Das war die Geburtsstunde von "Jonas". Der 36-jährige Ulmen spielt einen 18-jährigen Sitzenbleiber, der seine letzte Chance auf einen Schulabschluss in einem sechswöchigen Bewährungsunterricht erhält. Einer, der nicht aneckt, nicht auffallen, sondern endlich den Logarithmus verstehen will, wenn er an die Tafel geholt wird.
Der Kinofilm "Jonas" ist also weit weg von Ulmens üblicher Narrenfreiheit, die er sich bei "Unter Ulmen" oder bei "Mein neuer Freund" gönnte. Als 18-jähriger Schüler wollte er gemocht werden, vor allem nicht im Vordergrund stehen und sich stattdessen in eine Klassengemeinschaft einfügen. Weiter sollte in diesem Projekt, das durchaus auch dokumentarischen Charakter für sich beansprucht, niemand vorgeführt werden, und so wurden die Witze auf Kosten anderer ebenfalls eingespart.
Drei Stunden musste Ulmen täglich in die Maske, natürlich bevor die Schule anfing. So begann sein Arbeitstag um halb vier Uhr morgens. Anschließend ging er in die ganz reale Paul Dessau Gesamtschule in Brandenburg, rechnete an der Tafel Logarithmen vor, schrieb Klassenarbeiten mit und suchte sich Freunde, sechs lange Wochen. Eine Dramaturgie wurde im Vorfeld nicht entworfen. Jeder Tag entschied, was als Nächstes passiert.
Zurückhaltung wird nicht aufrecht erhalten
Soweit klingt das ganz verlockend, wenn auch schon an diesem Punkt wie ein Filmprojekt, das den Beteiligten mehr Spaß macht als dem Zuschauer. Denn warum sollte man diesen "ganz normalen Schulalltag" als Freizeitvergnügen sehen wollen?
Der Zuschauer hegt die Hoffnung, dass Ulmen auch in der Figur des Jonas versucht, lustig zu sein, und er, Ulmen, möchte das auch, zumindest ab und zu. Seine Zurückhaltung hält er nicht aufrecht, wozu auch, es ist ja nur ein Film und wahres Durchfallen gibt es nicht. Was theoretisch ein Stolperstein ist, wird in Wirklichkeit zur Farce.
Denn Regisseur Robert Wilde inszeniert, so sehr dies auch bestritten wird, Christian Ulmen. Der Rest ist Beiwerk. Die propagierte Bescheidenheit findet nie statt. Wir wollen nur beobachten? Von wegen ...
Zwei Ideen widersprechen diesem Vorhaben: Jonas verliebt sich in seine beinahe zwei Generationen ältere Musiklehrerin - kenntlich gemacht durch Zeitlupe, als die Dame mittleren Alters durch eine Tür tritt! Spätestens jetzt verlässt die angeblich nicht vorhandene Dramaturgie die Realitätsebene. An dieser Stelle manipulieren die Filmemacher, verbrüdern sich mit kecken Ideen, von denen sie meinen, dass sie Christian Ulmen naiv und schelmisch rüberbringt. Das tut er, weil er sonst nicht viel mit seiner Rolle anzufangen weiß.
Ulmen tut nicht viel dafür zu überzeugen. Jonas gestaltet er im Vorbeigehen: offener Mund heißt nicht verstehen, Haare aus dem Gesicht schleudern und debiles Lachen vervollständigt zusammen mit treu-naivem Nicken die Palette.
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