Gedanken zum sonntag
Kennen Sie Joseph? Nicht irgendeinen, der zufällig so heißt, sondern den aus der Weihnachtsgeschichte? Mittlerweile ist er wie alle Krippenfiguren wieder im Karton verstaut und weggeräumt. Aber damals ?
Er stand ein wenig am Rand und wusste nicht so recht, was er von dem ganzen Geschehen halten sollte: Erst das Theater mit der Zimmersuche in Bethlehem, anschließend musste er seiner Frau bei der Geburt helfen und zur Krönung bekam er auch noch eine Menge Besuch von fremden Leuten. Selbst Würdenträger aus fernen Ländern sollen darunter gewesen sein.
Das war schon ganz schön viel für den armen Mann.
Weihnachten ist doch vorbei, sagen Sie. Genau das Gefühl hatte auch der gute alte Joseph, nachdem sich auch die drei Weisen aus dem Morgenland wieder auf den Heimweg gemacht hatten. Nun begann auch für ihn der ganz normale Alltag, und das hieß, Verantwortung übernehmen, ohne zu wissen, wie die Geschichte ausgehen wird.
Das gilt für uns zu Beginn des neuen Jahres nicht minder. Das Feiern hat mal wieder ein Ende. Natürlich wüssten viele Menschen nur zu gerne, was da alles im neuen Jahr auf sie zukommt. Auch Joseph hätte viel darum gegeben. Die Versuche, der Zukunft ihre Geheimnisse zu entreißen, sind eine äußerst fragliche Kunst. Was aber von Horoskopen zu halten ist, mag jeder auf seine Art erfahren haben.
Joseph machte sich trotzdem zunächst einmal auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.
Uns wird es da auch nicht anders gehen. Die Zeit bleibt nun einmal nicht stehen, sondern geht weiter und nimmt uns einfach mit. Da bleibt es sich gleich, ob jemand nach vorne schaut und fröhlich seinen Weg geht, oder ob er vor lauter Zukunftsangst nicht weiß, was er tun soll und darum lieber gar nichts tut. Zurückgelassen wird von der Zeit niemand. Leichter werden es aber die Erstgenannten haben.
Machen wir es doch wie Joseph. Er zog mutig mit seiner Familie in ein fremdes Land, das er noch nie gesehen hatte. Dabei verließ er sich ganz auf Gott und vertraute sich ihm an. Warum sollten wir nicht mit gleicher Zuversicht und Vertrauen in das neue Jahr gehen?
Auch wenn noch viele Fragen offen sind, so mag uns die Weisheit der alten Chinesen Mut machen, uns den Aufgaben und Ereignissen zu stellen, die auf uns warten: "Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann! Aber er antwortete: Gehe nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes! Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg!"
Uwe Marczinzik ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Dankersen
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