Gedanken zum sonntag
Advent 2011: Im Euro-Land brennt der Baum. Eine Krisensitzung jagt die nächste. Es geht um die Rettung der europäischen Gemeinschaftswährung. Über Griechenland, Italien, Ungarn, Belgien frisst sich der Brand in Richtung Zentrum. Für Manfred Gärtner, Professor für Volkswirtschaft in St. Gallen, sind die Ratingagenturen mit verantwortlich für diesen Flächenbrand.
"Man kann nicht ein Haus anzünden und hinterher darüber lamentieren, dass so viel Wasser verschwendet wird beim Löschen - das ist unanständig." (Süddeutsche Zeitung). Die Krise von 2008, von den Ratingagenturen durch Fehleinschätzungen mit verursacht, habe viele Länder gezwungen, Schulden aufzunehmen, um Banken zu retten. Diese Schulden wären nun Gründe für die schlechten Bewertungen.
Zumindest der Vorwurf der Brandbeschleunigung träfe die Agenturen daher zu Recht. Advent 2011: Im Kampf um die Euro-Rettung werden die Lasten für die Schwachen größer, während die Starken profitieren.
"Meine Seele macht Gott groß und mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen." So beginnt die erste Strophe des ältesten Adventsliedes - gesungen von Maria, einer werdenden Mutter weit weg von den Schaltzentren der Macht. Sie soll Jesus zur Welt bringen. Niemand ist Gott näher als sie. Gott zündet sein Licht an, wo es für uns dunkel ist. Er lässt seinen Lichterbaum brennen, wo Menschen sich und die Hoffnung verloren haben.
Zu groß, um zu scheitern? Maria sieht es anders. Sie singt: "Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen." König Herodes war einer der ersten, der diese schmerzhafte Erfahrung machen musste. Das römische Kaisertum und viele andere folgten. Bonhoeffer: "Es gibt für einen Starken, für einen Großen dieser Welt nur zwei Orte, (...), vor denen er sich in tiefster Seele fürchtet: Das ist die Krippe und das Kreuz Jesu Christi." Da brennt der Baum. Für die selbst ernannten Weltherrscher, die Unfehlbaren eine Katastrophe. Für die Kleinen eine Hoffnung.
Frieder Küppers ist Pfarrer in der St. Marienkirchengemeinde, Albert-Schweitzer-Haus, Minden.
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