Donnerstag, 09.02.2012
iPad | MT-Blogs | MTMobil | Impressum | Kontakt | Sitemap | Newsletter

24.08.2010
Street-View ist nur die Spitze des Eisbergs
Weitere Anbieter stehen in den Startlöchern oder sind schon online / Experten fordern neues Datenschutzgesetz
VON CHRISTOF KERKMANN

Eine Fahrt über die Golden Gate Bride in San Francisco, ein Spaziergang durch Manhattan, und das alles ganz digital: Viele denken da gleich an Googles umstrittene Straßenansicht Street View.

Wer sich selbst nicht online sehen will, hat es schwer - nicht nur bei Google. | Foto: dpa

Doch auch andere Unternehmen arbeiten an einem digitalen Abbild der Welt, darunter Software-Riese Microsoft mit seiner prall gefüllten Kasse. Angesichts dieser Bilderflut fordern Datenschützer, nicht nur über Google zu diskutieren. Microsoft ist Google in Sachen Internet meist hinterher - so auch bei den Straßenansichten. Während der Suchmaschinen-Gigant bereits 2007 Street View startete und mittlerweile Panorama-Bilder aus 23 Ländern anbietet, ist das Microsoft-Pendant Streetside bislang auf die USA beschränkt. In Deutschland ist es noch nicht verfügbar.

Doch die Pläne des Windows-Herstellers sind ambitioniert - bei einigen Projekten sogar ambitionierter als das, was von Google bekannt ist. Schon heute bietet der Kartendienst Bing Maps einen Blick aus der Vogelperspektive. Alle deutschen Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern sind von schräg oben zu besichtigen.

Und mit Photosynth lassen sich Bilder von einem Ort zu 3D-Ansichten zusammenpuzzeln. Bislang gibt es nur Ansichten von viel fotografierten Sehenswürdigkeiten. Ein Blick auf die Freiheitsstatue in New York oder den Marienplatz in München zeigt aber, was möglich ist. Man wolle "wesentliche Teile der Welt rekonstruieren", erklärte Microsoft. Das gilt sogar für die Innenräume von Geschäften oder öffentlichen Gebäuden. Dafür sind Mitarbeiter des Unternehmens mit einem Fotorucksack unterwegs.

Auch deutsche Unternehmen dabei

Die Fotodienste von Google und Microsoft wären nichts ohne die Hilfe der vielen Fotofans, Lokalpatrioten oder Fremdenverkehrsämter. Sie laden Tag für Tag ihre Bilder und Videos auf Plattformen wie Flickr, Panoramio oder Youtube hoch, oft versehen mit den Koordinaten des Aufnahmeortes. Dieses Sammelsurium dient als Steinbruch.

Die Photosynth-Kreationen setzen sich komplett aus Bildern der Nutzer zusammen. Und Google reichert die Straßenkarte Maps und den digitalen Globus Earth um Fotos von der Plattform Panoramio an, die der Konzern im Mai 2007 gekauft hat. Wer auf die Miniaturen klickt, sieht die Aufnahmen in voller Größe.

Neben den IT-Größen aus Amerika mischen auch deutsche Unternehmen im großen Bilderspiel mit. Das Projekt Bilderbuch Köln etwa will alle Häuser der Rheinmetropole fotografieren, ins Netz stellen und so eine "virtuelle Navigation" durch die Stadt ermöglichen. Das Landgericht Köln wies die Klage eines Hausbesitzers ab und befand den Dienst für zulässig. Und die Firma Sightwalk bietet bebilderte Spaziergänge durch sieben deutsche Städte an.

Die verschiedenen Dienste bieten ein faszinierendes digitales Abbild der Welt. Bei allen Vorteilen für Touristen, Wohnungssuchende oder Stadtfremde bleibt aber die Frage: Wie lässt sich angesichts dieser Bilderflut die Privatsphäre der Bürger wahren? Der Ruf nach der Reform der Datenschutzgesetze wird wieder laut. Der Bundesrat hat kürzlich einen Gesetzentwurf zur Regulierung von Diensten wie Street View verabschiedet.

