Gedanken zum sonntag
Der einsame Bergwanderer schleppt sich mühevoll mit seinem schweren Rucksack den Wanderweg empor. Die nächste Rasthütte ist noch weit. Der Schweiß steht ihm auf der Stirn, das Hemd ist schon klamm, der Atem geht schwer. Aber er weiß: Ein gutes Stück des Weges liegt noch vor ihm.
Hinter sich hört er nach einer Weile einen herannahenden Traktor. Der Bauer hält an, grüßt freundlich und bietet ihm an, ihn mitzunehmen. Der Wanderer willigt dankend ein und steigt auf den Anhänger.
Zwischendurch sieht sich der Fahrer mal um und bemerkt, dass der Wanderer noch immer den Rucksack auf dem Rücken hat. "Hey, du kannst den Rucksack doch abstellen, den musst du doch nicht die ganze Zeit tragen!" Darauf antwortet der Wanderer: "Ach, weißt du - mir hilft es schon, wenn du mich mitnimmst, da musst du dich nicht noch um mein Gepäck kümmern!"
Verrückt? Dann lass uns doch mal schauen: Was hast du in deinem Rucksack? Was macht dir das Leben schwer? Welcher Weg ist dir zu lang und zu schleppend? Was plagt dich und du wirst es nicht los? Hast du vielleicht auch niemanden, der dir beisteht und tragen hilft? Einen wirklich "guten Freund", der mit dir durch Dick und Dünn geht, den du nachts anrufen kannst?
Vielleicht liegt das Problem auch darin, dass wir uns so ungern helfen lassen? Das hieße ja: Schwäche zeigen! Und wer Schwächen zugibt, zeigt keine Stärke, ist ein "Looser"! Wir sind wahre Meister im Festhalten, wenn es um persönliche Nöte geht! Da scheint unter uns geradezu ein Wettbewerb ausgebrochen zu sein, eine Meisterschaft im Festhalten von Problemen.
Wie schwer ist es für uns oft, unsere "Lasten" loszulassen und abzugeben. Und wie viele Menschen sind genau daran zerbrochen, dass sie mit ihrer Not nicht fertig wurden. Weil niemand da war, der ein offenes Ohr hatte und "mitgetragen" hat. Dabei gibt es doch noch so einen "Freund" der mit uns durch Dick und Dünn geht, ein offenes Ohr hat, und der immer um Hilfe angerufen werden kann!
Jesus lehrt seine Jünger (Matthäus 11, 28): "Hey, kommt zu mir, die ihr total kaputt seid! Ich will euch stärken!" Das ist nicht nur das Tragen des Rucksackes für die nächsten drei Kilometer. Das ist nicht die Trinkflasche, die mir für ein paar Schritte weiterhilft. Nicht der leckere Cappuccino, der mir eine kleine Pause verschafft. Das hilft nämlich alles nur für einen kurzen Moment! Hier geht es um grundsätzliche Hilfe! Jesus macht hier kein "Erste-Hilfe-Angebot", sondern will mir ganz entscheidend helfen, mit den Mühen meines Lebens klar zu kommen!
Im persönlichen Gebet, vielleicht auch im Gespräch mit einem anderen, vertrauten Menschen kann ich Entlastung erfahren. Im Glauben habe ich schon oft diese Hilfe erfahren, die mir wieder Luft zum Atmen und Kraft für den weiteren Weg gibt. Ich weiß selber, dass es so ganz einfach nun auch nicht immer ist. Aber wer nicht den Anfang wagt, wird den ersten Schritt nicht schaffen. Und Loslassen kann man üben!
Volker Mattenklott, Geschäftsführender Jugendreferent im Amt für Jugendarbeit im Kirchenkreis Minden
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