Bielefelderin Alexandra Klose studiert Bauingenieurswesen am Campus Minden / Schwerpunkt Baubetrieb
"Ich wollte immer begreifen, warum man bei hohen Gebäuden keine Angst haben muss", sagt Alexandra Klose. "Alle haben immer gesagt, man bräuchte keine Angst haben - ich wollte es verstehen." Inzwischen ist die 24-Jährige im fünften Semester und ihr ist längst klar, wie das mit der Statik funktioniert. "Mein Vertrauen ist da ein bisschen größer geworden."
In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat sie viel über die in Deutschland üblichen Sicherheitsstandards und -reserven gelernt. "Wie viel Überlegung hinter völlig alltäglichen Dingen steckt, das ist schon spannend", sagt die angehende Ingenieurin. Um die zu ergründen, gehören im Studium zunächst die Grundlagenfächer wie Mechanik, Baustoffkunde und natürlich auch Mathe dazu. "In einigen Fächern gibt es relativ hohe Durchfallquoten", sagt Alexandra Klose. Für sie sind diese Lehrveranstaltungen inzwischen aber Schnee von gestern. Neue Herausforderungen warten und die Berufsaussichten sind gut.
Unterschiede zum Beruf des Architekten
"Zum fünften Semester sucht man sich dann einen Schwerpunkt." Zur Wahl stehen Baubetrieb, Konstruktiver Ingenieurbau und Wasserwesen-Geotechnik-Abfallwirtschaft-Verkehrswesen. Im Schwerpunkt Baubetrieb geht es rund um die praktische Arbeit in einem Bauunternehmen, von der Kundengewinnung über die Baustellenplanung und wirtschaftliche Abwicklung bis zur Bauleitung. Der Konstruktive Ingenieurbau befasst sich mit der Planung, Konstruktion und Statik. Hier werden Pläne von Architekten berechnet und bis zur Position einzelner Elemente wie Schrauben oder Bohrungen ausgearbeitet.
Vom Beruf des Architekten unterscheidet sich der des Bauingenieurs trotz einiger Überschneidungen. "Die Bauleitung kann sowohl ein Bauingenieur als auch ein Architekt übernehmen. Bauingenieure sind aber nicht für das Entwerfen von Bauwerken, dafür mehr für die Konstruktion und Statik zuständig. Tragwerksplanung können nur Bauingenieure."
Eine Mindener Spezialität ist seit langem der Bereich Wasserwesen-Geotechnik-Abfallwirtschaft-Verkehrswesen. Hier befassen sich die angehenden Ingenieure zum Beispiel mit der Planung und dem Bau von Deponien oder dem Bau von Deichen, Kanälen und anderen Bauwerken, die vor eindringendem Wasser geschützt werden müssen oder das umgebende Wasser schützen sollen.
Für Alexandra Klose ist klar: "Ich kann mir eher Vorstellen auf die Baustelle zu gehen." Deswegen hat sie sich für den Schwerpunkt Baubetrieb entschieden. Bauleitung wäre ein Bereich, den sie sich gut vorstellen könnte - wie wohl die Mehrzahl ihrer Kommilitonen. "Die Meisten von uns werden wohl im klassischen Hochbau landen", vermutet sie.
Praxiserfahrung auf dem Bau gesammelt
Nächsten Sommer steht ein Praxisprojekt an. "Da wäre es auf jeden Fall gut, zu einer Firma zu gehen, bei der ich auch mit auf eine Baustelle kann", sagt sie. Es wäre nicht ihre erste Erfahrung auf dem Bau. "Schon vor Studienbeginn müssen wir Praxiseinheiten absolvieren." Alexandra Klose arbeitete bereits bei einem Fliesenleger und hat in den Beruf des Bauzeichners hineingeschaut.
Ihr großer Wunsch ist es, einmal an einem besonderen Gebäude mitzuarbeiten. "Es wäre schön, wenn man einmal im Leben ein Gebäude baut, dass jeder kennt, das wirklich mal ein Wahrzeichen ist. Einmal einen Meilenstein bauen - das wäre toll." Und dieses Gebäude dürfte dann wohl auch ruhig etwas höher sein. Schließlich weiß Alexandra Klose dann ja, dass es wirklich sicher ist.
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