Auch der Datenschützer Moritz Karg hält eine Reform für sinnvoll - aber nicht so, wie es die Länder vorgeschlagen haben. "Der Entwurf geht nicht das grundlegende Problem an", sagt der Jurist vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Er verweist auf ein Eckpunkte-Papier, das die Datenschützer aus Bund und Ländern verabschiedet haben. "Wir fordern eine technologieneutrale Reform der Datenschutzgesetze, die unabhängig von einzelnen Technologien und Diensten dem Recht des Einzelnen auf Privatsphäre im digitalen Zeitalter gerecht wird." Street View ist für ihn nur die "Spitze des Eisbergs". dpa

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 23.08.2010 um 21:15:23 Uhr

Texte und Fotos aus MT-Online sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Diesen Artikel in Netzwerken veröffentlichen:




´

Anzeige



Meistgeklickt

Petershagen/Obernkirchen: Busunglück auf der B61 - Eine Person schwer verletzt
Petershagen (nik/jhr). Bei einem Busunfall auf der B61 nahe Eldagsen ist eine Person schwer, eine unbekannte Zahl an weiteren Personen leicht verletzt... mehr

Busunfall: Eine Schwerverletzte auf Rückweg von Klassenfahrt
Petershagen (nik/jhr). Bei einem Busunfall auf der B61 nahe Eldagsen ist eine Person schwer, eine unbekannte Zahl an weiteren Personen leicht verletzt... mehr

Handelsabkommen Acta bringt Netzgemeinde auf die Barrikaden
In Deutschland war es lange ruhig um das Anti Counterfeiting Trade Agreement (Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen)... mehr

Petershagen/Bielefeld: Sexueller Missbrauch - Kinder mit Fernseh-Rollen geködert
Petershagen/Bielefeld (nw). "Sie haben die Suche der Kinder nach der eigenen Reife planmäßig und perfide für sich ausgenutzt"... mehr

Minden: Spielwarengeschäft eröffnet am Markt
Minden (mt/hjA). Positive Entwicklung in der Mindener Innenstadt. Am 8. März wird in den ehemaligen Geschäftsräumen von Becker am Markt ein... mehr

Wiederaufbau für mehrere Millionen Euro



Wiederaufbau für mehrere Millionen Euro



Petershagen/Obernkirchen: Busunglück auf der B61 - Eine Person schwer verletzt



Weserdrachen Indoor Cup: 37 Teams messen sich im Melittabad



Wörns führt BVB zum vierten Titel



Neues vom runden Loch im ZOB-Gebäude
mit 32 Kommentaren

Die Städtischen Betriebe Minden vermuteten mutwillige Beschädigung und erstatteten Anzeige bei der Polizei... mehr

"Reboot 2014" will kein Mindener Pirat sein
mit 27 Kommentaren

Dienstagabend haben sich die Rebootler getroffen, um sich zu gründen. Mehr als drei Stunden wurde über die zwölf Paragrafen lange Satzung diskutiert... mehr

Verlorener Lieblingsplatz macht Kummer
mit 23 Kommentaren

Das strengt beide an. Zwischendurch braucht das Paar immer mal wieder eine Pause, um sich zu setzen und auszuruhen. Ruheplätze und Nischen entlang... mehr

Vier Ideen für das neue Rathausquartier
mit 21 Kommentaren

Im Juni 2011 hatte die Stadtverwaltung im Auftrag der Politik Exposés an rund 170 Projektentwickler versandt. Darin enthalten die Bitte... mehr

Hille: Bürgermeister stellt Strafanzeige wegen falscher Facebook-Seite
mit 20 Kommentaren

Hille (GB). Manche halten soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. für einen Segen, andere für einen Fluch. Beispielsweise Michael Schweiß... mehr



Bild des Tages

Bild vom 08.02.2012

07.02.2012

06.02.2012