Der Modellversuch "Schulacker"der Freien Waldorfschule Minden hat seine erste Bewährungsprobe bestanden. Schüler haben im zurückliegenden Jahr ihre praktischen landwirtschaftlichen Erfahrungen gemacht und einen Teil ihrer Ernte für die schuleigene Mensa zur Verfügung gestellt.
Im Frühjahr gesät und gepflanzt, im Sommer gejätet und im Herbst geerntet. Jetzt profitiert die Schulmensa von den eingelagerten Hokkaidos, Kartoffeln, Porree, Möhren und vom frisch gepflückten Wintersalat.
Konsequent ökologisch-wertvolles Essensangebot
Was das Essen in der Mensa betrifft, versucht die Schulgemeinschaft ein konsequent ökologisch-wertvolles Essensangebot durchzuhalten. Dazu gehört auch, dass der Fleischverzehr eingeschränkt wird. Würstchen kommen in der Regel nur einmal in der Woche auf den Tisch, aber nur Erzeugnisse aus artgerechter Tierhaltung. Fleisch aus der Massentier-haltung ist tabu. "Wichtig ist, dass die Schüler verstehen, warum der Ernährungsplan der Mensa anders ist als in der konventionellen Küche", so Ernährungslehrerin Gabriele Brdiczka. Wie schwer es ist, die Kinder an gesunde Öko-Kost zu gewöhnen, zeigt sich besonders bei den Kleinen. "Kürbis- und Möhrensuppe, Getreidebratlinge und Blattsalat sind nicht gerade die Renner.
Viele Waldorfeltern schätzen den "Bio-Speiseplan" für ihre Kinder. "Wir finden es gut, dass die Schule auf Erzeugnisse aus dem ökologischen Landbau wert legt, weil damit nicht nur die riesigen Monokulturen, sondern auch die Massentierhaltung vermieden werden", sagt Schülermutter Michaela Brand.
Jede Klasse betreut ihr eigenes Stück Acker
Der Schulacker wurde der Freien Waldorfschule Minden von dem Bio-Bauer Günter Becker aus Holzhausen II im letzten Jahr zur Verfügung gestellt. Er liegt schulnah und ist auf Wirtschaftswegen gefahrlos zu Fuß erreichbar. Unterstufen- und Mittelstufenklassen haben sich an der Bestellung und Pflege des Ackers beteiligt. Das 6 000 qm große Feld wurde zuvor von den Klassenlehrer in Parzellen eingeteilt, so dass jede Klasse ihr eigenes Stück Acker zu betreuen hat.
Pestizide sind tabu
Das erste Anbaujahr war noch mit Anlaufschwierigkeiten verbunden. Hier mussten die Schüler lernen, dass Anpflanzen und Ansäen nicht genügen, um zu einer guten Ernte zu kommen. "Eine regelmäßige Pflege, besonders um der wuchernden Wildkräuter Herr zu werden, ist notwendig, weil keine Pestizide zum Einsatz kommen", so Gartenbaulehrer Herwig Müller. Für Biologielehrer Hartmut Karge ist es eine Horror-Vorstellung, alles Leben auf dem Feld außer den Kulturpflanzen wegzuspritzen. "Die Acker-Begleitflora gehört zu einem naturnahen Lebensraum in der Kulturlandschaft dazu wie auch die Kleintierwelt."
"Vom Schulacker auf den Mensatisch" ist von der Waldorfschule als UN Dekade Projekt "Bildung für nachhaltige Entwicklung" eingereicht worden.
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