Datenschützer warnen vor beliebtem Facebook-Spiel "Farmville" / In kurzer Zeit zum Massenphänomen geworden
Im Online-Netzwerk Facebook ist das Spiel in kürzester Zeit zu einem Massenphänomen geworden. Knapp 75 Millionen virtuelle Bauern aus allen Teilen der Welt beackern ihr kleines Stück Internet-Land - Tendenz steigend. Doch in der Farmville-Welt ist nicht alles eitel Sonnenschein: Verbraucherschützer warnen vor der Datensammelwut des Anbieters, einige Spieler berichten von unerlaubten Konto-Abbuchungen.
Die amerikanische Internet-Firma Zynga zeigt sich überrascht von dem Erfolg des erst im Juni 2009 gestarteten Spiels. Er habe für Ende des Jahres vielleicht um die fünf Millionen Nutzer erwartet, sagte Gründer Marc Pincus in einem Interview. Aber Spiele wie Farmville dieser Art erleben in Online-Netzwerken gerade einen Boom. Mit Zynga kann man sich ein Aquarium basteln (Fishville), Haustiere pflegen (Petville), eine Gaststätte führen (Cafe World) oder sich durch die Unterwelt kämpfen (Mafia Wars). Konkurrent Playfish ist mit ähnlichen Spielen am Start.
Die virtuellen Welten bringen den Betreibern durchaus reales Geld. Bei Farmville zum Beispiel kann man zwar zunächst kostenlos mit Fleiß "Erfahrungspunkte" sammeln und virtuelles Geld verdienen, um sich Saatgut und Tiere kaufen zu können. Dafür muss der Farmer regelmäßig nach seinen Pflanzen sehen, denn sonst gehen sie ein. Begehrte Elemente wie etwa ein Haus kriegt man aber schneller, wenn man für echtes Geld sein Farmville-Konto auffüllt, per Kreditkarte oder über den Bezahldienst Paypal.
Zynga hat nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 230 Millionen Spieler an sich gebunden. Laut "New York Times" nimmt das Unternehmen pro Jahr rund 250 Millionen Dollar ein und wächst schnell. Der gesamte Markt für virtuelle Spiel-Utensilien wird allein in den USA auf eine Milliarde Dollar geschätzt - und könnte laut Experten bis 2013 auf fünf Milliarden Dollar wachsen. In Asien sollen es jetzt schon um die fünf Milliarden sein.
Kritiker zweifeln allerdings daran, ob alles sauber zugeht in den niedlichen Online-Welten. So sollen Partner von Zynga dubiose Geschäftspraktiken angewandt haben. Sie boten Nutzern Farmville-Geld an, wenn diese Software oder Handy-Klingeltöne kauften. Kritiker wie das IT-Blog TechCrunch sahen dahinter eine Abo-Falle. In den USA läuft eine Sammelklage gegen Facebook und Zynga. Der Spiele-Anbieter stoppte die Abo-Praktiken daraufhin.
Spannend wird es auch beim Thema Datenschutz. Wer sich das Spiel auf sein Facebook-Profil lädt, erlaubt Zynga den Zugriff unter anderem auf die eigenen Profilinformationen, Fotos und Informationen über Freunde. Das Unternehmen erstellt ein Profil der Nutzer, für das es Daten aus etlichen Quellen zusammensetzt: etwa "Zeitungen, Internetquellen wie Blogs, Kurzmitteilungsdiensten, Zynga-Spielen und von anderen Zynga-Nutzern", wie es auf der Website des Unternehmens heißt.
Zusammen mit Browser-Informationen über die besuchten Websites werden diese Daten für gezielte Werbung genutzt. Nach deutschem Recht ist das fragwürdig, wenn nicht gar unzulässig, genauso wie die dauerhafte Speicherung der Daten durch Zynga. dpa
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