Gedanken zum Sonntag
Krisen - Krisen - nichts als Krisen. Schaltet man das Fernsehgerät ein oder schaut auf die Titelseiten der Zeitungen - überall taucht dieser Begriff auf: Eurokrise, Finanzkrise, Schuldenkrise, Krise der Politik, der politischen Parteien, der Kirchen: Diese Liste ließe sich noch leicht verlängern.
Die Politik versucht zu retten, was zu retten ist, so hofft sie jedenfalls. Die Kirchen bemühen sich, Menschen zu gewinnen, doch bei allem Bestreben kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um den Versuch handelt, die Symptome zu bekämpfen und nicht die Ursachen, die zu diesen Krisen geführt haben. Und, zugegebenermaßen, ist das wohl auch die schwierigere Aufgabe, zumal es auch nicht nur eine Ursache gibt, sondern eine ganze Reihe.
Eine Ursache ist sicher, dass über viele Jahre etliche Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, einschließlich Deutschland, und dabei immer mehr Geld ausgegeben haben als eingenommen wurde.
Aber das gilt ja nicht nur im großen, öffentlichen Bereich, sondern auch im kleinen, privaten. Viele Millionen Menschen hierzulande sind stark überschuldet und manche werden es nicht schaffen, sich aus dieser bedrohlichen Situation zu befreien. Wir sagen zwar: Ich kann nur das ausgeben, was ich habe, aber dieser Satz hat mit der Wirklichkeit des Lebens oft nicht viel zu tun, dazu sind die Ansprüche an das Leben und was es bieten soll, zu hoch. Gerade in den Tagen vor Weihnachten, wo uns alles so glänzend und besonders werbewirksam entgegenstrahlt, wird das besonders deutlich. Der Wunsch, vieles zu besitzen, scheint in dieser Zeit ausgeprägter als sonst im Jahr. Und hier liegt wohl eine weitere Ursache, nämlich eine Sinnkrise. Viele glauben, Sinn und Inhalt des Lebens liege im Materiellen, im Erwerb vermeintlich wichtiger Dinge, und das gelingt oft nicht.
Die Adventszeit ist die Zeit des Jahres, in der wir mehr als sonst uns besinnen können, nachdenken über das, was wirklich wichtig ist im Leben und was ihm Sinn und Ziel verleiht. "Kehrt um und glaubt an das Evangelium" sagt Jesus und er meint damit, bedenkt euer Leben, besinnt euch auf die Werte, die das Leben ausmachen, indem ihr auf Gottes Wort hört, das vom Frieden, von der Liebe, der Freundschaft, der Gerechtigkeit und Solidarität spricht und damit den Weg zu einem sinnerfüllten Leben ebnen will. Dann kann ich in dieser Zeit zumindest eine Krise überwinden, die Krise des eigenen Lebens.
Michael Mäuer ist Pfarrer in der St.-Simeonis-Kirchengemeinde Minden
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