Neuer Campus-Bus bietet Mindener Studierenden die lang ersehnte Direktverbindung - ohne Umweg über den ZOB
Bisher brauchten die Pendler geschlagene 45 Minuten bis ans Ziel. Denn der Bus fuhr immer den lästigen Umweg über den ZOB. "Da war man oft zu Fuß schneller", sagt Prof. Dr. Michael Mohe (Dekan Fachbereich Technik). Weil einige Vorlesungen am Campus Minden um acht Uhr beginnen, klingelte bei manchen Studierenden der Wecker schon um sechs Uhr oder noch früher. Trotzdem geriet die morgendliche Anfahrt nach Minden immer wieder zur Zitterpartie, beispielsweise wenn der Zug Verspätung hatte. Kein Student stolpert gerne abgehetzt in ein Seminar, das schon begonnen hat. Der Weg ist nicht immer das Ziel.
Der neue Campus-Bus soll die Verkehrswende bringen. Die Haltestelle Drabertstraße ist nur wenige Schritte vom Fachhochschul-Gebäude an der Ringstraße 94 entfernt und schnell zu erreichen. Das Projekt startet mit vier Verbindungen: Am Mindener Bahnhof startet der Bus um 7.40 Uhr und 9.40 Uhr in Richtung Campus. In die umgekehrte Richtung geht es um 13.05 Uhr und 17.15 Uhr. Um die Verbindung nutzen zu können, müssen die Pendler nur mit ihrem Semesterticket wedeln. Dieses Ticket haben alle Studierenden, denn es gilt das Solidaritätsprinzip: Die Kosten für das Ticket sind automatisch im Semesterbeitrag, den sie an die Fachhochschule zahlen, enthalten. Der beträgt rund 160 Euro pro Semester. Nur weil mit allen Studierenden kalkuliert wird, kann der Preis erreicht werden.
Der Campus-Bus ist aber nicht nur für die Studierenden da. "Jeder kann die Linie nutzen", sagt Dr. Kathrin Sander, Fachbereichsreferentin Architektur und Bauingenieurwesen. Der Probebetrieb soll etwa ein Jahr dauern. Die Verkehrsexperten Kay Busche (MHV) und Christian Gaier (BVO) gehen aber angesichts des Erfolgs schon heute davon aus, dass der Campus-Bus eine dauerhafte Einrichtung wird. Möglicherweise wird sich auch die Frequenz der Fahrten erhöhen: Denn fast 120 Studierende am Campus Minden haben einen der praxisintegrierten Studiengänge belegt und andere Zeiten in ihren Stundenplänen.
Studentin Alexandra Klose (24) gehört zu den Pendlern, die über die neue Linie sehr glücklich sind. Sie studiert Bauingenieurwesen im fünften Semester und wohnt in Bielefeld. Als sie zu Beginn ihres Studiums in Minden erfahren hat, dass sie vom Bahnhof zur Fachhochschule 45 Minuten Zeit einplanen muss, sei sie "entgeistert" gewesen. Tatsächlich gab es in der Geschichte des Campus Minden, die 1971 mit dem Fachbereich Architektur als Teil der Fachhochschule Bielefeld begann, noch nie eine solche Direktverbindung zum Bahnhof.
Standortfaktor auch für die Wirtschaft
Dabei sei ein funktionierender Nahverkehr unverzichtbar für Unis und Fachhochschulen, sagt Prof. Dr. Michael Mohe. Von jungen Leuten wird ein hohes Maß an Mobilität gefordert. Und in Minden sollen es noch deutlich mehr werden, nämlich 1300 Studierende statt der aktuellen 800. Wer umweltfreundlich pendeln möchte, ist auf Bus und Bahn angewiesen. Darum gilt ein funktionierender Nahverkehr als entscheidender Standortfaktor - nicht nur für künftige Studierende, sondern auch für die Wirtschaft.
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