückblick auf das letzte Jahr gehört, so scheint auch ein positiver Ausblick oder doch zumindest die Absicht, etwas positiv zu gestalten zu jedem neuen Jahr zu gehören. Nicht nur in den Medien, auch in meinem Alltag bin ich Menschen begegnet, die ganz tolle Vorsätze für dieses Jahr hatten.
Nun ist es schon vier Wochen alt, das Jahr. Und viele der guten Vorsätze scheinen vergessen zu sein. Ich höre jedenfalls nichts mehr von ihnen. Vielleicht ist es auch zu viel verlangt, dass wir Menschen unser Leben einfach ändern. Natürlich gibt es das auch. Aber dafür braucht es häufig einen ganz anderen Anstoß, als einen Jahreswechsel. Und so bleibt der gleiche Alltag wie im letzten Jahr, es hat sich nichts verändert und man hat nichts außer der Erfahrung, an den eigenen Erwartungen gescheitert zu sein. Da ist es besser, sich nicht etwas zuzumuten, sondern sich - für eine begrenzte Zeit - etwas zuzutrauen.
In wenigen Wochen, am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Seit fast drei Jahrzehnten findet in diesem Jahr wieder die Fastenaktion statt. Unter der Überschrift "Sieben Wochen ohne" oder "Sieben Wochen anders leben" gestalten in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag viele Menschen ihr Leben bewusster.
Sie stellen sich der Herausforderung, auf Süßigkeiten oder Alkohol, auf Kaffee oder auf Fernsehzeiten zu verzichten. Sieben Wochen nicht bei einem Geburtstag mit Sekt anzustoßen, sieben Wochen nicht mit den Kollegen ein Feierabendbier zu trinken, sieben Wochen beim Abendmahl nur mitzufeiern, wenn kein Wein angeboten wird. Und dabei entdecken, wie schwer es doch ist, nur wenige Wochen auf ein oder zwei Genussmittel zu verzichten. Aufzufallen, weil man nicht das tut, was alle tun. Vielleicht auch nachzuspüren, was Menschen erleben, die diese Genussmittel nicht oder nicht mehr genießen können oder dürfen. Und nach den sieben Wochen festzustellen, dass man etwas nicht braucht, das man vorher für selbstverständlich gehalten hat.
Vielleicht kennen Sie einen Menschen, der bei sieben Wochen ohne mitmacht. Machen sie ihm oder ihr Mut. Lassen Sie sich von den Erfahrungen berichten, Sie werden überrascht sein, was in diesen wenigen Wochen alles passieren kann. Wie viele neue Erfahrungen, Begegnungen und Eindrücke das Leben bereichern und sogar den Alltag verändern. Vielleicht haben sie sogar den Mut, selber mitzumachen.
Pfarrer Heinrich Meier, Berufsschulpfarrer im Leo-Sympher-Berufskolleg
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